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Energie
10/11/2010

Supraleiter-Kabel für intelligentes Stromnetz in Südkorea

Südkorea will auf der Insel Jeju ein Pionier-Projekt für umweltfreundliche Stromversorgung umsetzen. Darin sollen fast widerstandslose, supraleitende Kabel für die Hochspanungs-Gleichstrom-Übertragung eingesetzt werden. Bis 2013 will man ein 1 Kilometer langes Teststück errichten.

von David Kotrba

Südkorea will auf der Insel Jeju ein intelligentes Stromnetz errichten und setzt dafür auf Supraleiter-Technologie. Das US-Unternehmen American Superconductor hat zuletzt den Verkauf von 3 Millionen Metern ihres beinahe widerstandslosen Amperium-Drahts an die südkoreanische LS Cable mitgeteilt. LS Cable will den Draht zusammen mit Kepco (ebenfalls Südkorea) zu einem supraleitenden Kabel für die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) verarbeiten. Der Draht soll bis 2012 ausgeliefert werden. 2013 soll ein 1 Kilometer langes HGÜ-Kabel in das intelligente Stromnetz von Jeju eingebaut werden.

HGÜ - im internationalen Gebrauch High Voltage Direct Current (HVDC) genannt - bietet gegenüber der herkömmlichen Wechselstrom-Übertragung den Vorteil, dass damit bis zu fünf Gigawatt Stromleistung in einer Röhre mit nur 90 Zentimeter Durchmesser transportiert werden können. Man erspart sich riesige Masten und kommt mit relativ geringem Raumvolumen aus. HGÜ wird bisher vor allem für den Stromtransport in Unterseekabeln eingesetzt.

Supraleiter als Zukunftsmarkt

Drei Millionen Meter Draht mag nach viel klingen. Im Endeffekt entsteht aus dieser Länge Draht ein höchstens 16 Kilometer langes Supraleiter-Kabel. Im Vergleich mit tausenden Kilometern Kupferkabel, die jährlich überall auf der Welt in Stromnetze integriert werden, erscheint diese Länge gering, doch der Markt hat Potential.

Unterdessen bezieht American Superconductor den Großteil seiner Einnahmen derzeit nicht aus der Supraleiter-Produktion, sondern durch die Herstellung von Steuerungs-Geräten und den Lizenzen für Windturbinen-Designs. Zu den Käufern zählt das Unternehmen Doosan Heavy Industries, welches Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 3 Megawatt auf der Insel Jeju betreibt.

Südkorea Vorreiter bei Smart Grids

Auf dem Gebiet von intelligenten Stromnetzen spielt Südkorea eine Vorreiterrolle. Auf Jeju sollen mit einem solchen energie-effizienten Netz 6.000 Haushalte versorgt werden. Neben LS Cable und Kepco sind auch LG, SK Telecom, KT, GS Caltex und Hyundai in das Projekt involviert. Die südkoreanische Regierung plant, 37 Milliarden Won (umgerechnet ca. 23,7 Millionen Euro) in das intelligente Stromnetz von Jeju zu investieren. Man hofft, mit den Erkenntnissen daraus ein landesweites Netz aufbauen und damit den Energieverbrauch bis 2030 um 10 Prozent reduzieren zu können.

Südkorea arbeitet auf dem Gebiet intelligenter Stromnetze eng mit dem US-Bundesstaat Illinois zusammen. Technologien, die durch die Partnerschaft gewonnen werden, sollen gemeinschaftlich genutzt werden.

Die Lage in der EU

In der Europäischen Union soll die Europäische Technologie-Plattform für Elektrizitäts-Netzwerke der Zukunft, kurz: EEGI, die Entwicklung von intelligenten Stromnetzen vorantreiben. Die Initiative wurde 2005 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen. Im Rahmen des Strategischen Energie-Technolgie-Plans (SET) soll ein Programm zur Weiterentwicklung der europäischen Stromnetze umgesetzt werden.

Das Programm sieht den vermehrten Einsatz von intelligenten Mess-Systemen in Haushalten und Stromnetzen vor. Bis 2020 erhofft sich die EEGI dadurch unter anderem eine Treibhausgas-Reduktion von 20 Prozent und einen Anstieg des Anteils von erneuerbaren Energien am Gesamt-Mix von derzeit 6,5 auf 20 Prozent. Zwischen 2010 und 2012 sollen dafür eine Milliarde Euro eingesetzt werden.

(David Kotrba)

Intelligente Stromnetze, auf Englisch Smart Grids genannt, verbinden Stromübertragung mit digitaler Zwei-Wege-Kommunikation zwischen Stromerzeuger und -Verbraucher. Strom-Erzeugung durch verschiedene Methoden und Strombedarf in sämtlichen Größenordnungen sollen so besser zusammenspielen. In Haushalten sind so genannte intelligente Zähler (Smart Meter), dafür notwendig. Diese leiten Energie-Verbrauchs-Daten an den Stromerzeuger weiter.