Digital Life
21.11.2015

Ö3-Chef: Streaming-Dienste haben den Wert von Musik erhöht

Die futurezone sprach mit Ö3-Chef Georg Spatt im Rahmen des futurezone Award 2015 über Streaming-Dienste, den Wert von Musik und die Ersatzbank der Ö3-Moderatoren.

Der Sieger in der Kategorie Audio-Produkt des Jahres powered by Ö3 wurde, im Gegensatz zu den anderen Produkte-Awards, nicht von der Fachjury, sondern den Usern von Ö3 und futurezone.at bestimmt. Mit einer deutlichen Mehrheit wurde Mikme gewählt. Das portable Mikrofon nimmt in Studio-Qualität auf und soll laut den österreichischen Machern das „GoPro der Mikrofone“ werden. Technologien wie diese könnten auch neuen Bands und Künstlern bei ihrem Aufstieg helfen. Die futurezone sprach mit Ö3-Chef Georg Spatt über die heimische Musikszene und ob Streaming-Dienste das klassische Radio gefährden.

futurezone: Wie entwickelt sich die österreichische Musikszene?
Georg Spatt: Es tut sich sehr viel und es hat sich auch immer viel getan. Und die neuen Technologien haben es sicher einfacher gemacht, Musik zu produzieren, zu veröffentlichen und auch selbst zu vermarkten. Damit aber wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ist heute wahrscheinlich mindestens genauso schwer, wie es immer war.

Ist Musik durch „All you can Listen“-Streaming-Dienste wie Spotify und Apple Music weniger wert als früher?
Die Verwertungskette hat sich massiv verändert und damit hat sich auch die wirtschaftliche Verwertung für einige Player stark verändert und oder auch verschlechtert. Die Bedeutung und damit der Wert der Musik per se haben aber sogar noch einmal zugelegt.

Sind kuratierte Playlists, wie sie jetzt auch von Google Play Music angeboten werden, eine Bedrohung für das klassische Radio?
Bedrohung nein, Konkurrenz ja. Auch in diesem Wettbewerb geht es um die besseren Ideen und das schönere, nützlichere, bequemere oder auch das verlässlichere Produkt.

Wie wird sich das Radio in den nächsten fünf Jahren verändern oder ist das Konzept so starr, dass Radio immer Radio bleiben wird?
Die nächsten Jahre könnten wirklich die Antwort auf eine entscheidende Frage bringen: Wird auch das Radio vollständig zu einem Bildschirmmedium – über ergänzende Text- und (auch Bewegt-)Bildinformationen auf den allgegenwärtigen Screens unserer Devices? Oder refokussiert sich das Radio auf seinen ursprünglichen USP, nämlich das Hören?

Wie sehr lebt ein erfolgreicher Radiosender von seinen Moderatoren? Könnte Ö3 weiterhin erfolgreich sein, wenn das Wecker-Team zu einem Streaming-Anbieter wechselt?
Wie sehr lebt Bayern München von seinen Spielern? Natürlich sind unsere Moderatoren für Ö3 sehr wichtig, aber als verantwortlicher Manager muss ich halt auch immer dafür sorgen, dass auf meiner Ersatzbank ebenso gute Spieler sitzen, wie ich sie am Feld spielen habe. Da mache ich mir keine Sorgen – ganz im Gegenteil!

Sehen Sie Ö3 als Hit-Macher und Trend-Setter oder wird eher das gespielt, was die Leute bereits kennen und mögen?
Radio hat für Menschen mit speziellem Interesse an spezieller Musik sicher seine Position als Trendsetter schon vor vielen Jahren abgegeben. Da sind feinst ausdifferenzierte Angebote im Web wesentlich treffsicherer. Für Menschen, die gerne Musik hören und gerne wissen, „was denn aktuell gehört wird“, hat Ö3 in den letzten Jahren als Orientierungshilfe in einem fast unüberschaubaren Angebot sogar noch einmal an Stellenwert dazu gewonnen.

Ist ein "Hi-Res-Radio" bzw. eine DAB+ oder Online-Version von UKW-Sendern in Hi-Res-Audio realistisch oder wird das nie kommen?
Technisch wird das wohl sicher mehr oder weniger rasch möglich sein. Die Zielgruppe wird aber aus Ö3-Perspektive sehr speziell und damit auch „überschaubar“ bleiben.

Ist die Radiothek noch ein Thema oder endgültig vom Tisch?
Die ORF Radiothek ist von unserer Seite (also von Seite der Sender und der verantwortlichen Online-Kollegen) mehr oder weniger startklar und wir freuen uns sehr darauf. Und wenn die zuständigen Behörden das auch so sehen, hoffe ich auf einen Start im Q1 2016.

Was macht für Sie einen guten Sound aus?
Technisch oder inhaltlich? Zugegeben, ich bin kein besonders technologieverliebter Hörer.

Sind für Sie Multiroom-Systeme ein sinnvoller Trend oder ist das tendenzielle Beschallen aller Räume des Hauses verzichtbar?
Ich finde diesen Trend sehr praktisch. Das sage ich natürlich auch aus dem Interesse eines Dealers, der seine Ware, also sein Radioprogramm, gerne immer und überall vertreiben will.

Was ist derzeit Ihr Lieblings-Musik-Gadget?
Daheim mein Sonos Play:1 und unterwegs und zum Laufen mein alter iPod mit UKW-Empfänger.