Netzpolitik
23.11.2016

Provider sollen ungewöhnliche Sex-Videos zensieren

Kein Urin oder Blut oder Sex in der Öffentlichkeit: Videos, die „unkonventionelle“ Sexdarstellungen beinhalten, sollen dank eines neuen Gesetzes zensiert werden.

In der sogenannten „Digital Economy Bill“, also dem britischen Gesetzesentwurf zur Regulierung des Internets, hat sich eine Passage versteckt, wonach Internet Service Provider dazu gezwungen werden sollen, den Zugang zu Websites mit „nicht konventionellen“ Sexdarstellungen zu blockieren. Der Entwurf des Gesetzes wird gerade im Parlament diskutiert, wie BBC berichtet.

Konkret wird im Gesetzesentwurf vorgeschlagen, dass Internet Service Provider alle Inhalte blockieren müssen, die nicht für den kommerziellen DVD-Verkauf vom British Board of Film Classification (BBFC) zugelassen werden. Das beinhaltet etwa Bilder und Videos, wo etwa ein Klaps auf den Po zu sehen ist, weibliche Ejakulation, Menstruationsblut oder Urin. Auch Bilder und Videos, in denen Sex in der Öffentlichkeit zu sehen ist, würden unter diese Regelung fallen.

"Geht Regierung nichts an"

Viele Mainstream-Websites für Erwachsene würden ganze Bereiche für ihre britischen Nutzer unsichtbar machen müssen, heißt es im BBC-Artikel. „Es sollte die Regierung nichts angehen, was für Sexpraktiken sich Erwachsene ansehen, solange sie im Einvernehmen stattfinden“, sagte Jodie Ginsberg vom Zensur-Index.

Eine exakte Liste, welche Praktiken genau von der BBFC-Einordnung betroffen sind, gibt es nicht. Aber viele Hersteller von Erwachsenenfilmen sind von der Behörde bereits gezwungen worden, Szenen wieder rauszuschneiden. Eines der Dinge, über die Behörde und Filmemacher in der Vergangenheit gestritten hatten, war die Anzahl die Finger, die in Körperteile eingeführt werden dürfen. Hier hatte man sich auf vier geeinigt.

„Wenn wir Dinge wie Menstruationsblut oder Urin im Film regulieren wollen, lenkt das den Fokus weg von den wirklich gefährlichen Materialien wie Kindesmissbrauch oder sexueller Gewalt“, so Ginsberg.