© GH

KNOWHOW

Wie man Fotos funkt

Dass es im Jahr 2013 immer noch Digitalkameras ohne Wlan gibt, wundert wohl nicht nur mich. Die gute Nachricht: Man kann den meisten Kameras das "Funken" nachträglich beibringen. Dazu gibt es spezielle SD-Karten (wie jene von Eye-Fi), die Fotos nicht nur speichern, sondern sie mit ihrem Wlan-Modul auch gleich weiter befördern.

Üblicherweise geht es in dieser Rubrik um Lösungen, für die man nichts extra ausgeben muss. Diesmal kostet`s ein wenig: Die günstigsten Eye-Fi-Karten schlagen derzeit (ohne Versand) mit 33 Euro zu Buche. Ob einem das wert ist, urteilt man nach der Lektüre selbst, denn friktionsfrei ist die Karte bei weitem nicht. Zudem kann man ruhig die kleinste Speichergröße wählen, weil man auf mobilen Geräten ohnehin nur eingeschränkt viel Speicherplatz hat.

Für mich ist die Eye-Fi-Karte nur für einen Zweck gut: Passable Fotos von der Kamera auf das Smartphone zu schicken, um diese dann mit Apps ein wenig bearbeiten und teilen zu können. Das macht sie perfekt. Aber für ziemlich alles andere, ist das Konzept zu wenig ausgegoren.

In der Theorie und am Prospekt funktioniert das super. In der Praxis hakt es gewaltig. Versuche ich die Kamera mit mehreren Geräten nacheinander zusammen zu spannen, gibt es mitunter Fehler.

Unterstützt werden iPad, iPhone, Android, Windows und Mac. Es gibt auch eine Linux-Unterstützung von unabhängigen Entwicklern.

Für Verwirrung sorgt mitunter, dass man Fotos immer nur an ein Gerät gleichzeitig schicken kann. Alleine das Umdenken und Umschalten der Verbindung nervt, weil man dazu die Karte mitunter sogar in den SD-Karten-Slot am Computer geben und die Software bemühen muss. Die Lösung für mich: Ich schieße Fotos in RAW+JPEG, wobei nur die JPEGs im "Direct Mode" (siehe unten weiter) an das Smartphone oder Tablet übertragen werden - je nachdem was gerade dabei ist. Das RAW hole ich danach am PC über den Kartenleser herunter.

Die Kommunikation der Karte mit PC oder Mac ist schon aufgrund der Umwege über das Internet mühsam. Alle Bilder laufen nämlich stets über die Server von Eye-Fi, bevor sie wieder am eigenen Rechner, bei Facebook oder auf einem FTP-Server landen. Das ist auch dann der Fall, wenn man zu Hause ist. Bei vielen großen Dateien wird so nicht nur Zeit, sondern unnötig Bandbreite verschwendet.

Eine Abhilfe schafft ein eigener Eye-Fi-Server für Linux, den man auf einem NAS (etwa für Synology oder Qnap) oder dem Raspberry Pi installieren kann.

Anders läuft der "Direct Mode" für die Kommunikation mit Smartphones oder Tablets. Hier werden die Bilder nur von der Kamera zum mobilen Gerät übertragen und nicht übers Internet.

Neben mehr Usability könnten speziell die Apps mehr Developer-Liebe vertragen. So ist die iPhone-App auch acht Monate (!) nach dem Start noch immer nicht an das größere Display des iPhone 5 angepasst. Zudem tendiert mein Windows-Rechner dazu, die Karte bald nach dem Anstecken wieder auszuwerfen, was die Konfiguration schwierig macht. Abhilfe schafft man, indem die Verbindung mit dem Heimnetzwerk nicht erlaubt (also es wieder entfernt) wird.

Während dem Setup muss man einen (kostenlosen) Account bei Eye-Fi einrichten. Auch das wird dem einen oder anderen nicht gefallen, ist aber nötig, da nicht nur die Dateien - wie oben erwähnt - über Server von Eye-Fi gehen. Die Apps holen sich die Konfigurationseinstellungen der Eye-Fi-Karte über diese Server ab.

Trotz einiger Macken, ist die Karte mit Hilfe des Setup-Assistenten dann doch recht flink eingerichtet. Eine Einrichtung nur über die mobilen Apps ist leider nicht möglich. Im Reiter "Direct Mode" gibt man der Karte eigene Wlan-Settings (SSID und Passwort), damit Apps Kontakt mit ihr aufnehmen können.

Im Reiter "Fotos" oder "Videos" legt man fest, ob die Inhalte der Speicherkarte automatisch zu Onlinediensten weitergereicht werden sollen.

Nachteil: Man kann sie nur an jeweils einen Onlinedienst senden und nicht an mehrere zugleich. Dies schadet aber ohnehin nicht, denn die Bilder und Videos sind noch "roh", also unbearbeitet.

Dafür lässt sich festlegen, dass nicht alle Fotos online gehen, sondern nur jene, die man in der Kamera mit dem Schlüsselsymbol geschützt hat. Die detaillierten Einstellungen finden sich im Eye-Fi-Center und können unterwegs nicht mehr verändert werden.

Im "Direct Mode" führen die "selektive Freigabe" bzw. der "ausgewählte Transfer" manchmal dazu, dass gar kein Bild übertragen wird. Daher: Karte in den Computer und die Einstellung wieder zurück auf "automatisch" setzen.

Wie kommen nun die Fotos von der Kamera aufs Handy oder Tablet?

Ist das Karten-Setup im Computer erledigt, legt man sie in die Kamera und schaltet diese ein. Ist auch die App (für Android und iOS ) installiert und hat man sich mit dem Eye-Fi-Account angemeldet, sollte die Karte nun als Wlan am Gerät auftauchen. Unter iOS muss man erst in der App das Netzwerkprofil installieren: Einstellungen - Kartenkopplung - Eye-Fi-Karte - Netzwerk hinzufügen.

Ist dies alles erledigt, flutscht`s eigentlich! Ab da werden Fotos in voller Qualität in das iPhone- oder iPad-Album bzw. die Android-Galerie übertragen und stehen dort zur Bearbeitung und zum Weiterversand bereit.

Achtung! Bevor man loslegt, nimmt man in der App unbedingt noch eine Einstellung vor: Der Upload zu den Servern von Eye-Fi sollte tunlichst unterbunden werden. Sonst lädt die App gleich alle Fotos am Handy hoch, was Bandbreite und Datenvolumen kostet.

Die Eye-Fi-Karte gibt es nur im SD-Format. Für größere DSLRs schafft ein Adapter Abhilfe.

Es bleibt zu hoffen, dass die Kamerahersteller selbst bald auf die Idee kommen, dass ihre Nutzer eine Luftbrücke zu Smartphones wünschen. Einige Hersteller zeigen mit wenigen Modellen - wie Canon mit der EOS 6D - vor, dass es machbar ist. Bis dahin bleibt nur der frickelige Umweg über die Eye-Fi-Karte.

Ein Zweck, viele Fehler

Immer nur an ein Gerät

Immer über Eye-Fi-Server

Setup und andere Fummelleien

Besser nicht direkt ins Web

App ins Web

Zum Schluss:

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Georg Holzer

mehr lesen Georg Holzer

Kommentare