Netzpolitik
21.12.2017

Facebook wird wegen Altersdiskriminierung verklagt

Weil viele Unternehmen wie Amazon, Verizon oder UPS auf Facebook Job-Anzeigen nur jüngeren Kandidaten anzeigen lassen, gibt es jetzt eine Sammelklage in den USA.

Microtargeting heißt es, wenn auf Facebook bestimmte Werbeanzeigen nur für eine bestimmte Zielgruppe angezeigt werden. „ProPublica“ hat in einer Untersuchung rausgefunden, dass beispielsweise Verizon Jobanzeigen nur für eine bestimmte Altersgruppe freigeschalten hatte. Nur Facebook-Nutzer zwischen 25 und 36 Jahren, die sich für Finanzen interessieren und in Washington leben oder die Stadt in letzter Zeit besucht haben, bekommen die Anzeige zu Gesicht.

Gesetzeswidrig

Doch Verizon ist nicht das einzige Unternehmen, das auf diese Art und Weise nach Bewerbern sucht. Auch Amazon, UPS oder Facebook selbst nutzen diese Möglichkeit. Laut Arbeitsrechtsexperten soll das illegal sein und gegen ein Gesetz verstoßen. Der „Age Discrimination in Emplayment Act“ aus dem Jahr 1967 verbietet, Menschen, die älter als 40 Jahre sind, bei Anstellungen zu diskriminieren. Die Anwältin Debra Katz hält die Praktiken der Unternehmen auf Facebook daher für gesetzeswidrig.

Nun wurde beim Gericht in San Francisco von den „Communication Workers of America“ eine Sammelklage eingereicht - nicht aber gegen die Unternehmen, sondern gegen Facebook, weil es diese Praktiken zulässt. Facebook würde in dem Fall selbst die Rolle einer Arbeitsvermittlungsagentur übernehmen und Daten zur Verfügung stellen, mit denen das gezielte Targeting überhaupt möglich wird. Unternehmen verlassen sich bei der Stellensuche in den USA stark auf soziale Medien. Das Targeting schadet älteren Arbeitssuchenden daher erwiesenermaßen.

Diskriminierung auch bei Rasse

Die Klage ist das jüngste Beispiel für Kritik, die es gegen Facebook schon länger gibt. So hatte die stiftungsfinanzierte Recherchegruppe „ProPublica“ bereits 2016 aufgedeckt, dass Werbetreibende auf Facebook ihre Wohnungsanzeigen nur an Weiße richten konnten. Obwohl der US-Konzern, eines der größten Werbe-Unternehmen der Welt, daraufhin beteuerte, seine Richtlinien zu verbessern, seien fast alle Anzeigen innerhalb weniger Minuten online gestellt worden, hieß es.

Facebook räumte ein, man habe mit der Annahme der Anzeigen gegen die eigenen Richtlinien verstoßen. „Es handelte sich um einen Fehler bei der Umsetzung und wir sind enttäuscht darüber, dass wir unsere Vorgaben nicht erreichen konnten.“ Um die Ziele künftig besser zu erreichen, will Facebook künstliche Intelligenz und Maschinenlernen „in einem Maßstab einsetzen, der einzigartig für die digitale Werbebranche“ sei.

Facebook gab gegenüber ProRepublica an, dass das neue System noch nicht an alle Werbetreibenden ausgerollt worden sei. Das US-Politmagazin schreibt zudem, dass eine Selbst-Kontrolle in dem Fall nicht genug sei, wie die zahlreichen, aufgedeckten Fälle beweisen würden.