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Smarte Lautsprecher HomePod: Warum Apple Amazon nur schwer überholen kann.

 
  - Foto: REUTERS/STEPHEN LAM
Apple setzt bereits seit 2010 auf Siri, hat aber erst jetzt das Potenzial des persönlichen Assistenten erkannt. Doch Amazons Vorsprung könnte bereits zu groß sein.

“Wir wollen neu erfinden, wie man zuhause Musik hört.” Tim Cook geizte am Montag nicht mit großen Versprechungen. Der Apple-CEO eröffnete die hauseigene Entwicklerkonferenz WWDC mit zahlreichen Neuvorstellungen, unter anderem neuen Macs und Updates für die Betriebssysteme iOS und macOS. Mehr als zwei Stunden spannte man die Besucher auf die Folter, bis das wahre Highlight präsentiert wurde: Der smarte Lautsprecher HomePod. Das 349 US-Dollar teure Gadget soll sich an seine Umgebung anpassen und trotz seiner kompakten Maße beeindruckenden Klang liefern. Mehrere HomePads können dank AirPlay 2 auch miteinander verbunden werden, um den Raum gezielt zu beschallen - Funktionen, die bisher kostspieligen vernetzten Lautsprechern von Sonos vorbehalten waren.

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Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/JUSTIN SULLIVAN
Apple stößt damit in einen stark wachsenden Markt vor. Allein mit Heim-Audio-Produkten wurden im Vorjahr weltweit 19,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt, bis 2021 sollen es bereits 31 Milliarden Dollar sein. Doch der Konzern setzt auf eine Geheimwaffe: Die persönliche Assistentin Siri. Bislang war Siri iPhones, iPads und Macs vorbehalten, nun können auch die smarten Lautsprecher mit der Stimme des Nutzers gesteuert werden. So kann man Siri nach Fakten zu den Interpreten eines Liedes (“Wer spielt Schlagzeug in dieser Band?”) oder nach passenden Playlists zur Stimmung fragen. Siri soll zur “Musikwissenschaftlerin” werden, so Apple.

Assistenten überholen Menschen

Sprachsteuerung ist mittlerweile mehr als ein Gimmick. Allein in den USA verwenden mehr als 35,6 Millionen Menschen mindestens einmal pro Monat einen Sprachassistenten - das sind mehr als doppelt so viele als im Vorjahr. Das rasante Wachstum ist einerseits auf starke Verbesserungen bei der Spracherkennung - der Computer versteht mittlerweile besser Englisch als Menschen - sowie die Bemühungen der IT-Konzerne zurückzuführen. Mittlerweile hat jeder namhafte Konzern einen eigenen Sprachassistenten im Angebot: Apple (Siri), Samsung (Bixby), Microsoft (Cortana), Amazon (Alexa), Google (Assistant) und HTC (Sense Companion).

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Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/JUSTIN SULLIVAN
Allerdings können Google und Apple einen größeren Pool ausschöpfen: Derzeit sind zwei Milliarden Android-Geräte und rund 700 Millionen iOS-Geräte im Umlauf, von denen ein großer Teil über Siri und den Google Assistant verfügt. Laut Apple wird Siri jeden Monat auf mehr als 375 Millionen Geräten genutzt. Und auch Microsoft kann eine beeindruckende Nutzerbasis vorweisen: Von mehr als 500 Millionen Windows-10-Nutzern verwenden 141 Millionen Cortana zumindest einmal pro Monat.

Vorteil durch Ökosystem

Doch im Wohnzimmer, dem bevorzugten Ort für Unterhaltungen mit dem Computer, dominiert dennoch Amazons Echo-Lautsprecher. Der Online-Versandhändler ist relativ früh in den Markt für vernetzte Lautsprecher eingestiegen. Bereits 2014 wurde der erste Amazon Echo vorgestellt, in Österreich ist er seit vergangenem Oktober erhältlich. Analysten rechnen damit, dass Amazon allein 2017 mehr als zehn Millionen Echo-Lautsprecher absetzen wird. Insbesondere der günstige Einsteiger-Lautsprecher Echo Dot, der hierzulande 60 Euro kostet, erwies sich als Verkaufserfolg.

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Foto: AP/Jeff Chiu
Nicht nur in puncto Verbreitung, auch beim Ökosystem ist Amazon Apple und anderen Konkurrenten deutlich voraus. Der Echo kann relativ einfach mit sogenannten “Skills” (Fähigkeiten) erweitert werden, von denen es derzeit weit mehr als 10.000 Stück gibt. Amazon ist der bislang einzige Anbieter, der einen derart offenen Ansatz verfolgt. Apple bietet mit SiriKit zwar eine API an, mit der Entwickler ihre App mit Siri verknüpfen können, doch die Funktionalität ist derzeit stark eingeschränkt. Derzeit gibt es nur elf verschiedene Funktionen, wie das Bestellen eines Fahrzeuges, das Starten eines Trainings oder Bestellen eines Tisches im Restaurant.

Rückschlag trotz Fortschritt

Für Amazon bedeutet die Keynote am Montag dennoch einen Schritt vorwärts und zwei zurück. Während man den jahrelangen Streit um Amazon Prime Video und den Apple TV beilegen konnte - Apple verweigerte Amazon den Zugang zu Apple TV, woraufhin Amazon den Apple TV aus dem Sortiment warf - wurde Apple plötzlich über Nacht zum schärfsten Konkurrenten auf dem Home-Audio-Markt.

(futurezone) Erstellt am 06.06.2017, 16:14

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