Digital Life
13.08.2013

Zu brutal: British Library blockiert Hamlet

Für die Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs ist Hamlet zu brutal. Einem User des WLANs wurde der Zugriff auf eine Online-Version des Theaterstücks wegen gewalttätigem Inhalt verweigert. Für Kritiker ist das ein weiterer Beweis, dass Web-Filter nicht funktionieren.

Der Buchautor Mark Forsyth recherchierte in der British Library. Über das WLAN der Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs war er mit dem Web verbunden und gab in der Google-Suche „Hamlet MIT" ein. Das Massachusetts Institute of Technology bietet die gesammelten Werke von Shakespeare in digitaler Form an. Ein physische Kopie wollte er nicht ausleihen, da es 70 Minuten dauert, bis er das Buch in der Bibliothek ausgehändigt bekommen hätte. Anstatt des gewünschten Stücks kam jedoch eine Meldung, dass die Seite wegen „violent content" gesperrt sei und der Versuch den Inhalt aufzurufen protokolliert wurde.

Noch in der Bibliothek wandte er sich an den Informationsschalter mit seinem Problem. Nachdem er dem Personal dort erklärt hatte, was das MIT ist, wurde er an die IT-Abteilung verwiesen. Diese fragte er, ob sich die British Library der Symbolik bewusst sei, Hamlet zu sperren aber Facebook, YouTube und Single-Chats nicht zu blockieren. Laut Forsyth gab es nur ein Schulterzucken als Antwort. Die IT-Abteilung bestätigte ihm lediglich, dass der Inhalt über das WLAN der Bibliothek nicht erreichbar sei und dass das der WLAN-Service der British Library nichts mit der eigentlich British Library zu tun habe.

Späte Antwort
Erst als Forsyth den Vorfall mit einem Verweis auf seinen Blog twitterte, gab es eine Antwort. Per Twitter verkündete die British Library, dass Hamlet nicht mehr geblockt sei und Änderungen am Web-Filter gemacht wurden. Der Web-Filter sei neu, weshalb es zu diesem Vorfall kam. Auf die Fragen von Usern, warum die Nationalbibliothek überhaupt einen Web-Filter nutzt, gab es keine Antwort.

Der Vorfall ist für Kritiker von Web-Zensur ein weiteres Beispiel dafür, dass Filter-Software nicht funktioniert. Sie befürchten, dass bei der bevorstehenden Web-Pornografie-Sperre in Großbritannien auch zahlreiche legale Inhalte, aufgrund schlecht eingestellter Software, blockiert werden.

Professor Ross Anderson, Sicherheitsexperte an der Cambridge Universität, bezeichnet Web-Filter als „sinnlos". Auch sei es „völlig unangebracht", dass so ein Filter in der British Library installiert sei. Im Fall von Hamlet dürften bestimmte Wörter aus dem Text für eine Identifikation als gewalttätigen Inhalt gereicht haben – in dem Stück geht es um Rache, Mord und (gespielten) Wahnsinn.

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