Digital Life
14.06.2016

Leichtfried will Österreich bis 2020 "elektrofit" machen

Beim Abschluss-Event des Projekts "Crossing Borders" sprach Verkehrsminister Jörg Leichtfried über Erfolge, Chancen und Zukunftspläne für die Elektromobilität in Österreich.

13 Projektpartner aus vier Ländern haben im Projekt "Crossing Borders" drei Jahre lang an der Vernetzung der Elektromobilitätsregionen Bratislava, Wien, Salzburg und München gearbeitet. Am Dienstag fand dazu eine Abschlussveranstaltung in Wien statt. Dabei diskutierten Vertreter der Projektpartner und der neue Verkehrsminister Jörg Leichtfried über die Lage der Nation bei Elektromobilität und Pläne für die Zukunft.

Grenzüberschreitend

"Crossing Borders" sollte eine Vision verwirklichen, die in Zukunft Alltag für Elektroautofahrer sein soll. Zwischen München und Bratislava wurde ein grenzüberschreitendes Ladenetz mit Stromtankstellen von unterschiedlichen Anbietern aufgebaut. Mit einer Roaming-Lösung sollten Projektteilnehmer sämtliche Infrastruktur nutzen können. Dazu wurde eine intermodale Routenplanung entwickelt, die den Anwendern verschiedenste Mobilitätsangebote aufzeigt. Alle aus dem Projekt gewonnenen Daten wurden anschließend analysiert, um das E-Mobiliy-Angebot zu verbessern.

"Mein Ziel ist es, Österreich bis 2020 elektrofit zu machen", sagt Verkehrsminister Leichtfried bei der Pressekonferenz am Dienstag. "Dafür müssen Elektroautos alltagstauglich und leistbar werden. Und es braucht genügend Ladestationen. Der grüne Korridor ist ein Vorzeigebeispiel für eine funktionierende Infrastruktur."

Förderungen

Leichtfried ist vom Erfolg von Elektroautos überzeugt: "Dieses Produkt wird sich in Zukunft durchsetzen." Für Österreich mit seiner gut aufgestellten Autozulieferindustrie sei das Thema eine große Chance, die es zu fördern gilt: "Da, wo wir gut sind, muss weiter ausgebaut werden."

Der Minister will künftig auch starke Anreize für die private Anschaffung von Elektroautos schaffen. Das derzeitige, von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Fördersystem ist ihm zu fragmentiert. Leichtfried strebt ein einheitliches Förderungsgesamtpaket an. Noch in diesem Jahr soll ein kompletter Elektromobilitätsplan vorgestellt werden. Auf konkrete Maßnahmen angesprochen, bittet Leichtfried aber noch um Geduld: "Ich bin erst seit drei Wochen Minister."

Blick nach Norwegen

Die bei der Pressekonferenz anwesenden Projektpartner hätten schon Ideen, was die Förderung betrifft. "Norwegen ist ein großes Vorbild, was Elektromobilität betrifft", sagt etwa Wolfgang Anzengruber, Vorstandsvorsitzender des Energieversorgers Verbund. Von Kaufprämien über regulierte Zufahrtsregelungen über die Benutzung von Busspuren bis hin zu speziellen Pendlerpauschalen für Elektroautofahrer sei vieles möglich.

"Wenn die Rahmenbedingungen passen, dann geht es sehr schnell", meint Michael-Viktor Fischer, Geschäftsführer des Ladestellenbetreibers Smatrics, zum Potenzial politischer Unterstützung. "In Norwegen ist der Anteil der Elektroautos in nur acht Monaten von zwei auf 20 Prozent gestiegen." Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds warnt aber vor ungebremster Elektroauto-Euphorie: "Es geht nicht nur darum, Autos mit fossilen Treibstoffen eins zu eins durch elektrische zu ersetzen". Bei der Regulierung müsse man Rücksicht auf neue Verkehrskonzepte, Multimodalität oder Carsharing nehmen.

Problembereiche

In einer Fragerunde wurden sämtliche Vertreter dazu aufgefordert, die Probleme zu benennen, die ihrer Meinung nach der Verbreitung von Elektromobilität in Österreich derzeit noch am meisten im Weg stehen. Anton Plimon, der Managing Director des Austrian Institute of Technology (AIT) sieht die Sorge vor der Reichweite als großes Hindernis für Privatanwender. Dabei sei dies oft unbegründet. "Fahrverhalten und Nebenverbraucher wie Heizung oder Klimaanlage sind für 25 Prozent der Reichweite verantwortlich. Wenn man will, kann man einen der Punkte anpassen und schon 50 Kilometer mehr herausholen."

Die Vernetzung von Auto und Infrastruktur (V2X) sei außerdem noch wenig zufriedenstellend umgesetzt: "Bei Elektromobilität ist das noch zwei Mal wichtiger, als es bisher war." Andreas Käfer, Geschäftsführer des Verkehrsplaners Traffix, ist in einem ersten Schritt für Low-Tech-Hilfsmittel: "Vorhandene Ladestellen sind noch sehr schlecht ausgeschildert. Das braucht es ganz dringend."

Für Klimafonds-Chefin Vogel und Verbund-Chef Anzengruber stehen bürokratische Hürden im Vordergrund. Vogel: "Der regulatorische Rahmen bei der Stromversorgung bildet eine Situation ab, wie sie vor 20 Jahren war. Dinge wie die Stromeinspeisung von Privatpersonen gab es damals noch nicht." Elektromobilität biete laut Anzengruber auch hier große Möglichkeiten, für die es noch keine rechtliche Erfassung gebe: "Wenn die Population von Elektroautos entsprechend groß ist, könnte jedes geparkte und mit dem Netz verbundene Auto als dezentraler Stromspeicher dienen."

Kurzsichtige Autoindustrie

Laut Andreas Käfer von Traffix und Anton Plimon vom AIT trägt die Autoindustrie eine deutliche Mitschuld am gebremsten Start der Elektromobilität. Aus ihrer Sicht sei dies auch verständlich: "Bei Elektroautos verdient man einmal und hat wenig Verschleißteile."

Marcus Groll vom deutsch-belgischen Ladestellenbetreiber Allego weist aber darauf hin, dass einige Teilbereiche der Elektromobilität gern übersehen werden: "Batterien sind für die Elektromobilität zentral. Asien investiert hier massiv." Europa drohe in dem Bereich ein Abhängigkeitsverhältnis. "Einige europäische Hersteller versuchen da aber nachzuziehen und eine eigene Batterieentwicklung auf die Beine zu stellen."

Trotz aller Probleme sind sämtliche Projektvertreter davon überzeugt, dass die Elektromobilität in Österreich "jetzt erst so richtig in Fahrt kommt" (Vogel).