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Ausgefallen

Die exotischsten Handys in Österreichs Netzen

Fünf Millionen verkaufte iPhone 5 am ersten Startwochenende war die beeindruckende Bilanz bei Apple. Auch Samsungs Galaxy SIII, das im Mai startete, kann eine exzellente Bilanz vorweisen: Über 20 Millionen Stück wurden bis dato abgesetzt. In Österreich schafft es ein bestimmtes Handy in die Top Zehn, wenn es sich im Monat mehr als 5000 Mal verkauft, gelingen 20.000 Stück, ist es ein Topseller. Können innerhalb des Verkaufsfenster 100.000 Stück abgesetzt werden, ist es ein unbestrittener Hit.

So viel über die neuesten Smartphones, die auch in Österreich die Verkaufsstatistik anführen, bekannt ist, so wenig weiß man über die Schlusslichter, die „unteren Zehntausend". Um ein wenig Licht in diesen hintersten Winkel des Mobilfunks zu bringen, hat die futurezone bei allen heimischen Netzbetreibern nachgefragt, welche exotischen Handys sich in ihren Netzen herumtreiben. Die Daten der vier Mobilfunker A1, T-Mobile, Orange und Drei wurden  abgeglichen, um die seltensten Handys in Österreich zu ermitteln. Bei diesen Geräten handelt es sich um Mobiltelefone, die tatsächlich genützt werden – und sei es nur von einer Person.

Seltene Modelle von Außen
Dass es sich bei den Besitzern um Individualisten handelt, darf angenommen werden. Laut den Mobilfunker sind am unteren Ende der Fahnenstange fast ausschließlich offene Geräte zu finden, die nicht bei den Betreibern gekauft wurden. „Sobald ein Handy von einem Netzbetreiber verkauft wird, ist es nicht unter den schlechtesten Zehn in Österreich", sagt Livia Dandrea-Böhm von A1. Auch die anderen Mobilfunker bestätigen, dass es sich bei den Exoten meist um Geräte handelt, die Kunden selbst ins Netz mitgebracht haben. Künftig wird man noch mehr solcher Importe finden, denn die Mobilfunker sehen einen Trend hin zu freien Telefonen. „Der Prozentsatz der offen am Markt gekauften Geräte hat sich in den letzten Monaten stetig erhöht", sagt Maritheres Paul von Drei. Auch laut Klaus Lackner von T-Mobile ist ein Trend zu offenen Geräten feststellbar.

Fluktuation bei Günstig-Handys
Im Highend-Bereich halten die Kunden derzeit länger an ihren Handys fest. „Da die Geräte mittlerweile häufig während ihrer Lebenszeit mit neuer Software versorgt werden, merken wir einen Trend zur Ausschöpfung der Vertragslaufzeit", sagt Livia Dandrea-Böhm von A1. Auch laut Tom Tesch von Orange stiegen in den vergangenen zwei Jahren nur knapp ein Fünftel der Kunden auf ein neues Gerät um. T-Mobile zufolge sei die Austausch-Rate lediglich im Low-End-Bereich höher. Kunden wechseln in diesem Segment häufiger von einem offenen Gerät zum nächsten.

Kaum Relikte aus den 90ern
Unter den Raritäten finden sich etliche altbekannte Modelle, einige China-Importe sowie längst vergessene Exoten. Was auffällt ist, dass sich unter den Schlusslichtern kaum Geräte aus den 1990ern finden. Somit sind diese Urgesteine des Mobilfunks entweder gar nicht mehr im Einsatz, oder – was unwahrscheinlich ist – in großen Stückzahlen noch in Gebrauch. Jene antiken Handys, die in geringen Stückzahlen in den heimischen Netzen noch aktiv sind, stammen meist aus Anfang 2000, wie etwa das Motorola Timeport 250.

Klapp-Handys und Feature-Phones
Sieht man sich die Exoten-Modelle an, kann eine Feststellung getroffen werden: Klapp-Handys sind definitiv out. Ein gutes Drittel der noch im Einsatz befindlichen Raritäten, die einst äußerst populär waren, sind dieser Bauweise zuzuordnen. Die zweite Bauform die dominiert, ist das klassische „Candybar"-Format. Was natürlich nicht verwundert, schauten bis vor kurzem nahezu alle Mobiltelefone so aus. In feinen Dosen kann man zudem die verschiedenen Trends der vergangenen zehn Jahre wieder finden. So sind einige Kamera- und Musik-Handys im Einsatz, die mit ihren Spezialfunktionen Zielgruppen gewinnen wollten.

Das Handys als Armbanduhr
Von den unmittelbaren Vorgängern der Touchscreen-Telefone finden sich ebenfalls Modelle am untersten Ende der Nutzungsskala: Sowohl von Samsung, Motorola oder Nokia finden sich Geräte mit QWERTZ-Tastatur. Eine Gruppe, die sich den Zahlen zufolge übrigens gar nicht im Markt durchsetzen konnte, sind Handy-Uhren. Die Telefone im Armbanduhr-Look, die Samsung und LG rund um 2010 im Angebot hatten, konnten Konsumenten nicht begeistern.

Exotische Namen
Wenig verwundert die starke Präsenz von Marken, deren Namen man selten oder nie hört. Lemon Mobile, Eten Glofiish, Mastone oder etwa Haier sind wohl aus gutem Grund unter den Schlusslichtern. Dass die Günstig-Marke Sagem sowie die beiden chinesischen Konzerne ZTE und Huawei mit einigen Modellen vertreten sind, überrascht ebenfalls nicht. Unter den Raritäten finden sich natürlich auch Hersteller, die sich bereits vor Jahren aus dem österreichischen Mobilfunk-Markt zurückgezogen haben, wie etwa Philips, Siemens, NEC, Alcatel oder etwa Panasonic. Schließlich zeigt ein Blick auf die Statistik, dass jene Marken, die momentan an der Spitze mitspielen, auch am entgegen gesetzten Ende mit vielen Modellen vertreten sind. Mit vielen Einzelstücken sind etwa Samsung, LG, Motorola und Nokia vertreten – was vergangene Glanzzeiten widerspiegelt.

Ob sich unter den Raritäten auch geheime Modelle wie beispielsweise das iPhone 6 finden könnten, schließen die Mobilfunker nicht aus. Allerdings könnten sie die Prototypen nicht identifizieren. „Ein Endgerät stellt sich mit der IMEI Nummer im Netz vor. IMEI-Nummern von Prototypen können wir zwar sehen, aber nicht zuordnen", sagt Klaus Lackner von T-Mobile. Da die Geräte in keiner Datenbank gelistet sind, bleiben die Nummern kryptisch.

Die Handys der wahren Individualisten
Als das iPhone 2007 erstmals auf den Markt kam, war die Technik-Welt begeistert, weil es etwas Einzigartiges war. Ein Telefon in dieser Form und Ausführung gab es nicht – weshalb Besitzer der ersten Stunden damit sofort auffielen. Der Reiz des iPhone und der Grund für den Erfolg war seine Einzigartigkeit. Fünf Jahre später ist das iPhone ein Produkt der Masse. Wer individuell sein und dieses Statement mit einem Handy unterstreichen will, dem sei nun ein Sagem Lulu Castegnette, Siemens Xelibri 1 oder Tel.Me T919i empfohlen.

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Benjamin Sterbenz

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