Menschen zünden Kerzen auf einem großen gelben Symbol für Radioaktivität an, das aus vielen kleinen Lichtern besteht.
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Meinung

Kernenergie ist vorbei

Kernenergie und Kohle haben verloren. Wer sich 2026 noch immer gegen diese Erkenntnis stemmt, handelt gegen jede wirtschaftliche Vernunft.

Wir können aufhören zu streiten. Seit Jahrzehnten wird debattiert, ob Kernenergie eine gefährliche Umweltbedrohung ist oder doch die moderne, zukunftsträchtige Art, Strom zu erzeugen. Wirft man einen Blick auf die Energiestatistiken des Jahres 2025, dann stellt man fest: Diese Diskussion ist irrelevant geworden. Solarenergie und Windenergie haben gewonnen. Kernenergie und Kohle haben verloren. Wer sich 2026 noch immer gegen diese Erkenntnis stemmt, handelt nicht nur ökologisch falsch, sondern gegen jede wirtschaftliche Vernunft.

Die Wende ist da!

2025 war ein historisches Jahr für die globale Energiewirtschaft: Die Stromproduktion aus Kohle und Gas ging zurück – und zwar nicht wegen einer Wirtschaftskrise wie 2020, sondern weil sich der Ausbau von Solar- und Windenergie so gewaltig beschleunigt hat. China und Indien haben die Trendwende geschafft – ihr fossiler Stromverbrauch sinkt, ihr PV- und Wind-Ausbau bricht alle Rekorde.

Das passiert nicht, weil es politisch korrekt ist oder weil sich jemand als moralisch überlegener Klimaretter inszenieren möchte, sondern einfach, weil es nach der Kosten-Nutzen-Rechnung die überlegene Lösung ist. Gleichzeitig fallen die Preise für Batteriespeicher, das wird Sonne und Wind in den nächsten Jahren noch attraktiver machen.

Kernenergie ist übel – anderes aber auch

Kernenergie hingegen stagniert – entgegen langjährigen Prognosen. Seit Jahrzehnten wird eine Renaissance der Kernenergie vorhergesagt. Die echten Zahlen blieben immer hinter den Erwartungen zurück, man bezeichnet das inzwischen als „Nuclear Energy Paradox“. Die Probleme der Kernenergie sind bekannt: Allein durch die Katastrophe von Tschernobyl starben Tausende Menschen, Tausende Quadratkilometer Land wurden unbewohnbar, radioaktiver Müll ist ein großes Problem.

Hier muss man allerdings wissenschaftlich fair bleiben: Ganz ähnliche Nachteile gibt es auch anderswo – und dort ignorieren wir sie. An Partikeln aus Kohlekraftwerken sterben Hunderttausende Menschen, allein in Deutschland wurden Tausende Quadratkilometer Fläche durch Kohletagebau langfristig unbewohnbar gemacht, es gibt viele Abfallstoffe, die ähnlich wie radioaktiver Müll dauerhaft sicher gelagert werden müssen. Das trifft auf Quecksilber aus Kohlekraftwerken genauso zu wie auf Rotschlamm aus der Aluminiumproduktion. Das allerdings nimmt man ohne große Aufregung hin, während es bei der Kernenergie heiß diskutiert wird.

Natürlich werden Nachteile von Kernkraftwerken nicht weniger schlimm, wenn andere Kraftwerke ähnliche Nachteile zeigen. Aber dass man gerade in Österreich und Deutschland Kernenergie oft als die einzige düstere Umweltzerstörungstechnologie darstellte, während man mit Kohle und Gas kein Problem hatte, ist nicht logisch.

Kernenergie hat Probleme, die sich nicht reparieren lassen

Könnte man Kernenergie nicht verbessern? Sicherer machen? Den Atommüll reduzieren? Ja, dafür gibt es tatsächlich interessante Ideen. Doch selbst ein hypothetisches absolut sicheres Kernkraftwerk, das keinen Atommüll produziert, wäre immer noch keine Lösung: Es wäre nicht nachhaltig, weil es Brennstoffe wie Uran oder Thorium braucht, es kann somit prinzipiell nicht Teil eines ökologischen Kreislaufsystems werden, und es wird immer Kernenergie in Wärme umwandeln und dadurch zur Erwärmung des Planeten beitragen, auch ohne CO2-Ausstoß.

Der entscheidende Punkt ist aber: Niemand kann sagen, wie Kernenergie jemals kostengünstiger werden soll als Sonne und Wind. Für eine Renaissance der Kernenergie wären gewaltige Investitionen nötig, die man im besten Fall in Jahrzehnten zurückbekäme. Wer soll dieses Risiko eingehen, in einer Zeit, in der Alternativenergie von Jahr zu Jahr massiv billiger wird? Selbst wenn Europa morgen beschließen würde, radikal auf Kernenergie zu setzen – bis man die Auswirkungen dieser Entscheidung tatsächlich im Stromnetz sehen würde, hätte erneuerbare Energie das Rennen wohl trotzdem gewonnen.

Es mag physikalisch interessant sein, über exotische neue Kernreaktortypen zu spekulieren. Praktisch gesehen sind solche Fantasien derzeit ziemlich bedeutungslos. Es geht nicht nur um Technik, es geht um wirtschaftliche Realitäten. Welche Technologie lässt sich jetzt, ab sofort weltweit in großem Stil ausrollen? Das ist nicht Kernenergie, das ist nicht Kohle und Gas, das ist Sonne und Wind, ergänzt durch moderne Speicher.

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Florian Aigner

Florian Aigner ist Physiker und Wissenschaftserklärer. Er beschäftigt sich nicht nur mit spannenden Themen der Naturwissenschaft, sondern oft auch mit Esoterik und Aberglauben, die sich so gerne als Wissenschaft tarnen. Über Wissenschaft, Blödsinn und den Unterschied zwischen diesen beiden Bereichen, schreibt er regelmäßig auf futurezone.at und in der Tageszeitung KURIER.

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