Science
22.10.2014

Biohacker beim zweiten Bio-Fiction-Festival in Wien

Füllfeder mit nie versiegender Bakterien-Tinte und Fotos aus lebenden Hefe-Zellen. Das Wiener Bio-Fiction-Festival widmet sich wieder „Synthetischer Biologie“.

Eine Bakterienkultur als nie versiegende Tintenquelle in einer Füllfeder und Hefezellen als lebendes Fotopapier präsentieren Biohacker-Gruppen beim zweiten „Bio-Fiction Science Art Film Festival“. Vom 23. bis 25. Oktober widmet sich die Veranstaltung in Wien erneut der „Synthetischen Biologie“. Wie beim ersten Festival 2011 gibt es wieder Kurzfilme zum Thema, neu sind Kunstperformances.

Mit der Synthetischen Biologie ist eine revolutionär anmutende Wissenschaft im Anrollen. Das Erbmaterial von Lebewesen wird dabei nicht mehr manipuliert, sondern von Grund auf neu konstruiert. Künstlich geschaffene Organismen, die etwa Biotreibstoff oder Medikamente herstellen, aber auch von Bioterroristen missbraucht werden könnten, sind keine Utopie mehr.

Analogie zum Computerbereich

Vor diesem Hintergrund will das Festival „Forscher, Künstler, Filmemacher, Designer und Biohacker zusammenzubringen, um einen öffentlichen Diskurs zur Synthetischen Biologie anzustoßen“, wie es einer Aussendung heißt. Festivalorganisator Markus Schmidt verweist auf die in Analogie zum Computerbereich in immer mehr Städten entstehenden Biohacker-Gruppen, die Laborequipment selbst produzieren und verschiedene konkrete Vorhaben umsetzen. Einige Gruppen wurden eingeladen, beim Festival ihre Projekte zu präsentieren und Interessierte auch selbst Hand anlegen zu lassen.

"Grow Your Ink"

So präsentiert eine französische Gruppe unter dem Titel „Grow Your Ink“ eine Füllfeder, in der Bakterien permanent blaue „Tinte“ produzieren, solange sie regelmäßig mit Zuckerlösung gefüttert werden. Eine niederländische Gruppe hat den Prototyp eines billigen und für den Feldeinsatz in tropischen Gebieten tauglichen Geräts entwickelt, das auf Basis der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) Malaria-Infektionen diagnostizieren kann. Und die Wiener Gruppe „Pavillon 35“ zeigt mit „Yeastograms“ ein Fotografie-Verfahren mit lebenden Hefezellen.

Neben einer Vortrags- und Diskussionsreihe im Naturhistorischen Museum Wien (NHM) werden im Rahmen eines internationalen Kurzfilmwettbewerbs 60 Filme aus 13 Ländern zum Thema „Synthetische Biologie“ im Bellaria Kino gezeigt. Die Preisverleihung findet bei der Abschlussgala am 25. Oktober im NHM statt. Neu bei dem Festival sind auch Kunstperformances im Narrenturm.