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Kultur im Wandel
01/07/2011

Kinobesuch: "Wie ins Steirereck essen gehen"

Das Kino gerät durch größere und bessere TV-Screens sowie Internetdownloads immer stärker unter Druck. Im Interview mit der FUTUREZONE erklärt Constantin-Film-Geschäftsführer Christof Papousek, warum Kino auch in Zukunft seine Berechtigung hat und wie man Opernfans mit 3D begeistern will.

FUTUREZONE: Müssen Kinos Opern übertragen, weil das Publikum sich Filme aus dem Internet holt?
Papousek: Das sehe ich nicht so. Wir gewinnen neues Publikum und bieten etwas an, das es nirgends anderswo gibt. Das führt auch zu positivem Imagetransfer.

Der nächste logische Schritt wäre Oper in 3D.
Ja. Ab 5. März werden wir zum ersten Mal - allerdings nicht live - "Carmen" in 3D in die Kinos bringen, aus dem Royal Opera House in London. Das ist wirklich phänomenal: Eine Bühnen-Produktion, in die sich die 3D-Kamera hineinschleicht.

Wie groß ist die Konkurrenz durch 3D-Fernseher?
Es wird 3D zu Hause geben, aber Kino ist mehr: Ausgehen, die große Leinwand, Tradition, ein besonderes Erlebnis. Zum Vergleich: Ich koche sehr gerne und gehe trotzdem gerne einmal im Jahr ins Steirereck und schau, was macht denn ein Vierhauben-Koch.

Dennoch: Durch Online-Verfügbarkeit von Filmen gerät das Kino unter Druck.
Dort, wo die Studios mehr herausholen wollen, das werden sie mehr fördern. Aber ich brauche das Kino, um den Film zu veredeln. Dazu gibt es Filmfestspiele, Oscars, den roten Teppich und das Lichtspieltheater. Wenn das verschwindet, wird sich auch niemand für Filme begeistern, denn er wird nicht auf das Produkt aufmerksam gemacht. Es fehlt das Kribbeln.

Was sind die nächsten Innovationen in den Kinos?
Ich glaube, es liegt im Ton noch einiges. Und es werden - sicherlich nicht für jedes Produkt, nicht in jedem Saal, und vielleicht nicht einmal alle Sitzplätze - Effekte verstärkt, wenn sich Sitze mitbewegen. Nicht als Jahrmarkt-Attraktion, sondern um die Handlung zu unterstreichen.

Einst war viel von Interaktivität im Kino die Rede. Kommt das?
Es geht in die Richtung, dass das Publikum bei kürzeren Filmen die Handlung beeinflussen soll, wenn sich alle in eine Richtung bewegen. Bis das kommerzielle Reife erreicht, wird es aber noch dauern.

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(Georg Leyrer)