Mark Zuckerberg eröffnete die F8

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03/25/2015

Facebook will weit mehr sein als eine "kleine blaue App"

Facebook will die Welt erobern: Der Kurzmitteilungsdienst Messenger soll zur Zentrale der Kommunikation werden. Auch beim Internet der Dinge will der Konzern mitspielen.

Mark Zuckerberg eröffnete die Entwicklerkonferenz F8 mit seiner Keynote. Vor ein paar Jahren sei Facebook nur eine blaue App gewesen, jetzt sei Facebook es eine große App-Familie, sagte der Gründer des Sozialen Netzwerks. Bereits 600 Millionen Menschen würden Facebooks Messenger App pro Monat nutzen, neben 1,4 Milliarden Usern der Facebook-Plattform, 700 Millionen WhatsApp-Nutzern und 300 Millionen Instagram-Nutzern. Bei Zuckerbergs Keynote ist deutlich zu spüren, dass Facebook mehr sein will als ein soziales Netzwerk.

Messenger Plattform

Der Messenger, der vor vier Jahren auf den Markt gebracht wurde, sei ein wichtiges Kommunikationstool, wie Zuckerberg betonte. Deshalb sei der nächste Schritt „Messenger Plattform“, also die Möglichkeit, Inhalte wie animierte GIFs oder Videos oder andere Multimedia-Inhalte mit Freunden direkt im Messenger zu teilen. Das soll über Apps funktionieren. User, die bestimmte Inhalte teilen wollen, müssen entsprechende Apps im Messenger installieren. Das funktioniere auch direkt während der Kommunikation mit dem Gegenüber, über einen einfachen Kick auf einen Button.

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Messenger-Chef David Marcus erklärte, dass die neuen Funktionen für den Messenger auch die Lücke füllen sollen, die entstehen, wenn Menschen versuchen Emotionen auszudrücken. Emoticons seien dafür nur bedingt geeignet, Videos und GIFs könnten diese viel besser ausdrücken. Mit der heutigen Ankündigung gebe es 40 Apps für den Messenger, weitere Apps sollen folgen.

Kommunizieren mit Unternehmen

Marcus kündigte zudem an, dass Messenger-Nutzer bald mit Unternehmen kommunizieren können. Als Beispiel bringt er einen Online-Store, bei dem man ein T-Shirt kauft. Statt E-Mail-Kommunikation würde der Verkauf direkt über den Facebook-Messenger abgewickelt, etwa der Status vom Versand direkt via Messenger verschickt. Genauso könnten Kunden auf diesem Weg Reklamationen loswerden oder nachfragen. Das Service soll in den nächsten Wochen mit ein paar ausgewählten Shops verfügbar sein. Als ersten Shop nannte Marcus Everlane. Langfristig soll man aber auch Tisch-Reservierungen in Restaurants über den Messenger vornehmen, wenn es nach Zuckerbergs Vorstellungen geht.

Seit Mittwoch gibt es zudem die Möglichkeit, Videos einzubetten. Damit will Facebook den Medienkonsum auf seine Plattformen verschieben, denn Publisher bekommen damit die Möglichkeit, ihre Bewegtbildbeiträge sowohl auf der eigenen Website als auch auf Facebook zu integrieren, um die Reichweite zu erhöhen.

Eintauchen in virtuelle Welten

Virtuelle Realität (VR) soll in den kommenden Jahren ebenfalls eines der Kernthemen von Facebook werden. Facebook hatte im vergangenen Jahr für rund zwei Milliarden Dollar die auf VR spezialisierte Firma Oculus gekauft. Auf der F8 sprach Cheftechniker Michael Abrash über konkrete Anwendungen für die VR-Brillen für Facebook-Nutzer. Ziel ist es demnach, Menschen das Teilen von Erinnerungen zu ermöglichen. „Wir wollen unseren Nutzern erlauben, andere Menschen in einen Moment zu teleportieren. Oma soll dabei sein, wenn meine Tochter erstmals ohne Stützräder fährt“, sagt Abrash. Noch in diesem Jahr will Facebook überzeugende VR-Erlebnisse mit Prototypen erreichen. Allgemein erhältlich werden soll die Oculus-VR-Brille „bald“, wie Abrash versichert. Die Technik werde dabei in den kommenden Jahren noch weitaus besser werden. Derzeit sei Oculus gerade dabei, die Mindestanforderungen zu erfüllen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sprach außerdem die Malware-Probleme auf Facebook an (wie etwa den jüngsten Porno-Trojaner, der sich wie berichtet auch in Österreich rasant verbreitete). Diese Probleme seien herausfordernd und manchmal deshalb so schwierig zu beseitigen, weil die Angreifer ihre Malware auf Plattformen anderer großer IT-Dienstleister hosten würden. Deshalb wolle Facebook künftig mit anderen Unternehmen wie Microsoft, Yahoo, Netflix oder Dropbox über eine Plattform namens ThreatExchange gegenseitig Informationen über Hacker-Angriffe und Malware austauschen.

Generell sei Facebook auch dahinter, größere Bugs auf der Plattform binnen 48 Stunden auszutauschen. Kleinere Probleme werde man künftig binnen 30 Tagen lösen, versprach der Facebook-Chef. Außerdem vorgestellt wurde Facebook Analytics für Apps, ähnlich wie Google Analytics. Der Dienst soll ab sofort kostenlos verfügbar sein.

Internet der Dinge

Auch das Internet der Dinge spielt bei Facebook künftig eine große Rolle. Mit einem neuen Software Developer Kit (SDK) können Entwickler über Parse Tools zum Steuern von Connected Devices in Facebook zu integrieren. Man könnte also künftig über Facebook informiert werden, wann es notwendig ist, seine Zimmerpflanze zu gießen, oder das Licht auszudrehen.

„Lasst uns die ganze Welt miteinander verbinden“, waren Zuckerbergs letzte Worte auf der Bühne. Mit diesen Ankündigungen, die auf den ersten Blick möglicherweise nicht so sexy wirken mögen, könnte das Unternehmen aber tatsächlich dran sein, sich eine immer größere Rolle in den Leben vieler Millionen Menschen zu sichern. Facebook tut auf jeden Fall alles, um möglichst viele Menschen an seine Services zu binden – und längst ist Facebook damit mehr als nur eine „kleine, blaue App“, wie es Zuckerberg selbst ausgedrückt hat.