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08/23/2011

Woche 34: Gratis-Games gegen Zocker-Flaute

Auf der europäischen Spiele-Messe Gamescom, die kürzlich in Köln stattgefunden hat, zeigte die Branche, wie sich Videospiele in den nächsten Jahren entwickeln werden.

von Jakob Steinschaden

Was ist der größte Trend bei Computer-Spielen?
Auf der Gamescom wurden rund 300 neue Computer-Spiele vorgestellt, darunter etwa die Fußball-Simulation “FIFA 12”, das Rennspiel “Need for Speed” oder der Shooter “Battlefield 3”. Außerdem gab es natürlich auch neue Spiele-Apps für Handys und Tablets sowie neue Games mit Bewegungssteuerung zu sehen. Der wirkliche große Trend aber sind Gratis-Games: So hat etwa Microsoft seinen Strategie-Klassiker “Age Of Empires” kostenlos zum Download bereitgestellt, genauso wie der Shooter “Warface” künftig gratis gespielt werden kann. Auch viele andere Spielriesen planen, in Zukunft kostenlose Online-Games auf den Markt zu bringen.

Wie verdienen die Spieleanbieter mit Gratis-Games Geld?
Die Game-Produzenten hoffen natürlich auch bei kostenlosen Angeboten, Geld zu verdienen - denn kostenlos sind ihre neuen Spiele nur auf den ersten Blick. Zwar kann man die Games gratis herunterladen oder online spielen, aber in dem Spiel selbst gibt es virtuelle Shops, in denen man sich virtuelle Güter gegen echtes Geld kaufen kann - also etwa virtuelle Kleidung, Gegenstände oder besondere Fähigkeiten. Mit diesen virtuellen Gütern kommt man im Spiel schneller voran. Oft basieren die Gratis-Games auch darauf, dass man online gegen andere zocken kann. Wer dann die besseren Gegenstände hat, gewinnt. Insofern haben die Spiele-Anbieter das Schummeln neu erfunden: Hat man früher Codes eingetippt, kauft man sich heute unfaire Vorteile gegen Bares. Während man bis dato etwa 50 Euro für ein Game ausgegeben hat, soll man in Zukunft regelmäßig für Zusatzfunktionen zahlen. Wer zehn Euro pro Monat ausgibt und ein halbes Jahr spielt, greift somit tiefer in die Geldbörse. So, glauben die Game-Produzenten, können sie auf lange Sicht mehr Umsatz machen.

Wo kommt dieser Trend her?
Interessanterweise hat sich das Konzept des "Free to Play" zuerst bei Facebook durchgesetzt. Dort kann man als Mitglied seit etwa vier Jahren kostenlose Spiele nutzen. Mit der Zeit sind viele der Anbieter dazu übergegangen, virtuelle Güter in den Games zu verkaufen. Besonders populär sind etwa “FarmVille” oder “CityVille” vom Hersteller Zynga - diese Titel spielen bis zu 100 Millionen Menschen weltweit. Auch wenn jeder einzelne nur Kleinstbeträge - etwa für eine virtuelle Kuh oder einen Tisch - ausgeben, so summiert sich das. Die Firma Zynga ist dadurch in kurzer Zeit zu einem Branchenriesen aufgestiegen, der noch 2011 an die Börse gehen könnte. Für die Spieler sind die Gratis-Games nicht ungefährlich: Denn weil man ständig Cent-Beträge zahlt, verliert man leicht den Überblick, und am Ende hat man mehr ausgegeben als früher für ein Konsolen-Game.

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