Das Raumschiff Voyager fliegt im Videospiel „Star Trek Voyager: Across the Unknown“ an einem leuchtenden Stern und einem roten Planeten vorbei.

Star Trek Voyager: Across the Unknown im Test

© Daedalic
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Star Trek Voyager und Battlestar Galactica im Spieletest: Kampf der Heimkehrer

Über 12 Sektoren gilt es die Voyager nach Hause zu navigieren - möglichst mit der gesamten Besatzung und in einem Stück

Logbucheintrag Redakteurin Franziska Bechtold, Sternzeit 48579,4: Ich habe zum 10. Mal den Sektor neu gestartet, weil mir die Vorräte ausgegangen sind. Das letzte Mal ist mir die Hülle der Voyager zerbrochen. Das Mal davor waren die Crew-Mitglieder so unzufrieden, dass sie das Schiff verlassen haben. So ein riesiges Starfleet-Schiff zu managen, während man weit von Zuhause gestrandet ist und gegen neue Feinde kämpft, ist ganz schön stressig. Ich frage mich, wie Captain Janeway das macht. 

Ja, Star Trek Voyager: Across the Unknown ist mitunter kompliziert und definitiv fordernd. Es gibt viele Baustellen, die mittelmäßig erklärt werden und mehr stressige Situationen, als man von einem eher statischen, textlastigen Management-Spiel erwarten würde. Aber für alle, die gerne aus Fehlern lernen, Micromanagen und Spaß an Star Trek haben, ist das Spiel eine Offenbarung. 

2 Serienklassiker werden wiederbelebt

Auf dem Papier ist es ein bisschen verwunderlich, dass man ausgerechnet Voyager ein neues Videospiel spendiert. Eine Serie, der man (auch aus technischen Gründen) bisher nicht mal ein HD-Remaster gegeben hat, weshalb sie in ihrer Streaming-Heimat Paramount Plus auf matschigen 480p herumdümpelt. Ähnlich merkwürdig ist auch die Entscheidung, das Remake von Battlestar Galactica von 2004 wiederzubeleben und auch dieser Serie ein Spiel zu widmen, wenn auch derzeit nur als Demo. Doch dazu später mehr.

Die Grundgeschichte der Star-Trek-Serie macht sie zu jedenfalls einem hervorragenden Ausgangspunkt für ein Spiel. Die Voyager unter Führung von Captain Kathryn Janeway ist im Delta-Quadranten gestrandet. Serie wie Spiel begleiten die Reise des Raumschiffs und seiner Crew zurück in den Alpha-Quadranten. Das Spiel folgt recht strikt der Vorlage, inklusive aller wichtigen Figuren wie Neelix, Tuvok, Chakotay und natürlich Seven of Nine. Auch wenn nur die Logbucheinträge vertont sind (von den Originalsprechern von Tuvok und Tom Paris), kommt von Beginn an ganz viel nostalgisches Star-Trek-Feeling auf.

Entscheidungen ändern Spielverlauf (ein bisschen)

Haupt- und Nebenmissionen sind einzelnen Episoden der Serie nachempfunden und tragen auch die gleichen Namen. So versucht man in "Das Nadelöhr" ein Wurmloch zu nutzen, um nach Hause zu kommen. In "Der Verrat" muss man einen Spion in der Crew identifizieren und in "Allianzen" gilt es, ein mögliches Abkommen mit dem Feind zu treffen. 

Für den grundlegenden Verlauf des Spiels ist es nicht erheblich, ob man die Serie kennt, man sollte aber zumindest grundlegende Freude an Star Trek haben, sonst wird es schwierig. Die Entscheidungen, die man während des Spiels trifft, haben moderate Auswirkungen auf dessen Verlauf. Verhaftet man etwa in "Der Verrat" den falschen Spion, wird dieser das Schiff verlassen. Der tatsächliche Verräter wird aber immer entkommen. Trotzdem haben auch kleinere Entscheidungen Auswirkungen darauf, wie schwierig das Spiel sich gestaltet. 

Mehrere Crewmitglieder der U.S.S. Voyager sitzen in verschiedenen Räumen des Raumschiffs, während Ressourcen- und Statusanzeigen das Management-Gameplay des Spiels zeigen.

Die Crewmitglieder arbeiten in verschiedenen Räumen der Voyager

Verpasst man etwa eine Nebenmission, kann es sein, dass 3 Stunden später eine Technologie fehlt, die man nur so erhalten würde. Das kann dazu führen, dass man geliebte und wichtige Crew-Mitglieder verliert. Generell kann es jederzeit passieren, dass Crewmitglieder während gefährlicher Missionen sterben. Man spielt also nicht nur einfach die Serie nach, sondern gestaltet sie mit.

Zufallsprinzip mit Frustrationspotenzial

Das Spiel besteht aus Schiffmanagement, Ressourcen-Abbau, Story-Abschnitten mit Außenmissionen und Kämpfen. Zu Beginn ist ein Großteil der Voyager zerstört, weshalb man sie nach und nach wieder aufbaut und gestaltet. Die Crew braucht Unterkünfte und Nahrung, für Forschung wird ein Wissenschaftslabor benötigt, und zusätzliche Batterie- und Schildeinheiten sichern die Stromversorgung und verstärken die Schutzschilde der Voyager. Doch Räume brauchen Ressourcen, und die sind immer knapp. Wer zu schnell, zu viel baut, wird immer Probleme bekommen, die Stationen am Laufen zu halten. Wer das Mobile-Game Fallout Shelter gespielt hat, wird das Prinzip kennen. 

In den prozentual generierten Sternensystemen, zwischen denen man reist, baut man die Ressourcen ab. Wie fast alle Elemente des Spiels greift auch hier das Zufallsprinzip. Durch Forschung, Aufleveln und Aufrüsten kann das zu den eigenen Gunsten verschoben werden. Schickt man z. B. ein gut ausgebildetes Team mit den benötigten Fähigkeiten auf eine Außenmission, ist es wahrscheinlicher, dass sie unverletzt und mit vielen Belohnungen zurückkehren. Hat man Waffen und Schilde der Voyager verbessert, stehen die Chancen gut, Gefechte weitestgehend unversehrt zu überstehen.

Generell wird man in diesem Spiel häufig auf Balken starren, die in verschiedenen Farbschattierungen zwischen grün und rot liegen. Grün heißt hier 'Erfolg”, während Rot für 'Fehlschlag” steht. Entlang dieses Balkens bewegt sich ein Pfeil, bis ein Timer abgelaufen ist. Befindet er sich dann im grünen Bereich, hat man die Herausforderung geschafft. 

Das kann stellenweise frustrierend sein, wenn man eine Pechsträhne hat. Denn auch beim Einsammeln von Rohstoffen greift das Zufallsprinzip. Dann kann es passieren, dass der dringend benötigte Treibstoff direkt vor der Nase ist, der Zufall aber entscheidet: Fehlschlag. Dann erntet man nicht nur keine Rohstoffe, sondern muss einige Räume des Schiffs reparieren. 

Rundenbasiertes Rogue-lite

Die Voyager fliegt auch mit sehr geringen Treibstoffreserven im Notbetrieb weiter - nur fällt dann überall der Strom aus, was der Crew gar nicht gefällt. Deren Moral fällt rapide in den Keller. Das Spiel ist dabei in Runden bzw. Zyklen aufgeteilt. Ist die Moral über mehrere Zyklen im Keller, heißt es Game Over. Auch, wenn die Voyager zerstört wird, ist das Spiel vorbei. Man kann aber immer wieder einen Sektor neu starten, wenn man Fehler gemacht hat. Das Spiel speichert automatisch, man kann aber auch einen manuellen Spielstand anlegen, den man neu laden kann.  

All das macht riesige Freude, ist fordernd und mitunter stressig, aber fühlt sich nie unfair an. Das größte Manko des Spiels sind die Kämpfe. Die sind vor allem langweilig. Während die Phaser automatisch schießen, muss man Spezialfähigkeiten und Torpedos manuell aktivieren. Man entscheidet, ob man eher defensiv oder offensiv agiert, welchen Teil des gegnerischen Schiffs man angreift oder ob man aufgibt und sich freikauft. Das klingt nach mehr Spaß, als es tatsächlich ist und das wissen die Entwickler auch, denn man kann die Kämpfe auch einfach überspringen.

Überlebenskampf und Streitereien

Der lange Weg nach Hause bietet zufällig für ein weiteres Spiel, basierend auf einem modernen Serienklassiker, die Grundlage: Battlestar Galactica: Scattered Hopes. Das soll noch im Frühjahr erscheinen, bisher lässt aber die Demo-Version einen guten Einblick auf das Spiel zu.

Auch hier geht es um Management, allerdings mit stärkerem Fokus auf die Weltraumschlachten. Verfolgt von den Zylonen versucht man aber nicht die Galactica, sondern eine kleinere Gunstar-Klasse, zu den 12 Kolonien, den letzten Posten der Menschheit, zurück zu steuern. Zwischen den Angriffen hat man eine begrenzte Rundenanzahl Zeit, um das Schiff zu verbessern, Rohstoffe zu sammeln und Konflikte an Bord zu lösen.

Immer wieder geraten verschiedene Fraktionen aneinander und man muss sich entscheiden, mit wem man sich gut stellt, um Revolten zu verhindern. Dabei kann man es nicht jedem Recht machen und schwierige Entscheidungen gehören zum Spielprinzip. So löst man etwa einen Streit zwischen Arbeitern und Militär und muss sich schließlich entscheiden, wem man mehr Rohstoffe zugesteht. Dabei sinkt man in der Gunst einer Fraktion, während man bei den anderen steigt.

Flucht vor den Zylonen

Nach jeder Runde wartet ein Kampf gegen die feindlichen Zylonen, auf den man sich vorbereiten muss, etwa indem man die Schiffe der Flotte auflevelt und verantwortliche Helden zuweist, die sie verbessern. Bei den Kämpfen selbst geht es nicht darum, zu gewinnen, sondern man verteidigt so lange, bis das Gunstar-Schiff in die (temporäre) Sicherheit fliehen kann. Dabei werden verschiedene Schiffstypen strategisch platziert, um automatisch und manuell gegnerische Schiffe und Raketen abzufangen, bevor sie die zivilen Schiffe angreifen. 

Warum man die zivilen Schiffe auf dem Schlachtfeld zwischen dem Gunstar und den Angreifern platziert, weiß niemand. Das ist vielleicht eine der ärgerlichsten Dinge der Demo - alles ist darum gebaut, diese Schiffe zu beschützen, während sie auf dem Präsentierteller sind. 

Auch ist der Schwierigkeitsgrad sehr hoch. Ein strategischer Fehler - etwa ein falsch bewegtes Schiff - kann schon zum Game Over führen und man fängt entweder von vorn an, oder versucht die Schlacht erneut zu gewinnen. Zwar wird man immer wieder den Kampf pausieren, um sich strategisch neu zu orientieren, das sieht das Spielprinzip so vor. Doch wenn man einmal die Kontrolle über das Kampfgeschehen verliert, kann man eigentlich nicht mehr einlenken. Dann wird man von gegnerischen Raidern, Snipern und Raketen überrannt. Sind dann die eigenen Schiffe an der falschen Stelle oder schon zu geschädigt, wird es ganz knapp, die drohende Zerstörung noch abzuwenden. Hier haben die Entwickler bereits eingelenkt und werden 3 Schwierigkeitsgrade einführen. 

Fazit

2 Schiffe auf dem Weg nach Hause, 2 ähnliche Ansätze: Kampf gegen die Ressourcenknappheit und feindliche Schiffe und das Obenhalten der Moral. Im direkten Vergleich wird zumindest nach aktuellem Stand sofort deutlich, wer die Nase vorn hat: Star Trek. 

Während man bei Voyager von Sekunde 1 an spürt, dass hier Fans der Serie entwickelt haben, fühlt sich Battlestar Galactica generischer an. Bis auf die Begrifflichkeiten und das grundlegende Setting könnte das Spiel auch in irgendeiner anderen Science-Fiction-Welt stattfinden. 

Zwischen den Angriffen müssen Konflikte gelöst werden

Zwischen den Angriffen müssen Konflikte gelöst werden

Dadurch verzeiht man auch weniger, als bei Voyager: Die Kämpfe bei Battlestar Galactica sind zwar fordernd, aber auch repetitiv. Die Charaktere auf dem eigenen Schiff sind zufällig ausgewählt und ändern sich bei jeder Runde. Das ist gut für den Wiederspielwert, aber schlecht für die emotionale Bindung. Die fehlt nämlich, die Dialoge sind flach und die Figuren uninteressant. 

Die richtige Fan-Stimmung kommt nur selten auf - und das nicht in den Kämpfen, sondern bei der Konfliktlösung an Bord. Denn gerade die politischen Intrigen und persönlichen Schicksale waren es doch, die die Serie damals so erfolgreich machten. Ohne richtigen Bezug zu den Charakteren fällt es schwer, sich um sie zu scheren. Ob das nur ein Problem der Demo ist, oder sich auch im fertigen Spiel zeigt, bleibt abzuwarten.

Auch bei Voyager sind die Kämpfe kein Highlight, aber das ist vollkommen ok. Sie sind nur ein kleiner Teil des komplexen Management-Systems, das in seiner Gesamtheit genau das ist, was ich mir von einem Star-Trek-Spiel erwarte: Fremde Welten erkunden, die Moral stärken, Entscheidungen treffen und das Schiff am Laufen halten. 

Star-Trek-Fans kommen voll auf ihre Kosten, während Galactica-Fans schon sehr wohlwollend sein müssen. Grundsätzlich gilt aber bei beiden Games: Wer die Serien nicht kennt oder mag, hat wahrscheinlich wenig Freude daran. Für alle anderen lohnt es sich, die jeweilige Demo auszuprobieren.

Star Trek: Across the Universe kostet 34,99 Euro und ist für PC (Steam) und für 39,99 Euro für PlayStation 5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2 erschienen. 

Battlestar Galactica: Scattered Hopes ist für Frühjahr 2026 angekündigt, die Demo ist bei Steam verfügbar.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction. Co-Host des Podcast "Raumfahrtgeschichten".

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Franziska Bechtold

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