Biogasanlage mit kuppelförmigen Fermentern inmitten einer ländlichen Landschaft.
© Zukunft Grünes Gas
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Digital Life

Biogas im Netz: Eine unterschätzte Chance für Österreich

Der Konflikt im Nahen Osten lässt die Gaspreise in die Höhe schnellen. Nervös schauen sich Politiker daher nach alternativen Bezugsquellen um. Dabei würde es in Österreich mit Biogas und Wasserstoff bereits vielversprechende Kandidaten geben, die dem Engpass etwas entgegensetzen könnten und sogar umweltfreundlich hergestellt werden. 

„Die Vision wäre, dass man das Biogas, das man derzeit verstromt und dann ins Stromnetz einspeist, stattdessen direkt ins Gasnetz verlagert“, erklärt Michael Obermann, Referent für erneuerbare Gase bei der ÖVGW. Obwohl man es auch im Stromnetz brauche, könnte man damit im Sommer die Gasspeicher auffüllen und wäre besser für den Winter gerüstet.

Im Stromnetz würde im Sommer ohnehin oft zu viel Sonnen- und Windenergie aus nachhaltigen Quellen bereitstehen. Außerdem ist der Wirkungsgrad beim Umwandeln von Gas in Strom niedrig: Nur ein Drittel der im Biogas enthaltenen Energie wird zu Strom.

Mikroorganismen im Mist erzeugen Gas

Mit Biogas ist in erster Linie Biomethan gemeint. Im Unterschied zu Wasserstoff könnte man das direkt im normalen Gasnetz einsetzen, weil es ähnliche Eigenschaften wie Erdgas hat. Biomethan entsteht meist in kuppelförmigen Anlagen aus Biomüll, Tiermist oder Klärschlamm. „Biologische Abfälle kann man in der Biogasanlage vergären. Sie werden unter Sauerstoffmangel mit Hilfe von Mikroorganismen in Methan (CH4) und CO2 verstoffwechselt“, erklärt Obermann: „Das CO2 wird dann abgetrennt und das Biomethan bleibt erhalten.“ 

Neben dieser klassischen Vergärung gebe es außerdem weitere Methoden. Etwa bei der Syngas-Plattform in Wien Simmering, wo eine neuartige Herstellung getestet wird, bei der mit starker Hitze sogenanntes Synthesegas entsteht.

Kreislaufwirtschaft und Klima

Biogas stand früher in Verruf: Es hieß, dass in den Anlagen Lebensmittel vernichtet würden. „Grundsätzlich stimmt das nicht. Die Anlagenbetreiber haben in der Regel genug Reststoffe“, erklärt Obermann. Weil die Biogas-Produktion die verwertet, trägt sie auch zur Kreislaufwirtschaft bei: Aus Abfall wird Energie. Das macht die regional verfügbare Energiequelle nicht nur wegen der geringeren Abhängigkeit von globalen Gasmärkten zu einer spannenden Erdgas-Alternative, sondern auch wegen ihrer größeren Umweltfreundlichkeit. 

Der Effekt auf das Klima sei positiv: Das abgespaltene CO2 kann später einer anderen Verwendung zugeführt werden. „Je nachdem ist es dann entweder klimaneutral oder sogar klimanegativ“, sagt Obermann. 

Kritiker sind wegen der Dichtheit des Gasnetzes besorgt. Doch für Methangas gebe es EU-weit strenge Regelungen zu Lagerung und Transport. Die sollen sicherstellen, dass aus dem Gasnetz möglichst kein Methan entweicht. Schließlich gilt das Treibhausgas als besonders atmosphärenschädigend. „Die Messungen der vergangenen Jahre zeigen deutlich: Das Gasnetz ist dicht. Außerdem wollen wir es nicht in die Atmosphäre entlassen, sondern daraus Energie erzeugen“, meint Obermann.

Abfälle vom Maisanbau

Unter anderem werden für die Biogas-Herstellung landwirtschaftliche Abfälle genutzt, wie hier vom Maisanbau.

Wasserstoff in aller Munde

Neben Biogas setze man derzeit auch große Hoffnungen in Wasserstoff, erklärt Obermann: „Das ist derzeit in Österreich der treibende Motor, auf den sich alle draufstürzen. Biogas ist nicht ganz so sexy, hat mittelfristig aber größeres Potenzial.“ 

Sofern man die richtigen Weichenstellungen setzt, sei das grüne Gas in Österreich zukunftsweisend. „Es gibt 2 Gesetze: das Erneuerbare-Gase-Gesetz, das schon lange auf sich warten lässt, und das Gaswirtschaftsgesetz“, erklärt der Referent für erneuerbare Gase. In beiden geht es um passende Rahmenbedingungen, die die Einspeisung von Biogas in die bestehende Gasinfrastruktur regeln und sie endlich auf den Weg bringen.

Besonders von der Biogaswirtschaft profitieren ländliche, wirtschaftlich schwache Regionen: Oft kommen die Rohstoffe wie Holz- und Pflanzenreste, kommunale Abfälle und Molkereiabfälle direkt aus der Region. „Die Reststoffe werden dort gesammelt, etwa 10 bis 20 Kilometer von einer Anlage entfernt. Das hat große Vorteile für Gebiete, die von Haus aus eher strukturschwach sind.

Die Anlagen brauchen außerdem auch Personen, die dort arbeiten“, erklärt Obermann. Biogas im Netz würde der Wirtschaft also 3-fach positive Impulse geben: Es könnte drohende Engpässe ausgleichen, wäre klimafreundlicher und würde zugleich Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen schaffen.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit der ÖVGW.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Kommentare