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07.07.2013

Fünf Nachtsichtgeräte unter 400 Euro im Test

Während professionelle Nachtsichtgeräte zwischen 1000 und 3000 Euro kosten, versprechen auch günstigere Modelle in der Dunkelheit sehen zu können. Die futurezone hat fünf Geräte, die zwischen 159 und 399 Euro kosten, in der Hölle getestet.

Spätestens seit "Schweigen der Lämmer" ist das markant-grüne Farbschema in die Popkultur eingedrungen. Der Zuseher beobachtet aus der Perspektive des Killers, der ein Nachtsichtgerät trägt, die weibliche Hauptfigur des Films, die in völliger Dunkelheit um ihr Leben fürchtet. Bei Videospielen gibt es kaum einen First-Person-Shooter, in dem es nicht zumindest ein Level gibt, das mit einem Restlichtverstärker oder Wärmebildgerät bestritten wird.

Die bei Militär-Shootern virtuell nachgebildeten Nachtsichtgeräte sind selbst auf dem Gebrauchtmarkt nicht unter 2000 Euro zu haben. Und auch zivile Ausführungen, die den militärischen nachempfunden sind, kosten neu um die 2000 Euro. Doch es geht deutlich günstiger: Nachtsichtgeräte werden bereits ab 159 Euro angeboten. Die futurezone hat fünf Modelle getestet, die für weniger als 400 Euro zu haben sind und so gerade noch als "Gadget" durchgehen.

Unterschiede
Bei günstigen Nachtsichtgeräten gibt es zwei Technologien. Das klassische, grüne Farbschema gibt es bei Geräten, die Bildwandlerröhren nutzen. Hier wird Restlicht verstärkt und nicht sichtbare Infrarotstrahlung in sichtbares Licht umgewandelt. "Professionelle Geräte nutzen Bildwandler. Diese sind in Generationen eingeteilt. Ab Generation 2 beginnen die sehr guten Geräte, Generation 4 ist derzeit Militär und Behörden vorbehalten", sagt Reinhard Fruhwald, Manager bei Conrad, das die Nachtsichtgeräte für eine Leihdauer von zwei Wochen zur Verfügung gestellt.

Bei den günstigen Nachtsichtgeräten werden alternativ CCD-Bildsensoren eingesetzt. Im Gegensatz zu normalen Digicam-Sensoren fehlt bei diesen der IR-Filter, wodurch sie empfindlicher auf die mit dem menschlichen Auge nicht sichtbare Infrarotstrahlung reagieren. Dieses Prinzip nutzen etwa auch Camcorder (Night Shot Modus, Null-Lux-Modus), um bei nahezu völliger Dunkelheit noch filmen zu können.

Vor- und Nachteile
In der Preisklasse unter 400 Euro haben beide Technologien ihre Vor- und Nachteile. Bildwandlerröhren bieten üblicherweise ein schärferes Bild und ein größeres, rundes Sichtfeld. Dafür sind sie sehr lichtempfindlich. Die Geräte können beschädigt werden, wenn man sie am Tag einschaltet oder damit in eine helle Lichtquelle sieht.

CCD-Geräte sind hingegen relativ unempfindlich gegen starkes Licht. Außerdem können sie, wenn genügend Restlicht vorhanden ist, auch Farbe darstellen. Manche Geräte haben zudem einen Video-Ausgang, um das Bild auf externen Monitoren anzuzeigen. Ein Nachteil ist, dass das Bild weniger scharf ist, da man auf kurze Distanz auf einen kleinen Monitor schaut, der in dieser Preiskategorie sehr niedrig auflösend ist. Zudem ist die Reichweite bei den günstigen Geräten oft geringer.

Vergrößerung
Vor dem Kauf eines Nachtsichtgeräts sollte man deren Einsatzzweck überdenken. Gerade im günstigen Segment bieten viele Geräte eine fixe Vergrößerung. "Diese sind hauptsächlich zur Beobachtung von starren Standorten geeignet", sagt Fruhwald. Will man ein Nachtsichtgerät kaufen, um damit Nächtens auf Feldwegen spazieren zu gehen, sollte man eines ohne Vergrößerung wählen.

Um auch ohne Umgebungslicht die Nachtsicht zu ermöglichen, haben die Geräte Infrarot-Strahler eingebaut. Diese sind aber meistens eher schwach und reichen bei völliger Dunkelheit nur 5 bis 10 Meter. Deshalb gibt es optional Laser-Infrarotaufheller zu kaufen, die als eine Art Taschenlampe für das Nachtsichtgerät fungieren. Diese kosten aber oft mehr als 200 Euro. Günstigere, aber leistungsschwächere Zusatz-Infrarot-Strahler gibt es ab 90 Euro.

Eine weitere Option das Nachtsichtgerät aufzuwerten, ist mittels eines Kamera-Adapters, um damit Fotos zu machen. Diese gibt es aber üblicherweise nur für teurere Geräte. Da die Kameralinse des Smartphones aber kleiner ist als das Okular des Nachtsichtgeräts, kann man, mit etwas Fummelei, Fotos mit dem Handy machen.

Restlicht-Testszenario

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Test
Die Nachtsichtgeräte wurden in zwei Szenarien getestet. Beim Ersten wurden die Geräte in einer dunklen Umgebung mit Restlicht genutzt, um Objekte und Details sichtbar zu machen, die das freie Auge in dieser Umgebung nicht mehr wahrnehmen kann.

Der zweite Test stellte die Nachtsichtgeräte richtig auf die Probe. Die futurezone begab sich mit den Geräten in die Hölle – ein Ortsteil von Illmitz im Burgenland. In einer bewölkten Nacht, in der weder Mond noch Sterne Restlicht lieferten, wurde zwischen Bäumen, Büschen und Schilf, abseits von künstlichen Lichtquellen, nach der regionalen Flora und Fauna Ausschau gehalten.

Damit die beteiligten futurezone-Redakteure sich nicht in der Hölle verirren oder in einem der vielen Teiche, Seen oder Lacken ungewollt baden gehen, wurde die Tour von Manfred Haider begleitet. Der Diplomgeograf ist Exkursionsleiter und führt für die St. Martins Therme Dämmerungs- und Nachttouren im Nationalpark Seewinkel. "Man sollte sein Nachtsichtgerät nicht erst in der Finsternis einweihen", so Haider: „Im Dunkeln sollte man schon wissen, wo welche Knöpfe sind und wie man schnell scharf stellt."

Fokus
Er spricht damit einen Schwachpunkt vieler günstiger Nachtsichtgeräte an. Bei Distanzen unter 10 Metern muss man fast ständig den Fokus nachjustieren, um scharf zu sehen. Bei Geräten mit Vergrößerung kann dies sogar bis zu 20 Metern so sein. Will man also etwa einen Feldhasen beobachten, der langsam vor einem davon hoppelt, ist man oft mehr mit dem Scharfstellen am Gerät beschäftigt, als sich auf Meister Lampe zu konzentrieren.

Ein weiteres Problem ist das eingeschränkte Sichtfeld und die Qualität der Optik. "Will man Tiere in der Dämmerung oder bei Vollmond beobachten, ist meist ein guter Feldstecher die bessere Wahl", sagt Haider. Allerdings kann ein qualitativ hochwertiges Fernglas, mit entsprechender Vergütung für Situationen bei wenig Licht, über 800 Euro kosten.

Für Brillenträger sind theoretisch alle getesteten Nachtsichtgeräte geeignet, da das Okular verstellt werden kann, um die Dioptrien auszugleichen.

National Geographic 3 x 25 DNV

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National Geographic 3 x 25 DNV
Das 3 x 25 DNV schmückt das markante Logo der National Geographic Society. Mit 159 Euro ist es das günstigste Gerät im Test. Das gummierte Gehäuse liegt gut in der Hand, der Fokusring ist etwas schwergängig. Zur Bedienung reichen drei Tasten an der Oberseite. Eine Schutzabdeckung für die Linse fehlt.

Das Gerät nutzt einen CCD-Sensor. Im Display sind deutlich die horizontalen Linien auszumachen. Bei ausreichend Restlicht kann man einen Hauch von Farbe ausmachen, bei völliger Dunkelheit sieht alles Blau/Weiß aus. Mit ausreichend Restlicht ist die Nachtsicht in Ordnung. Bei völliger Dunkelheit ist der eingebaute Infrarot-Strahler zu schwach, um auf mehr als 4 Meter noch Objekte ausreichend aufhellen zu können. Auch die 3-fache Vergrößerung ist dabei nicht hilfreich.

Bresser Nightspy 3,1 x 42

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Bresser Nightspy 3,1 x 42
Das Nightspy ist eine Nachtsichtgerät der Generation 1 und kostet 199 Euro. Das Gehäuse ist gummiert, mit 420 Gramm ist es aber relativ schwer und noch dazu kopflastig. Zur Bedienung reichen zwei Knöpfe: der Ein/Ausschalter und der Knopf zum Aktivieren des Infrarot-Strahlers. An der Unterseite gibt es Gewinde für die Montage an einem Stativ oder einer Kopfhalterung. Der große Fokusring ist angenehm leichtgängig und auch im Dunkeln gut zu ertasten.

An der Seite ist ein Einschub für einen zusätzlichen Infrarot-Aufheller. Dieser ist auch nötig, denn der eingebaute Infrarot-Strahler reicht bei mangelndem Restlicht gerade mal an die 5 Meter. Deaktiviert man dem Infrarot-Strahler, ist selbst bei Restlicht kaum etwas zu erkennen. Durch das große Sichtfeld ist das Fokussieren trotz 3-facher Vergrößerung relativ problemlos. Zu den Rändern hin ist das Bild stark verzerrt. Wie bei einigen Geräten der Generation 1 üblich, hört man ein leises, hochfrequentes Pfeifen, wenn das Gerät eingeschaltet ist.

Walther Digi View Pro

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Walther Digi View Pro
Das CCD-Gerät kostet 269 Euro und hat eine 3-fache Vergrößerung. Mit 220 Gramm ist es angenehm leicht, das gummierte Gehäuse fühlt sich aber nicht hochwertig an. Der Fokusring ist etwas schwer zu drehen und die sechs Tasten an der Oberseite sehr klein. Diese dienen zum Einstellen der Helligkeit, der Framerate und der Vergrößerung. Mit einem Druck wird aus der 3-fachen eine 6-fache Vergrößerung. An der Unterseite ist ein Stativ-Gewinde. Die aktuellen Einstellungen und der Batteriezustand werden im Display angezeigt.

Der Infratotstrahler ist in der höchsten Stufe von vorne deutlich rot leuchtend sichtbar, weshalb das Gerät für versteckte Operationen weniger geeignet ist. Dafür ermöglicht der Strahl aber noch bis zu 20 Meter die Konturen von Objekten zu erkennen, auch in der bewölkten Hölle. Die Schwarz-Weiß-Darstellung in Kombination mit dem starken Infrarot-Strahler auf kurze Distanz, kann irritierend sein: "Die Mangalizaschweine schauen aus wie Horrorschweine", so Haider, als er die friedlich schlummernden Wollschweine damit erspäht.

Yukon NVMT-4

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Yukon NVMT-4
Das NVMT-4 ist ein Gerät der Generation 1 und kostet 289 Euro. Im Lieferumfang ist eine Kopfhalterung enthalten. Ist diese richtig justiert, kann das 380 Gramm schwere Gerät relativ bequem am Kopf getragen werden. Wird es nicht benötigt, kann man es nach oben klappen. Die Form des Geräts ist nahezu ident mit dem Bresser Nightspy.

Durch den Verzicht auf eine Vergrößerung hat man ein gutes Sichtfeld. Zu den Rändern hin wird das Bild aber verzogen, weshalb auch mit diesem Gerät das nächtliche Spazierengehen gefährlich werden kann. Zudem muss man sich erst daran gewöhnen, dass die zwei Augen unterschiedlich sehen – oder man kneift beim Tragen ständig das freie Auge zu. Der Infrarot-Strahler scheint etwas stärker als beim Bresser Nightspy zu sein, weshalb auch die Sichtweite höher ist.

Yukon NV Ranger

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Yukon NV Ranger
Das NV Ranger ist mit 399 Euro das teuerste Gerät im Test. Es sieht wie ein Fernglas aus, ist aber ein Monokular, wie auch die anderen Geräte im Test. Nicht intuitiv ist, dass zum Fokussieren links vorne gedreht wird, während man rechts hinten durch sieht. An der linken Seite gibt es einen Videoausgang und einen Anschluss für den Zigarettenanzünder des Autos – die benötigten Kabel sind im Lieferumfang enthalten. An der Unterseite ist ein Stativ-Gewinde.

An der Oberseite befinden sich 4 Tasten: Einschalter, Infrarotlicht-Schalter, Plus und Minus. Mit den zuletzt genannten Tasten wird die Helligkeit des Infrarot-Strahlers eingestellt. Mit einem Drehrad vorne wird die generelle Helligkeit eingestellt. Störend ist, dass es keinen Indikator gibt, der verrät, ob die Infrarotleuchte eingeschaltet ist. Die zwei Abdeckkappen für die Öffnungen lösen sich leicht und sind damit gefährdet im Dunklen verloren zu gehen.

Das Gerät hat eine 5-fache Vergrößerung. Bei ausreichend Restlicht ist die Darstellung gut, in der bewölkten Nacht war mit dem NV Ranger aber kaum etwas zu erkennen, das weiter als 10 Meter entfernt war. Mit 650 Gramm ist es zudem schwer. Zum Betrieb werden gleich sechs AA-Batterien benötigt, die bei voll aktiviertem Infrarot-Strahler nach zwei Stunden leer sind.

Fazit
Bei Nachtsichtgeräten bekommt man das, wofür man zahlt. Die Unterschiede zu einem professionellen Gerät (als Referenz diente ein Generation 2+ Monokular) sind gewaltig. Dieses hat bei kompakteren Maßen, ohne Infrarotleuchte, eine deutlich hellere und schärfere Darstellung, sowie ein größeres und verzerrungsfreies Sichtfeld. Will man effektiv die Nacht erkunden, sollte man mindestens ein Generation-2-Gerät ins Auge fassen.

Will man einfach nur ein Nachtsichtgerät kaufen, um eines zu besitzen, bietet unter den getesteten Geräten das Yukon NVMT-4 das beste Nachtsicht-Erlebnis. Auch mit dem Walther Digi View Pro kann man Spaß haben – ohne das typisch-grüne Farbschema empfindet man die Darstellung aber eher als lustigen Farbfilter, und nicht als Restlichtverstärker.