Netzpolitik
31.12.2010

Die Technik-Flops 2010

Auch Hightech-Riesen sind vor Fehlgriffen nicht gefeit. 2010 mussten Firmen wie Apple, Google oder Microsoft herbe Rückschläge einstecken und umjubelte Technologien bekamen Dämpfer verpasst. Die FUTUREZONE fasst die Hightech-Flops des Jahres zusammen (in alphabethischer Reihenfolge).

3-D-TV

2010 sollte das Jahr des räumlichen Fernsehens werden, stattdessen gab es einen Reinfall in der dritten Dimension: Zwar bieten fast alle großen Elektronik-Hersteller 3-D-Flat-TVs an, allerdings mangelt es an Inhalten. 3-D-Fernsehübertragungen gibt es nur im Testbetrieb, und selbst bei 3-D-Blu-rays ist die Auswahl auf weniger als 30 Stück beschränkt.

ACTA

Mit dem Antipiraterie-Abkommen ACTA ("Anti-Counterfeiting Trade Agreement"), wollen führende Industriestaaten künftig Urheberrechtsverletzungen effektiver bekämpfen. Dabei schossen die Verhandler jedoch über das Ziel hinaus. Das weitgehend hinter verschlossenen Türen ausgehandelte Abkommen könne sich negativ auf Redefreiheit und Datenschutz auswirken, warnen Bürgerrechtler.

Apple

Erst leugnete man das Problem, dann war es ein Software-Fehler und schließlich sagte Apple-Boss Steve Jobs trotzig: "Dann haltet das iPhone 4 einfach anders." Aufgrund der Bauweise des iPhone 4 kann es nämlich zu Empfangsproblemen kommen, wenn das Smartphone in der linken Hand gehalten wird. Um Kunden zu besänftigen, verteilte Apple kostenlose - und nicht gerade hübsche - Schutzhüllen für sein Designerstück. Weitere Apple-Fehlschläge: Das soziale Musik-Netzwerk "Ping" und das immer noch nicht erschienene iPhone 4 in Weiß.

Chatroulette

Ein paar Wochen war die Internet-Welt hin und weg: Der Videochat-Dienst, der Nutzer nach dem Zufallsprinzip verband, wurde schon für das nächste Facebook gehalten. Dann verdarben Exhibitionisten den anderen den Spaß, der Hype war vorbei. Besonders bitter: Der 18-jährige Russe Andrei Ternowski, der Chatroulette programmierte, lehnte einen 30-Millionen-Dollar-Deal ab.

Facebook-Datenschutz

Die Schattenseite von Facebook zeigte sich 2010 deutlich: Technische Fehler und Partnerfirmen sorgten dafür, dass eigentlich zu schützende Nutzerdaten frei im Netz einzusehen waren und an Werbefirmen weiterverkauft wurden. Außerdem trieb Facebook die Auflösung der Online-Privatsphäre munter voran, feilte an vielfach kritisierten Datenerhebungs-Methoden (Stichwort "Friendfinder") und versuchte schließlich, die Öffentlichkeit mit einer halbherzigen Überarbeitung der Nutzereinstellungen zu beruhigen.

Google

Abgesehen von "Android" war 2010 kein gutes Jahr für Google. "Wave", als Nachfolger von eMail angepriesen, musste aufgrund mangelnden Zuspruchs eingestellt werden. Ein Datenschutz-Fiasko war "Buzz": Googles Antwort auf Facebook war in den eMail-Dienst Gmail so miserabel eingebunden, dass alle sehen konnten, mit wem man kommunizierte. Eine weitere Blamage ereignete sich bei "Street View": Anstatt nur Straßenzüge abzufotografieren, sammelten die Kameraautos "unabsichtlich" Daten (z.B. eMails und Passwörter) aus den WLAN-Netzen der Anrainer in über 30 Ländern. Das groß angekündigte "Google TV", floppte in den USA, da keine der großen US-Sendeanstalten kooperieren wollte.

Hightech-Produktion

Die Selbstmordserie in chinesischen Werken des größten Hightech-Herstellers der Welt, Foxconn, verdeutlichte drastisch ein grundlegendes Problem: Ob iPad, HP-Laptop oder Nokia-Handy - fair produzierte Technik gab es 2010 nicht. Arbeiter in Billiglohnländern wie China, Vietnam oder Thailand wurden weiter unter miserablen Bedingungen ausgebeutet, während IT-Riesen Profit machten.

Microsoft-Handys

Mit der Handy-Reihe "Kin" handelte sich der Software-Gigant Microsoft eine riesige Blamage ein. Im April präsentiert, wollte man mit ungewöhnlicher Form und Anbindung an Online-Netzwerke die Jugend ansprechen. Bereits eineinhalb Monate später musste man die Modelle wegen Erfolglosigkeit wieder einstampfen. Auch das neue Handy-Betriebssystem " Windows Phone 7" blieb sowohl technisch als auch im Verkauf hinter den Erwartungen.

Nokia

Technologie-Absteiger des Jahres ist Nokia. Der finnische Hersteller wechselte den Konzern-Chef, musste den Boss der Handy-Sparte gehen lassen und strich 800 Stellen. Zudem verlor Nokia endgültig den Anschluss an die Smartphone-Konkurrenz. Das Handy "N8", das eigentlich die Rettung für das angeschlagene Unternehmen sein sollte, floppte aufgrund des Betriebssystems "Symbian^3", das auf dem pensionsreifen "Symbian" basiert. Auch der Plan, heuer drei Betriebssysteme veröffentlichen zu wollen, wurde wieder verworfen.

USB 3.0

Ende 2008 wurde USB 3.0 vorgestellt, das zehn mal schneller als der jetzige Standard USB 2.0 ist. Heuer sind zwar erste Geräte erschienen, allerdings hauptsächlich externe Festplatten. Auch in neuen Computern und Laptops sind USB-3.0-Anschlüsse eine Seltenheit, USB-Sticks und Smartphones mit dem neuen Standard sind nicht-existent. Der für 2010 angekündigte Standard "Wireless USB" zur drahtlosen Übertragung von Daten hat noch nicht einmal Serienreife erlangt.

(Jakob Steinschaden, Gegor Gruber)

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