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18.04.2016

Offene Filmkamera aus Österreich soll Hollywood erobern

Zwei Österreicher leiten das ehrgeizige Open-Hardware-Projekt AXIOM. Dabei arbeitet man, gemeinsam mit tausenden Freiwilligen, an einer offenen Filmkamera für Profis.

Arduino, RepRap, WikiHouse: all diese international erfolgreichen Projekte sind sogenannte „Open Hardware“. Das Prinzip ähnelt jenem von Open-Source-Software. Jeder kann in einer offenen Dokumentation nachlesen, wie sie gebaut wurden und sie so selbst nachbauen oder sogar verbessern.

AXIOM in Bildern

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Axiom Kamera

Axiom Kamera

Axiom Kamera

Axiom Kamera

Axiom Kamera

Axiom Kamera

Axiom Kamera

Diesem Prinzip folgt nun auch ein ehrgeiziges Projekt unter österreichischer Leitung. AXIOM, eine quelloffene 4K-Kamera für Filmschaffende, will dank Open Hardware viele Probleme moderner Profi-Filmkameras beheben. Der Projektleiter Sebastian Pichelhofer demonstrierte am Wochenende auf der Maker Faire Vienna die Profikamera.

Kreative Lösungen möglich

Optisch wirkt die AXIOM-Kamera wie jede andere Filmkamera für Profis. Der große Vorteil ist aber ihr Innenleben. Im Gegensatz zu proprietären Kameras von Herstellern wie Sony und Blackmagic kann man hier jederzeit selbst einfach Anpassungen und Reparaturen vornehmen. So kann beispielsweise der Bildsensor problemlos ausgetauscht werden.

Zum Start wird ein APS-C-Sensor angeboten, der im Super-35-Format aufnimmt, später sollen ein Four-Thirds- sowie ein 2/3“-Sensor folgen. Aber auch Software und Aufbau können modifiziert werden. „Damit kann ein kreativer Filmemacher, der eine neue Idee hat, diese einfach selbst vornehmen“, so Pichelhofer gegenüber der futurezone.

5000 bis 6000 Euro

Vom Bedarf ist Pichelhofer überzeugt. Der beste Beweis: Bereits im Oktober 2014 wurde eine Indiegogo-Kampagne erfolgreich abgeschlossen, mehr als 800 Unterstützer trugen rund 200.000 US-Dollar bei, um eine AXIOM Beta zu erwerben. Die ersten Geräte werden bereits ausgeliefert. Derzeit wird am Nachfolger, der AXIOM Gamma, gearbeitet. Diese setzt auf einen modularen Aufbau, bei dem rasch Komponenten ausgetauscht werden können. Die Entwicklung der Gamma wird durch eine EU Förderung (Horizon 2020) finanziert und in Wien von der Universität für Angewandte Kunst koordiniert.

In Zukunft wolle man aber weniger stark als Hersteller, als vielmehr als Verwalter der bereits großen AXIOM-Community auftreten. „Wir hätten nichts dagegen, dass jemand anders einen Großteil der Hardware-Produktion übernimmt“, erklärt Herbert Pötzl, der technische Leiter des Projektes gegenüber der futurezone.

Die Bauteile seien ohnedies frei verfügbar, jeder könne sie auf dem freien Markt erwerben und mithilfe der offiziellen Dokumentation zusammensetzen. Der Preis für die Gamma ist noch offen, für die Beta soll er zwischen 5000 und 6000 Euro liegen. Ein Developer Kit wird aktuell um rund 2800 Euro verkauft. Dafür muss man aber vorerst noch auf eine grafische Benutzeroberfläche verzichten, die aber schon bald folgen soll.

Lösungen für Unternehmen

Das Geschäftsmodell von Apertus setzt stattdessen auf das Know-How rund um die Kamera. So könne man für Firmen angepasste Lösungen entwickeln. Laut Pichelhofer hat man bereits erste Projekte umgesetzt, unter anderem für einen Kunden in den USA.

Dieser war auf der Suche nach einer Kameralösung, die mithilfe von Drohnen Felder auf landwirtschaftlichen Betrieben überwachen sollte. Dazu wurden einige Modifikationen vorgenommen, beispielsweise ein flacherer Sensor verbaut. Insgesamt wurden 160 dieser angepassten Kameras gebaut.