Beim Zocken gibt es viele Gründe sich zu ärgern, eingestellter Support für ein Game rangiert weit oben (Symbolbild).
„Stop killing games“: NGO will Rechte von Gamern schützen
Games haben oft großen Nostalgiefaktor: Selbst wenn man die Story schon auswendig kennt, jedes Easter Egg entdeckt hat und die Grafik längst veraltet ist, zockt man gerne jene Spiele, die einen in der Vergangenheit begeistert haben. Doch seit Online-Modi und Live-Services zum Standard geworden sind, können einem die Hersteller einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen.
Denn wenn sie die Serverinfrastrukturen im Hintergrund einstellen, funktioniert der Multiplayer-Modus nicht mehr und im schlimmsten Fall wird das ganze Game unspielbar. So passiert z. B. bei The Crew, das Ubisoft nach 10 Jahren im April 2024 eingestellt hat. YouTuber Ross Scott, auch bekannt als Accursed Farms, startete daraufhin die Initiative „Stop Killing Games“ (SKG), die sich derzeit zu einer offiziellen NGO auf EU- und US-Ebene formiert.
Verbraucherschutz
SKG argumentiert, dass Hersteller die Produkte, für die Kundinnen und Kunden bereits bezahlt haben, nicht einfach so zerstören dürfen. Diese Praxis stelle „einen radikalen Angriff auf die Verbraucherrechte und sogar auf das Konzept des Eigentums selbst dar“, heißt es in den FAQ der Initiative. Außerdem verdienten Videospiele – auch wenn sie kulturell weniger anerkannt seien als Bücher oder Filme – grundlegenden Schutz vor vollständiger und willkürlicher Zerstörung.
Doch die meisten Games werden nicht als Ware im klassischen Sinne vertrieben. Spielerinnen und Spieler erwerben stattdessen ein Nutzungsrecht in Form einer Lizenz – und in deren Bedingungen nehmen sich die Hersteller mitunter heraus, den Support nach Gutdünken einstellen zu können.
Laut SKG sind mit Stand Februar bereits über 400 Titel unspielbar geworden, weil Hersteller die notwendigen Online-Services dafür eingestellt haben. Zuletzt passierte das etwa bei Anthem von BioWare und EA, dessen Server Anfang Jänner nach 5 Jahren abgeschaltet worden waren.
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Branchenverband will an bestehendem Vorgehen festhalten
Wenig überraschend stellt sich die Games-Branche gegen die SKG-Initiative. Vergangenen Sommer erklärte der Verband Video Games Europe per Pressemitteilung, dass man die Leidenschaft der Community bei diesem Thema zu schätzen wisse. Doch: „Die Entscheidung, Online-Dienste einzustellen, ist vielschichtig, wird niemals leichtfertig getroffen und muss für Unternehmen eine Option sein, wenn ein Online-Angebot wirtschaftlich nicht mehr rentabel ist.“
SKG fordert keineswegs, dass Hersteller unendlich langen Support für einzelne Titel bieten oder fortlaufend Online-Dienste anbieten müssen. Es gebe einen großen Unterschied zwischen einem Spiel, das in keiner Form mehr spielbar sei, und einem, dem lediglich ein paar Funktionen fehlten.
Ziel: Spiele offline weiter nutzen können
Es müsse möglich sein, ein gekauftes Spiel offline weiterzunutzen, oder auf eigenen Servern zu hosten, um gemeinsam mit anderen spielen zu können, findet SKG. Darin sieht Video Games Europe, zu dem auch EA, Microsoft, Nintendo und Ubisoft gehören, ein Sicherheitsrisiko und Haftungsschwierigkeiten.
Man heiße die Möglichkeit, diese Position mit Entscheidungsträgern und Mitgliedern der Initiative zu diskutieren, willkommen. Wie Scott in einem aktuellen Video betont, hat der Branchenverband allerdings auch ein halbes Jahr nach diesem Statement keinen Kontakt zu SKG selbst aufgenommen. „Sie geben eindeutig mehr Geld für Lobbyisten aus, die [die Initiative] bekämpfen, als es kosten würde, den Entwicklungsprozess zu fixen“, so der SKG-Initiator weiter.
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EU-Kommission muss sich dem Thema annehmen
Ende Jänner überreichte die Gruppierung die Petition „Stop Destroying Videogames“ an die EU-Kommission. Sie hatte knapp 1,3 Millionen gültige Unterschriften aus 24 verschiedenen Mitgliedstaaten erhalten. In Österreich haben 20.714 Menschen unterschrieben, die meisten Stimmen (233.180) kamen aus Deutschland.
Die EU-Kommission muss bis zum 27. Juli dieses Jahres eine offizielle Antwort liefern und wird sich dafür in den kommenden Wochen mit den Organisatorinnen und Organisatoren treffen. Außerdem soll es ein öffentliches Hearing im EU-Parlament geben.
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Digital Fairness Act
Die Forderungen der SKG würden nach Ansicht der Initiatorinnen und Initiatoren zudem gut zum „Digital Fairness Act“ passen. Dieser Legislativvorschlag der EU-Kommission befasst sich mit sogenannten Dark Patterns, personalisierter Werbung, suchterzeugendem Design und problematischen Influencer-Praktiken. Ein erster Austausch mit der Kommission im Oktober – während der offiziellen Konsultationsphase – sei allerdings nicht unbedingt positiv verlaufen, erzählt Scott im Video.
Der deutsche Politberater und Luftwaffe-Soldat Moritz Katzner hat die Koordination der SKG-Aktivitäten auf EU-Ebene übernommen. Inzwischen haben mehrere Mitglieder des Europäischen Parlaments der Initiative ihre Unterstützung zugesprochen, darunter der deutsche sozialdemokratische Politiker Tiemo Wölken.
SKG ist auch in den USA, Großbritannien, Brasilien und Australien tätig. Dort versucht die Initiative ebenfalls Gesetze anzustoßen, die dafür sorgen, dass Games offline spielbar bleiben.
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