Netzpolitik
10.04.2018

Cambridge-Analytica-Chef: „Haben keine Gesetze gebrochen“

© Bild: APA/AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS / DANIEL LEAL-OLIVAS

Die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica verteidigt sich vor der Aussage von Mark Zuckerberg im US-Kongress.

Cambridge Analytica hat am Montagabend ein Statement veröffentlicht, bei dem das Unternehmen einige „Fakten klarstellen“ möchte. Der CEO Alexander Tayler kritisiert, dass derzeit viel der Kritik auf „Spekulation“ und „Hörensagen“ beruhe und weniger auf Fakten. Das sei unfair und schade dem Unternehmen, so der CEO. Cambridge Analytica sei ein „politisch neutrales“ Unternehmen, das keinerlei Präferenz für eine politische Richtung habe, heißt es etwa, in dem Presse-Statement des CEOs auf der Website.

Facebook "nicht gehackt"

Cambridge Analytica hat deswegen mit CambridgeFacts.com eine Website eingerichtet, auf der man alle Falschmeldungen adressieren und richtigstellen wolle, heißt es weiters. Eines, das immer wieder medial falsch transportiert werde, sei etwa, dass Cambridge Analytica Facebook „gehackt“ hätte. Das sei schlichtweg falsch. „Wir haben keine Gesetze gebrochen“, heißt es seitens der Datenanalysefirma. „Auch keine FEC Gesetze“.
In der Kampagne für Trump habe man lediglich Wahldaten, Datenanalyse und digitales Marketing bereitgestellt, aber keine GSR-Daten. Das seien „dieselben Methoden“ gewesen, die man bei allen anderen Kampagnen eingesetzt habe.

Auch zum Whistleblower Mr. Wylie äußerte sich die Firma. Dieser sei weder Gründer von Cambridge Analytica, noch jemals bei Cambridge Analytica angestellt gewesen. Er sei Auftragnehmer von SCL Elections gewesen im Zeitraum „August 2013 bis Juli 2014“. Er soll „kein Wissen über bekannte Praktiken“ haben, wie er selbst von sich behauptet habe.

Man habe sich nun zudem einem "unabhängigem Audit-Verfahren" von Dritten geöffnet, um zu beweisen, dass man keine GSR-Daten in Verwendung habe, so Cambridge Analytica.

Zuckerberg reumütig

Die Fakten von Cambridge Analytica kommen einen Tag bevor Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress aussagen wird. Facebook steht derzeit im Visier der FTC-Behörde, die mit Generalstaatsanwälten in 37 US-Bundesstaaten ermittelt. Zuckerberg gibt sich derzeit reumütig.

Das weltgrößte soziale Netzwerk habe nicht genug getan, um Schaden abzuwenden, wie Zuckerberg am Montag in einem schriftlichen Schuldeingeständnis schrieb. Dies sei ein großer Fehler gewesen. „Es war mein Fehler. Es tut mir leid. Ich habe Facebook gegründet, ich leite die Firma und ich bin verantwortlich für das, was hier passiert ist.“„Umfangreiche Investitionen in Sicherheit dürften die Profitabilität in nächster Zukunft“ beeinträchtigen, warnte der Facebook-Chef. Das Unternehmen habe zusätzlich Personal in dem Bereich eingestellt. „Der Schutz unserer Gemeinschaft ist wichtiger als die Maximierung unserer Gewinne.“

Facebook hatte vor kurzem "mehr Transparenz" und Datenschutzverbesserungen angekündigt. Dabei hat das Unternehmen allerdings vergessen zu erwähnen, dass die Datenschutzverbesserungen, die es nun angeblich aufgrund des Cambridge-Analytica-Skandals einführen möchte, eigentlich andere Gründe hat: Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung zwingt Facebook dazu, hier Maßnahmen zu ergreifen. Diese werden jetzt vom Unternehmen lediglich als "besseren Schutz für Privatsphäre" verkauft.

In den USA bekam Facebook zuletzt Gegenwind von IT-Größen wie Steve Wozniak, der seine Privatsphäre auf Facebook verletzt sah und sein Profil gelöscht hatte.