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Studie Jugendliche tun sich schwer, Fake News im Netz zu erkennen.

Jugendliche informieren sich häufig über soziale Medien<br />
 
Jugendliche informieren sich häufig über soziale Medien
  - Foto: KURIER/Gerhard Deutsch
Eine neue Studie von Saferinternet.at zeigt, dass sich viele Jugendliche nicht sicher sind, ob sie die Wahrheit im Netz lesen - oder diese auch richtig erkennen.

59 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren beziehen ihre Informationen zu tagesaktuellen Themen über Soziale Netzwerke, aber nur zehn Prozent halten diese Informationsquelle für glaubwürdig. Das ergibt eine neue Studie des österreichischen Institut für Jugendkulturforschung, die im Rahmen der Initiative SaferInternet.at vorgestellt wurde. Dazu wurden rund 400 Jugendliche danach befragt, wie sie Informationen aus dem Internet bewerten.

„Daran erkennt man das Dilemma der Jugendlichen. Obwohl sie Sozialen Netzwerken nur eine geringe Glaubwürdigkeit zugestehen, sind sie für Jugendliche die wichtigste Informationsquelle. Jugendliche sind sich dieser Widersprüchlichkeit durchaus bewusst, wissen aber oft nicht, wie sie damit umgehen sollen“, sagt Bernhard Jungwirth, Saferinternet.at-Koordinator.

Glaubwürdigkeit

Als „sehr glaubwürdig“ schätzen Jugendliche vor allem die traditionellen Medien wie Radio (32 Prozent), Fernsehen (29 Prozent) und Webseiten klassischer Medien (23 Prozent) ein. Diese werden aber bis aufs Fernsehen nicht so häufig herangezogen, zudem gibt es Unterschiede je nach formaler Bildung. Während Jugendliche mit höherer Bildung eher den traditionellen Medien vertrauen, halten Jugendliche mit geringerer formaler Bildung bestimmte YouTuber oder Soziale Netzwerke sowie Gratiszeitungen für wesentlich glaubwürdiger.

61 Prozent der Jugendlichen halten es zudem für schwierig, herauszufinden, ob eine Information aus dem Internet wahr oder falsch ist. 86 Prozent der Jugendlichen geben an, nicht immer sicher zu sein, ob die Informationen, mit denen sie im Netz konfrontiert sind, auch tatsächlich wahr sind.

„Ganz sicher kann man sich nie sein. Und wahrscheinlich ist es immer nur eine Frage der Sichtweise“, sagte eine der Befragten zu den Forschern. „Das ist eine besorgniserregende Aussage, weil es eine gewisse Ohnmacht widerspiegelt. Dabei ist die Fähigkeit, Information richtig einschätzen und bewerten zu können wichtig für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft“, sagt Maximilian Schubert von der die Internet Service Providers Austria (ISPA). „In diesem Sinne muss das Erkennen, Beurteilen und Bewerten von Informationen flächendeckend als eine der zentralen Kulturtechniken unserer Zeit gefördert werden, besonders bei der jungen Generation.“

Regierungsoffensive

Genau das steht unter dem Punkt „digitale Grundbildung inklusive Medienbildung“ jetzt im Schule 4.0-Programm der Regierung. Digitale Medienkompetenz soll ab der Volksschule in den Lehrplänen verankert werden. „Das geht in die richtige Richtung, es bleibt aber abzuwarten, wie es umgesetzt wird. Das wird eine Frage der Ressourcen sein und wie es operativ umgesetzt wird, etwa, ob es ein eigenes Fach dafür geben wird oder nicht“, meint Jungwirth dazu auf futurezone-Anfrage.

Damit Jugendliche besser zwischen wahr und falsch unterscheiden lernen, muss man sie bestmöglich unterstützen. „In Sachen Informationsbewertung sehen wir bei unseren Workshops mit Jugendlichen einen enormen Aufholbedarf. Diese Lücke lässt sich durch eine verbindliche Förderung digitaler Kompetenzen im Schulalltag schließen. Genauso sind aber auch Eltern gefordert mit ihren Kindern die Bewertung von Online-Quellen zu üben“, sagt Barbara Buchegger von Saferinternet.at dazu.

Recherche im Netz

Derzeit recherchieren bereits rund 62 Prozent der Jugendlichen selbst im Internet, wenn sie sich nicht sicher sind, ob eine Information richtig ist. „Diese Recherche ist aber in der Praxis meist sehr oberflächlich. Es werden bei einer Google-Suche nur die ersten Treffer berücksichtigt und dann auch nur die Schlagzeilen“, so Jungwirth.

45 Prozent überprüfen, wer die Information veröffentlicht hat, 30 Prozent vertrauen auf ihr Bauchgefühl und 19 Prozent achten darauf, von wem sie die Information erhalten haben. Jugendliche mit höherer formaler Bildung recherchieren dabei öfter selbst im Internet (71 Prozent) als Jugendliche mit geringerer formaler Bildung (52 Prozent).

Saferinternet.at unterstützt Schulen und Eltern dabei mit Workshops und Infomaterialien (z.B einer Broschwüre namens "Wahr oder falsch im Internet?") . Am 7. Februar findet zudem der „Safer Internet Day“ statt, bei dem es zahlreiche Veranstaltungen rund um die Themen Internetsicherheit und Medienkompetenz geben wird. Mehr als 230 Schulen machen dabei mit, international beteiligen sich rund 100 Länder.

(futurezone) Erstellt am 30.01.2017, 15:49

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