Digital Life
21.11.2013

Google-Guru Cerf hält Privatsphäre für Anomalie

Vint Cerf, Googles "Chief Internet Evangelist", lässt mit der Aussage aufhorchen, dass unsere Auffassung von Privatsphäre historisch gesehen eine Anomalie sei.

Cerf, der als Ingenieur am ARPANET, einem Internet-Vorläufer der US-Armee, beteiligt war, sagte bei einer Veranstaltung der US-Handelskammer, Privatsphäre sei möglicherweise eine historische Anomalie. Techcrunch schreibt, dass einige Historiker das bestätigen. Bis ins 19. Jahrhundert hätten die meisten Häuser keine innere Raumtrennung, so die Argumentation. Im alten Rom waren öffentliche Toiletten mit mehreren Klos in einem Raum die Norm. Auch das Recht auf Schutz persönlicher Informationen sei in den USA erst 1890 erstmals formuliert worden, heißt es weiter.

Erste Regeln zum Schutz persönlicher Informationen seien erst Mitte des 19. Jahrhunderts aufgekommen. Die Ergebnisse der ersten US-Volkszählung im Jahr 1790 wurden noch öffentlich gemacht, um Menchen die Möglichkeit zu geben, die Einträge zu kontrollieren. "Ich sage nicht, dass wir nicht an Privatsphäre interessiert sein sollten, sondern dass es sich dabei, zumindest teilweise, um einen ungeplantes Nebenprodukt der urbanen Revolution handelt", so Cerf.

Die neu entstehende Transparenz persönlicher Information sei etwas "das wir durchstehen müssen", so der Google-Evangelist weiter. Der Schutz der Privatsphäre durch technische Mittel sei schwierig, da Daten-Experten immer besser darin würden, Personen selbst auf Basis anonymisierter Informationen zu identifizieren.