Super Time Force

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Games
06/29/2014

Super Time Force im Test: Bleihaltiges Zeitreise-Paradoxon

Super Time Force erweitert das klassische Sidescroller-Genre um den Faktor Zeitreisen und lässt den Spieler mit seinen vergangenen ichs gleichzeitig kämpfen.

„Nicht noch ein Retro-Shooter…“ könnte man sich denken, wenn man zum ersten Mal Screenshots von Super Time Force (Xbox One, Xbox360, 15 Euro auf Xbox Live Arcade) sieht. Hinter dem 2D-Shooter verbirgt sich aber mehr als nur eine grobe Pixel-Optik: nämlich ein gewaltiges Zeitreise-Paradoxon. Die futurezone hat das Spiel getestet.

Ein Wissenschafter erfindet in den 80ern das Zeitreisen, Momente später zertrümmern Roboter die Reste der postapokalyptischen Welt. Aber keine Angst, sein zukünftiges ich, der zweifach-Augenklappenträger Colonel Repeatski, erscheint, um mit seiner Super Time Force die Erde zu retten.

Der schräge Humor und die Anspielungen auf Filme und Popkultur ziehen sich durch das gesamte Spiel. So gibt es etwa ein Mad-Max-Level oder einen Skateboard fahrenden Dinosaurier als spielbaren Charakter.

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Nur 60 Sekunden

Pro Level hat man nur 60 Sekunden Zeit – eine unschaffbare Aufgabe, da bereits ein Treffer oder eine Berührung eines Gegners reicht, um das Zeitliche zu segnen. Zum Glück gibt es aber 30 Leben und das Zeitreise-Paradoxon. Stirbt man, kann man die Zeit bis zum Start des Levels zurückspulen und zu jeden gewünschten Zeitpunkt wieder einsteigen.

Die Zeitlinie, in der man gerade gestorben ist, bleibt aber erhalten. Startet man nach dem Ableben vom Level-Anfang, läuft das vergangene Ich bis zu dem Punkt, an dem es gestorben ist. Rettet man dieses Ich, in dem man den Gegner beseitigt bevor dieser sein tödliches Werk verrichtet hat, kann man das vergangene Ich einsammeln.

Teamarbeit mit mir und mir

Das eingesammelte Selbst aus der Vergangenheit dient als Schutzschild – das Gegenwart-Ich hält einen Treffer mehr aus. Außerdem wird beim Aufladeschuss gleichzeitig der Aufladeschuss des Vergangenheits-Ich ausgeführt. Spielt man etwa mit Aimy McKillin, die einen durchdringenden Scharfschützen-Schuss hat, wird beim Aufladeschuss auch Jean Rambois Streuschuss ausgeführt, wenn dessen verstorbenes Ich zuvor aufgesammelt wurde.

Zum Start stehen drei Charaktere zur Verfügung, insgesamt kann man über zwölf freischalten. Jeder hat einen anderen Schuss und Aufladeschuss. Im Idealfall werden die Charaktere so kombiniert, dass sich die Fähigkeiten ergänzen.

So kann man bei einem Boss-Fight etwa mit einem Streu-Aufladeschuss feindliche Raketen abschießen. Reist man in der Zeit zurück, kann man einen zweiten Charakter so positionieren, dass er dem ersten Rückendeckung gibt. Da aber so der Boss nicht bekämpft wird, wird in der nächsten Zeitlinie dieser von einer dritten Position aus aufs Korn genommen.

Rohe Gewalt

Löst man durch eine geschickte Kombination der Charaktere eine knifflige Situation oder einen Bossfight, möchte man sich am liebsten selbst begeistert auf die Schulter klopfen. Diese Situationen muss man sich aber teilweise selbst erspielen – man muss den Willen haben, bei dem hektischen Shooter mitzudenken.

Prinzipiell lässt sich fast jedes Level mit brachialer Gewalt lösen. Man läuft, schießt, stirbt. Beginnt das Level von vorne, läuft schießt, stirbt, usw. Irgendwann bevölkern zahlreiche vergangene Ichs das Level, die alles zu Klump schießen. Das chaotische Wirrwarr ist zwar amüsant anzuschauen, die Brechstangen-Methode nimmt aber viel vom Erfolgserlebnis weg. Bei einigen Situationen hat man zudem das Gefühl, dass sie nur so zu lösen sind.

Pixelblut

Der Retro-Look der Grafik dürfte einigen bekannt vorkommen. Das Entwicklerstudio Capybara Games war unter anderem auch für Sword & Sworcery EP (iOS, Steam) verantwortlich, das sich in einem ähnlichen Stil präsentiert.

Die grobe Pixel-Grafik wirkt dem Spiel oft aufgezwungen. Zwar gibt es hin und wieder witzige Highlights, wie die Pixelversionen von Mad-Max-Charakteren, großteils ist die Präsentation aber unspektakulär.

Fazit

Das Element Zeit ist eine willkommene Abwechslung im angestaubten Side-Scroller-Shooter-Genre. Trotz der manchmal notwendigen Brachial-Methode macht es Spaß mit den Zeitlinien zu experimentieren und verschiedene Charaktere zu kombinieren.

Mit drei bis vier Stunden ist die Spielzeit aber eher kurz geraten. Durch ein paar frustrierende Level-Passagen (Stichwort: Jetpacks) werden wohl nur solche Gamer Super Time Force nochmals spielen, die versuchen ihre eigenen Bestzeiten zu schlagen. Einen Mehrspieler-Modus gibt es nicht, dieser wäre nicht sinnvoll mit dem Zeitreise-Gameplay vereinbar.