Netzpolitik
11.07.2012

Peking verschärft Zensur von Internet-Videos

Die Zensurmaßnahmen der privaten Anbieter gehen der chinesischen Regierung nicht weit genug. Ab sofort müssen sämtliche Inhalte vor der Veröffentlichung von einer staatlichen Stelle gesichtet werden. YouTube ist bereits seit längerer Zeit gesperrt.

Die chinesischen Zensurbehörden haben die Regeln für Videos im Internet weiter verschärft. Anbieter müssen demnach alles Material vor der Veröffentlichung zunächst von einer staatlichen Stelle sichten lassen. Der Schritt sei notwendig, um junge Menschen vor vulgären Inhalten zu schützen, hieß es in einer Mitteilung der zuständigen Behörde. Kritiker befürchten, dass auch zunehmend beliebte Drama-Serien und Kurzfilme der verschärften Zensur zum Opfer fallen könnten.

Regierung nimmt Anbietern Verantwortung ab
Die Regelung sei eine Reaktion auf das schnelle Wachstum des Angebots an Filmen im Internet, die oftmals vulgäre, gewalttätige oder pornografische Inhalte zeigten, erklärte die Staatliche Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen (SARFT) und das Staatliche Büro für Internet-Information. Ziel der Maßnahme sei, ein qualitativ höherwertiges Online-Programm zu fördern. Anbieter von Internet-Videos müssten dabei mehr Verantwortung übernehmen. Die Regierung werde dafür sorgen, dass die neuen Regeln umgesetzt würden, betonte SARFT.

YouTube ohnehin gesperrt
Über beabsichtigte Standards bei der neuen, vorgeschalteten Zensur oder über mögliche Strafen wurden zunächst keine Angaben gemacht. Die Zensur von Filmen und Einschränkungen für das Fernsehprogramm sind in China schon seit langem an der Tagesordnung. International beliebte Online-Portale wie Youtube sind hier gesperrt.

Wie groß die Auswirkungen der neuen Verschärfung sein werden, ist fraglich. Der beliebteste chinesische Online-Video-Anbieter Youku beschäftigt nach eigenen Angaben mehrere hundert Mitarbeiter, die alles Bildmaterial prüfen, bevor es hochgeladen wird. Weder vulgäre oder gewaltsame Inhalte noch irgendetwas Politisches habe dabei eine Chance ins Netz zu gehen, sagte eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AP.

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