Netzpolitik 12.09.2013

T-Mobile: Roaming-Aus führt zu höheren Inlands-Tarifen

Der Entfall des Umsatzes durch Roaming-Gebühren werde zu höheren Inlandstarifen führen, warnt T-Mobile-CEO Andreas Bierwirth im futurezone-Interview.

Die meisten Konsumenten und viele Konsumentenschützer feiern es als Sieg: Die EU will Roaming bis Juli 2016 komplett abschaffen, schon ab Sommer 2014 sollen Telefonate im und ins EU-Ausland nicht mehr teurer sein als Inlandsgespräche. „Aus österreichischer Sicht bin ich verwundert, dass man sich darüber wirklich freuen kann“, sagt T-Mobile-CEO Andreas Bierwirth im futurezone-Interview. „Österreich ist ein Tourismusland, daher sind die Erlöse, die die Netzbetreiber aus dem Roaming lukrieren, überproportional im Vergleich zu anderen Ländern.“ Österreich sei beim Fall der Roaming-Regelung ein großer Verlierer.“

Umsatz-Posten Roaming

Roaming-Einnahmen machten bereits einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz aus, so Bierwirth. „Fällt dieser Umsatz weg, könnte eine Konsequenz sein, dass die Tarife im Inland wieder steigen.“ Das halten Branchenkenner für höchstwahrscheinlich, denn von der Abschaffung der Roaming-Gebühren profitierten nur etwa 20 Prozent der Kunden, die Mehrkosten müssten dann durch höhere Tarife auch jene bezahlen, die nie im oder ins Ausland telefonieren. In der Türkei sei man einen anderen Weg gegangen. „Die Tarife für Roaming wurden erhöht, um das auszugleichen, was sie im Binnenmarkt verlieren.“

Andreas Bierwirth ist seit einem Jahr CEO von T-Mobile Österreich. Er hat die Funktion von Robert Chvatal im September 2012 übernommen
© Bild: Gerhard Deutsch

Preiserhöhung ist keine Strategie

Preiserhöhung sieht Bierwirth, der nun ein Jahr im Amt ist, nicht als optimale Strategie, T-Mobile werde auf Differenzierung und auf ein Mehr setzen. „Der Kunde will nicht nur mehr, er wird künftig mehr Dienste nutzen, und das wird uns Einnahmen bringen. Die Kür unserer Industrie liegt daran, sich auf das kommerzielle Wachstum des Datenverkehrs zu fokusieren und die Datenangebote auszuweiten.“ War der Mobilfunkkunde in der Vergangenheit nur ein Telefon- und später dann zusätzlich noch ein Datenkunde, so kommen nun Bereiche hinzu, bei denen ein Betreiber punkten könne – von mobilem TV über mobiles Breitband daheim (Home Net Box, Anm.) bis hin zu diversen Machine2Machine-Lösungen (M2M) wie etwa intelligentes-Wohnen-Lösungen. „Der Datentransport wächst jedes Jahr gigantisch, dieser Trend ist nicht mehr umzukehren“, so Bierwirth, „daher braucht es bei der Tarifgestaltung neue Ideen.“

Upstream-Tarif kommt 2014

T-Mobile wird Anfang 2014 auch Tarife anbieten, bei denen das Tempo bei der Datenübertragung eine Rolle spielt, aber nicht nur wie bisher der Downstream, sondern auch der Upstream. „Wir werden auf maßgeschneiderte Datentarife setzen“, so Bierwirth. Bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr seien die Tarife über „Datenmengen“ und „umlimitiert“ kategorisiert worden, heute und künftig werde es um Tempo-Upgrades (LTE), oder zusätzliches Volumen innerhalb des Leistungszeitraums gehen.

"Nur Hardware-Lieferanten haben gewonnen"

„Wenn man sich die Ausgaben für Telekommunikation genau ansieht, haben sie zugenommen. Aber von der Zunahme haben nur die Geräte-Lieferanten profitiert, die Einnahmen bei den Betreibern sind gesunken“, so Bierwirth. Apple, Samsung, HTC & Co. hätten Geld verdient, die Betreiber eher weniger. „Ich glaube dennoch an die Zukunft des Mobilfunks. Heute ist LTE annähernd so schnell wie Glasfaser, mit Super-LTE wird das Tempo weiter zunehmen. Der Mobilfunk ist ein Treiber einer flächendeckenden Datenversorgung.“

( futurezone ) Erstellt am 12.09.2013