myfuzo | Blog
28.09.2016

Note-7-Akkuprobleme: "Samsung kann stolz auf sich sein"

In Südkorea gibt es unterschiedliche Sichtweisen auf Samsungs Probleme mit seinem neuen Flaggschiffmodell Note 7.

Es sei das erste Smartphone, das über einen Iris-Scan zur Authentifizierung verfüge, sagt die Samsung-Mitarbeiterin stolz. Ob man es nicht ausprobieren wolle. Dann wartet sie geduldig, bis die Kamera des Telefons die Augen abgetastet hat und das Feature demonstriert werden kann. Im Samsung Innovation Museum rund eineinhalb Autostunden südlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, feiert sich der Elektronikkonzern selbst.

34.000 Menschen bevölkern die Samsung Digital City , wo sich neben dem Innovations-Museum des Konzerns auch die Firmenzentrale von Samsung Electronics und die Forschungs- und Entwicklungsabteilung befinden. Das Note 7 wird hier stilvoll, als weitere Errungenschaft in der langen Erfolgsgeschichte des Konzerns in Szene gesetzt. Die Probleme mit dem Akku werden elegant ausgespart, Fragen dazu eher beiläufig beantwortet. Die Akkus seien bereits ausgetauscht worden, das Galaxy Note 7 sei natürlich im Handel erhältlich, heißt es lapidar, bevor die Besuchergruppe in den nächsten Raum weitergewunken wird.

Warnung in Flugzeugen

Nichts deutet darauf hin, dass wegen Explosionsgefahr des hochgejazzten Akkus knapp 2,5 Millionen Stück des Smartphones weltweit zurückgerufen werden mussten. In Flugzeugen, wird eindringlich darauf gedrängt, das Gerät während des gesamten Fluges ausgeschalten zu lassen. Besitzer eines Note 7 können sich deshalb ein bisschen so fühlen wie Terroristen, die Plastiksprengstoff um ihren Körper gewickelt haben.

In Südkorea selbst sind die Akku-Probleme des jüngsten Samsung-Gadgets natürlich Thema. Der Konzern beschäftigt in dem rund 51 Millionen Einwohner zählenden Land mehr als 450.000 Leute und zählt gemeinsam mit Hyundai, Daewoo und LG zu den größten Arbeitgebern. Für viele ist das Malheur mit den Akkus ein Alarmsignal. Häufig wird in diesem Zusammenhang Nokia erwähnt, das in Finnland einen ähnlichen Stellenwert hatte, wie ihn Samsung in Südkorea heute hat. Konzerne sollten sich nicht in der Gewissheit wiegen, dass sie zu groß seien, um unterzugehen ("Too big to fail"), heißt es dann. "Man weiß nie, was mit großen Unternehmen passieren kann."

Zeichen für Öffnung

Es gibt aber auch andere Sichtweisen. "Samsung kann auf die Rückrufaktion stolz sein", sagt David Sehyeon Baek, Direktor des Gyeonggi Center for Creative Economy & Innovation im Seouler Stadtteil Pangyo. Er sieht im Umgang des Konzerns mit dem Akkuproblem ein Zeichen dafür, dass sich die rigide Firmenkultur des Konzerns ein wenig geöffnet hat: "Sie haben zugegeben, dass sie einen Fehler gemacht haben. Das wäre noch vor kurzem undenkbar gewesen."