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23.01.2019

Die 10-Sekunden-Zahnbürste Amabrush fällt beim Zahnarzttest durch

Die Wunderzahnbürste des österreichischen Start-ups bekam von Zahnärzten „keine Empfehlung“.

Mit der Amabrush-Zahnbürste versprach Start-up-Gründer Marvin Musialek ein Gerät, das das zweiminütige Zähneputzen in nur zehn Sekunden erledigt. Weil mit der Amabrush „alle Bereiche gleichzeitig gereinigt“ werden, reichen zehn Sekunden aus, so Musialek in einem TV-Beitrag von „ORF Konkret“, der gestern ausgetrahlt wurde.

"Kann Zähneputzen nicht ersetzen"

Das Konsumenten-Magazin des ORF hatte die Amabrush Mitte November mit einem Plaque-Test im Beisein von zahnärztlicher Unterstützung getestet und kam zu einem vernichtenden Urteil: „Ich würde keine Empfehlung für Patienten abgeben, das normale Zähneputzen durch die Amabrush zu ersetzen“, sagte Andreas Moritz, Klinikleiter der Universitätszahnklinik Wien.

Beim Plaque-Test konnte nach zehn Sekunden putzen mit Amabrush keine Besserung des blauen Plaque-Belags an der Zahnoberfläche festgestellt werden. Auch nach weiteren zwanzig Sekunden blieben die Zähne des Redakteurs tief blau eingefärbt.

Musialek kann sich das Abschneiden der Amabrush bei dem Test nicht genau erklären. "Was ich ziemlich sicher sagen kann ist, dass hier kein Zähneputzen stattgefunden hat, bei dem Wasser verwendet, ausgespuckt und abgespült wird. Ich werde das aber noch einmal genau klären. Die Amabrush wurde außerdem nicht in der Hand gehalten. Damit erzielt man aber wesentlich bessere Ergebnisse. Oft beißen Personen auch zu fest zu. Das ist das Todesurteil für das Putzergebnis", sagt Musialek im Gespräch mit der futurezone.

"Ältere Version"

Im Amabrush-Forum auf Facebook hat bereits ein Nutzer das Feedback des Kundendienstes gepostet, das er als Rückmeldung bekommen hatte. Darin war zu lesen, dass es sich bei dem getesteten Modell um eine „ältere Version“ handle und der Beitrag schon „vor Monaten“ aufgezeichnet worden sei. Das bestätigte auch Musialek gegenüber der futurezone. "Beim neueren Modell des Mundstücks konnten wir die Vibrationsübertragung erheblich verbessern. Es hat sich auch die Komplexität erhöht", so der Start-up-Gründer.

Der zuständige TV-Redakteur Kenny Lang bestätigte, dass der Beitrag bereits im November 2018 gedreht wurde, fügt allerdings hinzu, dass ein neues Mundstück seiner Einschätzung nach den Test nicht wesentlich verbessern würde. Die futurezone wollte von Musialek daher auch wissen, wie viele dieser Modelle an Kunden ausgeliefert worden seien und ob diese nun ersetzt werden. "Wir haben allen Supportern versprochen, dass sie ihr altes Mundstück gegen ein neues austauschen können. Das ist kein Problem. Sie müssen sich nur bei uns melden", so Musialek.  

Probleme beim Mundstück

Klinik-Chef Moritz merkte im Beitrag an, dass das Mundstück nicht für alle Kiefer passen werde. Amabrush dagegen schreibt auf seiner Website: "Das flexible Material des Mundstücks passt sich jedem Mund an." Ob Amabrush wirklich eine Alternative zum Zähneputzen sei, könne man noch nicht beurteilen, da es „keine klinischen Studien“ dazu gebe. Laut Musialek gebe es bisher eine Vorstudie mit dem alten Mundstück. "Diese werden normalerweise nicht veröffentlicht, aus Kostengründen und wegen dem hohen Aufwand, diese aufzubereiten. Eine klinische Studie mit Ethikkommission soll im ersten Halbjahr 2019 folgen."

Ein Facharzt der Klinik sei vor rund zwei Jahren einmal von Musialek kontaktiert worden zwecks Beratung. Dieser wies damals darauf hin, dass auch die Zahnzwischenraumhygiene ein wichtiger Teil der Zahnpflege sei. Doch die Amabrush kann genau diese Zwischenräume gar nicht berücksichtigen, ebenso wenig wie jede andere Zahnbürste. "Die Zahnzwischenräume erreicht man nur mit Zahnseide. Wir können nur die Ergebnisse liefern, die auch eine normale Zahnbürste schafft", sagt Musialek.

"Ernüchterndes" Ergebnis

Für ORF Konkret ist das Ergebnis des Amabrush-Tests auf jeden Fall „ernüchternd“. „Saubere Zähne fühlen sich anders an.“ Vor allem, da das Gerät für einen Preis von 130 Euro verkauft werden soll.

Die Amabrush wurde 2017 via Crowdfunding finanziert. Rund 4,7 Millionen Euro konnten über Vorbestellungen eingesammelt werden. Bisher haben noch nicht alle Unterstützer ihre Amabrush ausgeliefert bekommen. Laut Musialek haben etwa die Hälfte der Supporter die Amabrush bekommen. Bis April sollen sie alle Crowdfunding-Supporter bekommen.

(Un)zufriedene Kunden

Neben den Beschwerden vieler Unterstützer, die ihr Produkt noch nicht erhalten haben, häufen sich aber auch jene der Nutzer, die ein Amabrush-Modell erhalten haben. Bei den Plaque-Test dieser User gab es ähnlich schlechte Ergebnisse, wie beim Gerät im TV-Test. In einer Facebook-Gruppe überlegen einige Nutzer bereits, rechtliche Schritte gegen das Start-up einzuleiten. "Wir haben selbst 1500 Kunden nach ihrer Zufriedenheit gefragt und haben überwiegend positive Rückmeldungen erhalten", so der Start-up-Gründer.

Musialek weist noch einmal darauf hin, dass die Amabrush ein "neuartiges Produkt" sei. "Wir stellen immer wieder fest, wenn wir Personen bei Fokusgruppen zuschauen, dass die meisten die Amabrush nicht richtig verwenden, weil sie unsere Betriebsanleitung nicht lesen. Wir versuchen das mit How-to-Videotutorials zu verbessern."