Netzpolitik 20.09.2017

Zensur-Verdacht nach WhatsApp-Störung in China

Wieder ist eine Lücke im Messenger-Dienst WhatsApp aufgetaucht © Bild: Reuters/DADO RUVIC

WhatsApp ist in China nur noch mit Tricks benutzbar. Nutzer befürchten eine Blockade durch die chinesische Zensur, weil diese die Verschlüsselung des Dienstes ablehnt.

Die Zensur in China hat offenbar den Kurznachrichtendienst WhatsApp blockiert. Nutzer beklagten am Mittwoch, dass der Service nur noch über VPN-Tunnelverbindungen funktioniert, mit denen Internetsperren umgangen werden können. Schon im Juli gab es eine Störung, die Befürchtungen weckte, dass die Regierung den Dienst komplett sperren könnte.

Verschlüsselung

Da WhatsApp die Nachrichten verschlüsselt, können sie von den chinesischen Überwachungsorganen nicht mitgelesen werden. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind schon seit Jahren von der chinesischen Regierung gesperrt. Auch alle Google-Dienste oder die Videoplattform YouTube, internationale Medien wie die "New York Times", das "Wall Street Journal" oder Webseiten, welche die Politik Pekings kritisieren oder Menschenrechtsthemen ansprechen, sind in der Ein-Parteien-Diktatur China nicht erreichbar.

Regierung gegen VPN

Viele Chinesen nutzen deswegen kommerzielle Tunneldienste, um die Zensur zu umgehen und somit über die "Große Firewall" zu klettern. Allerdings hat die Regierung angekündigt, die - heute ohnehin schon häufig gestörten - Tunnel künftig komplett blocken zu wollen. Apple hatte im Juli auf chinesische Anweisung hin solche Programme für VPNs (Virtual Private Network) aus dem chinesischen App-Store entfernt, was heftige Kritik ausgelöst hatte.

Ausländische Unternehmen in China sind besorgt, dass sie künftig auch ihre firmeneigenen Tunnel nicht mehr benutzen können und ihre Geschäftsgeheimnisse damit nicht mehr sicher sind.

( Agenturen ) Erstellt am 20.09.2017