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Für Klimawandel und Datencenter: Das fordert die heimische Wasserwirtschaft
Wenn wir den Wasserhahn aufdrehen und unser Glas mit Wasser füllen, ist das für Österreicher selbstverständlich. In vielen Weltgegenden wäre das allerdings nur schwer vorstellbar. Über Hunderttausend Österreicher arbeiten täglich daran, dass die Versorgung mit sauberem Trinkwasser funktioniert: Sie stellen sicher, dass keine Chemikalien ins Grundwasser gelangen, überwachen die Wasserqualität und ersetzen kaputte Leitungen.
Dazu kommen neue Herausforderungen: Durch den Klimawandel gibt es etwa immer mehr Trockenperioden und Starkregenereignisse. Er wirkt sich auch auf die Grundwasserspiegel aus. “Wir sind beim Grundwasser bereits unter die hundertjährigen Tiefstände gefallen. Aus Sicht der Wasserversorgung macht uns das schon ein bisschen Angst, was da in Zukunft auf uns zukommt”, erklärt ÖVGW-Vizepräsident Nikolaus Sauer am Dienstag bei einer Pressekonferenz zur wirtschaftlichen Situation der heimischen Trinkwasserversorgung.
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Studie über Lage und Zukunft
Eine neue Studie untersuchte, welche Weichenstellungen für die Zukunft nötig sind und wie viel Geld der Staat in die Wasserwirtschaft investieren muss. Beauftragt wurde die volkswirtschaftliche Analyse vom der Österreichischen Vereinigung vom Gas- und Wasserfach (ÖVGW). Durchgeführt wurde die Studie vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung.
Studienautor Christian Helmenstein meinte, dass derzeit ein guter Zeitpunkt für Investitionen dieser Art sei: Während die Volkswirtschaft derzeit mit vielen Problemen wie ein zu starker Euro gegenüber dem US-Dollar, Teuerung und Exportschwierigkeiten kämpfen, könne man zumindest beim Investitionsvolumen mehr steuern: “Bei Investitionen müssen wir nicht darauf achten, dass ein US-Präsident eine favorablere außenwirtschaftliche Haltung einnimmt”, sagte Helmenstein.
ÖVGW-Vizepräsident Mag. Nikolaus Sauer und Univ.-Prof. Dr. Christian Helmenstein vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung präsentieren die neue Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Österreichs Wasserversorgern“.
© Daniel Hinterramskogler
Investitionsbedarf
Die Studie errechnete, dass sich die Investitionen in die Trinkwasserversorgung auch für den Staat finanziell auszahlen: Während der gesamte Wirtschaftszweig 2024 12,8 Milliarden Euro erwirtschaftete, kommt später einiges davon wieder zurück in die Staatskassen. Bei einer Förderquote von 15 Prozent generiert jeder investierte Euro 6,48 Euro an Investitionen oder 4,40 Euro an inländischer Wertschöpfung. 84 Prozent aller Kommunalsteuereinnahmen in Österreich entfielen 2024 auf die Wasserversorgung.
Die Branche schafft zudem viele Arbeitsplätze, die über die Trinkwasseraufbereitung hinaus gehen. Dazu gehöre etwa auch das Entwickeln und Erzeugen spezieller Filter und Chemikalien zur Wasseraufbereitung, erklärt Helmenstein. Auch Bereiche wie Sportstätten haben damit zu tun: Golfplätze bräuchten genauso Wasser wie Schwimmbäder. Ebenso sind moderne Belüftungssysteme und Klimaanlagen von der Wasserwirtschaft abhängig.
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Für ihre Studie berechneten die Experten jedoch auch, welche Mittel der Wirtschaftszweig in Zukunft braucht. Die Experten sahen sich dazu 2 Szenarien genauer an, die auf Basis von Analysen des österreichischen Rechnungshofs berechnet wurden: Bei einem ging es um den Funktionserhalt. “Das bedeutet, ich investiere erst dann, wenn ein Schaden entsteht”, erklärte der Ökonom Sauer. Wenn etwa Rohrbrüche oder andere Schäden auftreten. Hier bräuchte man bis 2030 2,33 Milliarden an Investitionen.
Ideal wäre aber das sogenannte Werterhalt-Szenario: Damit ist gemeint, dass man nicht nur gegensteuert, wenn etwas kaputt geht, sondern auch vorausschauend für die Zukunft plant. Hier müsste man fast das Doppelte in die Hand nehmen: 4,3 Mrd. Euro. Derzeit liege man in Österreich mit 3,14 Mrd. Euro bis 2030 dazwischen. Die ÖVGW fordert nun aber, dass der Bund mehr dazuzahlt: Die jährliche Kofinanzierung, also Förderung, soll mindestens 150 Millionen Euro betragen.
Datencenter, wie hier in den USA, werden auch bei uns gebaut. Sie brauchen Wasser zur Kühlung.
© REUTERS / Leah Millis
Wasser für Datencenter und Klimawandel
Derzeit würde etwa viel über den Bau von Datencentern und der dazugehörigen Infrastruktur gesprochen. Hier spielen eine funktionierende Wasserinfrastruktur wie Leitungen und Verdampfer für die Kühlung eine Rolle. “Dabei geht es auch um wasserbezogene Investitionen, die in unserer Volkswirtschaft erforderlich sind”, sagt der Ökonom.
Zusätzlich wünscht sich die Vertretung der Wasserwirtschaft spezielle Mittel, damit auch Anpassungen an den Klimawandel finanziert werden können. Die heimische Wasserwirtschaft muss sich anpassen und die Infrastruktur für lange Hitzeperioden und Starkwetterereignisse wie extreme Regenfälle wappnen. 2024 stellte etwa eine Studie fest, dass bis 2050 die Grundwasservorräte bis zu 23 Prozent sinken könnten. Deshalb empfahl die Studie damals etwa einen Ausbau überregionaler Versorgungssysteme.
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“Investitionen in die Trinkwasserversorgung stärken die langfristige Versorgungssicherheit", mahnte Sauer daher am Dienstag. "Die eingesetzten Fördermittel verbleiben überwiegend in der heimischen Wirtschaft und tragen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zur Stärkung der Konjunktur bei."
Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit der ÖVGW.
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