Digital Life
12/12/2018

Computerpionierin Evelyn Berezin gestorben

Die Frau, die das erste Textverarbeitungsprogramm der Welt entwickelt und verkauft hat, starb vor wenigen Tagen im Alter von 93 Jahren.

Evelyn Berezin nannte das Gerät Datensekretär („Data Secretary“), das ihre Firma Redactron 1971 das Produkt einführte. Redactron wuchs von neun Mitarbeiter auf fast 500 an, bevor sie diese 1976 an die Burroughs Corporation verkaufte.  

Sie hatte zuvor eines der ersten computerisierten Flugbuchungssysteme der Welt entwickelt. Die Innovation, die auf Kunden und verfügbare Sitze abgestimmt war, wurde 1962 von United Airlines getestet. Laut dem Computer History Museum hatte es eine Reaktionszeit von einer Sekunde und arbeitete elf Jahre lang ohne Systemausfall. Die Technologie wetteiferte gegen das von American Airlines entwickelte Konkurrenzsystem Sabre, um das erste seiner Art zu sein, wie BBC berichtet.

Darüber hinaus half Berezin mit der Pionierarbeit bei anderen Arten von Spezialcomputern. Darunter befanden sich ein automatisiertes Bankensystem, einen Waffenzielrechner für das US-Verteidigungsministerium sowie Terminals für eine Pferderennbahn, auf der überwacht wurde, wie viel Geld auf jedes Tier gesetzt wurde.

 

Textverarbeitung statt Registrierkasse

In einem Interview im Jahr 2015 erklärte Berezin, dass sie beschlossen hatte, Mitte der 1960er-Jahre ein eigenes Unternehmen zu gründen, nachdem sie zu dem Schluss gekommen war, dass ihre Aussichten als angestellte Computerspezialistin begrenzt waren. Sie sagte, sie habe anfangs die Entwicklung einer elektronischen Registrierkasse in Betracht gezogen, entschied sich jedoch letztendlich dafür, ein sogenanntes Textverarbeitungsprogramm zu entwickeln.

Damals hatte noch so gut wie niemand Computer. Zu dieser Zeit war das Gerät, das noch am ehesten an das herankam, eine Maschine von IBM namens MT / ST. Das war eine Schreibmaschine mit Magnetbandaufzeichnungs- und -wiedergabemöglichkeiten. Das Marketing von IBM bezog sich auf ein Textverarbeitungsprogramm, aber die Maschine stützte sich auf Relaisschalter statt auf Computerchips. Sie richtete sich eher an militärische Ausrüstungshersteller als an den breiteren Geschäftsmarkt.

Auch Computer entwickelt

"Wir waren fest entschlossen, einen Computer für den Betrieb unseres Systems zu entwickeln, und wir wussten, dass wir integrierte Schaltkreise verwenden mussten, denn nur so konnten wir den Computer klein genug und billig genug und zuverlässig genug machen, um ihn zu verkaufen", sagte Berezin. Ihr Gerät, das etwa einen Meter hoch war, verfügte über eine Tastatur, Kassettenlaufwerke, Steuerelektronik und einen Drucker. Es konnte aufnehmen und wiedergeben, was der Benutzer eingegeben hat, um es zu bearbeiten oder erneut zu drucken.

Dem ursprünglichen Modell fehlte ein Monitor. Spätere Versionen des „Data Secretary“ enthielten jedoch einen Bildschirm.

Finanzieller Druck durch Rezession

Die erste Produktionsmaschine wurde im September 1971 an einen Kunden ausgeliefert. Im darauffolgenden Jahr verkaufte oder vermietete Redactron mehr als 770 andere Maschinen ohne Demogeräte. In den folgenden Jahren stieg die Nachfrage, aber die Finanzen des Unternehmens gerieten unter Druck, zum Teil wegen der hohen Zinssätze und einer Rezession, die dazu führte, dass die Kunden mieten wollten, anstatt ihre Produkte zu kaufen.

"Wir wurden von der Bank aufgefordert, das Unternehmen zu verkaufen, und sie hatten jemanden, den sie kannten, der interessiert war", sagte Berezin. "Zu der Zeit war ich darüber verzweifelt." Berezin trennte sich 1980 von der Burroughs Corporation.

"Ich war keine von ihnen - ich sagte ihnen, was ich dachte - eine laute Frau, mit der sie nicht umgehen konnten", sagte sie. "Also trennten wir uns.“

Laut dem Bericht von BBC hat ein Neffe bekannt gegeben, dass die Computerpionierin am 8. Dezember in Manhattan gestorben war, nachdem sie die Krebsbehandlung abgelehnt hatte.