© Getty Images/iStockphoto / chepkoelena/iStockphoto

Digital Life
03/17/2019

So werden wir rund um die Uhr überwacht

Egal ob am Smartphone, am Computer, im Auto oder im Supermarkt – wir hinterlassen überall unsere Spuren.

„Daten sind das neue Gold“, heißt es seit Jahren. Informationen über Nutzer zu (Werbe-)Geld machen, lautet das Geschäftsmodell zahlreicher IT-Unternehmen. Aber auch staatliche Akteure wollen mitnaschen und begehren nach dem „Gold“.

Egal ob bei Google, Facebook, WhatsApp, auf einfachen Webseiten, am Smartphone, im Auto oder mit der Kundenkarte im Supermarkt, wir hinterlassen nahezu unentwegt überall Spuren.  Und wir häufen – meist freiwillig, oft unwissend – Unmengen an Daten an und befeuern so die Goldgräberstimmung. Aber wie wird uns rund um die Uhr über die Schulter geschaut? Wo lauern die „Spione“? Hier ein durchschnittlicher Tagesablauf unter dem Auge von „Big Brother“.

Vermeintlich Privat

Um 6.00 Uhr klingelt der Wecker am Handy. Beim Frühstück liest man am Smartphone die neuesten Nachrichten, sucht schnell etwas über Google und lässt sich per Google Maps die Route zum anstehenden Termin planen.

Noch bevor man das Haus verlässt, hat man bereits zahlreiche Unternehmen tief in vermeintlich private Angelegenheiten blicken lassen: Der Handy-Hersteller und auch andere Apps wissen, wann man aufgestanden ist. Auf Webseiten hat man zahlreiche Spuren hinterlassen, und Google analysiert schon die durchgeführten Suchanfragen für seine Werbenetzwerke. Dem nicht genug: Der US-Internetriese ist auch aufgrund der Kalender-App über den weiteren Tages- und Wochenplan im Bilde.

Daten unterwegs

Um 8.00 Uhr steigt man ins Auto und gibt die Zieladresse ins Navi ein. Der Weg führt über die Autobahn, dabei wird das Kennzeichen des Fahrzeugs von Kameras erfasst, um abzugleichen, ob auch eine entsprechende digitale Vignette vorhanden ist. Somit lässt sich theoretisch nachvollziehen, wo man unterwegs war. Auch der Fahrzeughersteller weiß über das Navigationssystem, wann man wohin fährt.

Die Mittagspause nützt man dazu, sich im Internet über smarte Lautsprecher mit Sprachassistenten zu erkundigen.  Die dabei abgeklapperten Online-Shops werten das Surfverhalten aus und teilen diese Daten mit Werbenetzwerken – etwa Facebook Ads und Google Ads.  In der Folge werden einem personalisierte Angebote zu dem gesuchten Produkt angezeigt.

Offline-Daten

Um 18.00 Uhr, beim Einkauf im Supermarkt, zückt man seine Kundenkarte, um ein paar Euro zu sparen. Allerdings bezahlt man dabei mit persönlichen Daten: Alle gekaufte Produkte werden zielgerichtet vom Supermarktbetreiber gespeichert und ausgewertet.

Selbst beim anschließenden Streifzug durch die Einkaufsstraße hinterlässt man eine digitale Spur: Natürlich ist das Handy permanent mit dem Mobilfunknetz verbunden.  Über die Funkzelle, in der das Smartphone eingewählt ist, weiß auch der Mobilfunkbetreiber, wo man ist. Auf diese Weise lassen sich rein über das Mobilfunknetz – ohne Internet oder GPS – Bewegungsprofile erstellen, die Mobilfunkbetreiber analysieren und auswerten.

Sportliche Daten

Es ist Abend geworden, und bei der Laufrunde darf der Fitnesstracker oder die Sport-Smartwatch nicht fehlen. Die smarten Geräte zeichnen nicht nur das Bewegungsprofil, sondern auch Herzfrequenz und Geschwindigkeit auf. Solche freiwillig erhobenen (Gesundheits-) Daten lassen sich äußert gewinnbringend weiterverkaufen. Manche Versicherungsgesellschaften bieten auf Basis dieser Daten personalisierte Polizzen an.

21.00 Uhr und es ist endlich Zeit für die Couch: Smartphone in der einen Hand, Fernbedienung in der anderen. Netflix hat aufgrund der bisher angesehenen Filme individuelle Vorschläge parat.

Weil die zielgerichtete Online-Werbung so gut funktioniert, wird man um 22.30 Uhr noch einmal an die smarten Lautsprecher erinnert. Diesmal greift man zu, bezahlt per Kreditkarte. Der Online-Händler bedankt sich und speichert noch schnell Wohnadresse und Telefonnummer. Auch der Kreditkartenanbieter weiß nun, dass man künftig ein Gerät in der Wohnung stehen hat, das über mehrere Mikrofone verfügt, die ständig zuhören und nur darauf warten, bis sie ein Signalwort vernehmen.

Also wird es künftig heißen: „Alexa, stell mir den Wecker auf sechs Uhr.“