Science
17.07.2015

Eiskalter Vulkanismus auf Pluto denkbar

Durch Bilder der "New Horizons"-Sonde schließen Forscher auf geologische Aktivitäten im Inneren des eisigen Pluto. Lava entsteht dabei nicht, aber immerhin flüssiges Wasser.

Die Bilder der Mission "New Horizons" von Pluto erstaunen auch deutsche Experten. "Mich haben vor allem zwei Details überrascht", sagt der Direktor des Göttinger Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung, Ulrich Christensen. "Die großen Flächen ohne Einschlagkrater und die pyramidenförmigen Berge."

Dass große Pluto-Regionen nicht durch Krater vernarbt sind, deutet nach Angaben der Nasa darauf hin, dass sie sehr jung sind. Vermutlich sind sie vor weniger als 100 Millionen Jahren entstanden. Daraus schließen die Forscher, dass der Zwergplanet geologisch aktiv sein könnte. "Die Spuren der Einschläge sind durch innere vulkanische Prozesse ausgelöscht worden", erläutert Christensen. "Das war nicht unbedingt zu erwarten."

Wasser bei minus 200 Grad

Demnach enthält der Mantel, der den Gesteinskern von Pluto umgibt, nicht nur Wassereis, sondern auch geschmolzenes Wasser, das stellenweise an die Oberfläche gelangt und gefroren ist. Auf dem Pluto herrschen weniger als minus 200 Grad. Diesen Kryovulkanismus vergleicht Christensen mit dem ebenfalls eiskalten Neptunmond Triton. Der Kryo- oder Eisvulkanismus auf Triton könnte darauf beruhen, dass Gezeitenkräfte des Neptun dort flüssiges Wasser ermöglichen. Diese Erklärung kann für den Pluto aber nicht gelten, denn auf ihn wirken keine solchen Kräfte ein.

Kryovulkanismus erklärt vielleicht auch die gefundenen Berge am Pluto-Äquator, die laut Nasa bis zu 3.500 Meter aufragen und vermutlich hauptsächlich aus Wassereis bestehen. Auffällig ist laut Christensen auch der dunkle Fleck auf dem Plutomond Charon, der der Nasa Rätsel aufgibt. Möglicherweise könnte ein Teil der dünnen Atmosphäre des Pluto auf den nur 17.500 Kilometer entfernten Trabanten übergeschwappt sein und sich dort am Pol abgelagert haben.