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Analyse
12/02/2010

Softwaremarkt in Österreich wenig innovativ

Ungeachtet eines positiven Investitionsklimas mangelt es der österreichischen Softwareindustrie an Innovationskraft. Zu diesem Schluss kommt Timo Leimbach vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI im Gespräch mit der FUTUREZONE.

von Martin Stepanek

Zwar liegt Österreich laut einem aktuellen Wettbewerbsindex des Fraunhofer-Instituts in Europa auf dem guten siebten Platz. Bei den wirtschaftlichen Effekten und vor allem auch im Forschung- und Entwicklungsbereich hat Österreich laut Leimbach aber noch Nachholbedarf. Für die Gründung von innovativen Start-ups komme erschwerend dazu, dass die administrativen Hürden hierzulande hoch sind. Auch die Anzahl der hochqualifizierten Arbeitskräfte ist maximal durchschnittlich.

Gute Standortpolitik erforderlich
"Österreich braucht eine zweigleisige Strategie für die Zukunft", sagt Leimbach. "Eine gute Standortpolitik und Forschungsförderungen sind wichtig, um große Marktplayer anzulocken. Investieren diese vor Ort in Forschungszentren, wird dadurch das nötige Marktumfeld geschaffen, in dem Start-ups florieren und für eine optimale Wertschöpfung sorgen können", ist Leimbach überzeugt.

Dabei gehe es weniger darum, das nächste SAP oder Google zu schaffen. Die Wirtschafts- und Innovationskraft von mittelständischen Unternehmen sei nicht zu unterschätzen und biete wie das Beispiel Dänemark und Israel zeige, auch für ein kleines Land wie Österreich große Chancen.

Softwareindustrie vor Umwälzungen
Der Softwareindustrie stehen in den kommenden Jahren große Umwälzungen bevor. Laut einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie, die gestern im Rahmen einer IT-Tagung der Wirtschaftskammer Wien präsentiert wurde, wird das klassische lizenzbasierte Produkt- und Wartungsgeschäft nach einer Phase der Stagnation ab 2016 abnehmen.

Gewinner der technologischen und ökonomischen Veränderungen sind softwarebasierte Internetdienste (SBIS), die ihren Marktanteil innerhalb der Softwareindustrie von 5,2 (2008) auf 26,1 Prozent ausbauen wird. Dazu zählen neben cloudbasierten Anwendungen auch webbasierte mobile Applikationen sowie das Internet der Dinge. Darunter versteht man etwa die automatisierte vernetzte Kommunikation von Gütern innerhalb einer Warenproduktions- und -distributionskette, aber auch von Netzwerken und Services.

Europa mit Nachholbedarf
Auch in diesem Bereich laufe Europa Gefahr, den USA hinterherzuhinken, meint Leimbach im Gespräch mit der FUTUREZONE: "Während in den USA einige Start-ups, aber auch Google und Microsoft in diese Nische drängen, sind junge Unternehmen in diesem Bereich in Europa Mangelware."

Dass europäische Unternehmen zumeist kleinere Brötchen backen, habe einerseits damit zu tun, dass die Heimatmärkte sehr klein seien und die Kommerzialisierung über die Grenzen hinaus mit rechtlichen, kulturellen und sprachlichen Hürden verbunden sei. Auch würden nationale Banken bei der Finanzierung immer noch zurückhaltend reagieren und nur selten die potenzielle Expansion von Unternehmen in ausländische Märkte in Betracht ziehen. Um diese Hürden zu überwinden, sei Kreativität auf Unternehmerseite gefragt, so Leimbach.

Ungeachtet des Rückgangs beim klassischen Produkt- und Wartungsgeschäfts wird der Softwaremarkt laut EU-Studie bis 2020 um durchschnittlich vier Prozent pro Jahr auf 390 Mrd. Euro wachsen. Starkes Wachstum wird für die Bereiche "Cloud-Computing", "Mobile Applikationen" und "Open Source" prognostiziert.

(Martin Stepanek)

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