Die Orion-Raumkapsel samt seines Service-Moduls, das von der ESA beigesteuert wird

© NASA

Science
01/17/2018

ESA möchte Astronauten ins tiefere All schicken

Durch Beteiligung an den Orion-Raumschiffen der NASA sieht die ESA eine Chance, dass europäische Raumfahrer künftig auch weiter als bis zur ISS fliegen.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA möchte ihre Astronauten künftig auch auf Missionen jenseits der Internationalen Raumstation ISS schicken. "Es ist unsere Vision, dass europäische Astronauten über die nahe Erdumlaufbahn hinausgehen", sagte der ESA-Direktor für menschliche und robotische Erkundung des Weltalls, David Parker.

Mitfluggelegenheit

Dafür bemüht Europas Raumfahrtagentur sich um Mitflug-Gelegenheiten im geplanten US-amerikanischen Raumschiff "Orion". Die ESA ist für den Bau eines zentralen Teils von "Orion" zuständig. Das Europäische Servicemodul (ESM) ist der Antrieb des Raumgefährts, zugleich reguliert es die Temperatur im Inneren der Astronautenkapsel, sorgt für Strom, Wasser und die Luft zum Atmen.

Tauschhandel

Die Module für die ersten beiden "Orion"-Raumschiffe sind bereits Teil einer Art Tauschhandel, wie Parker bei einer Pressekonferenz am Mittwoch erläuterte: Die ESA zahlt so ihren Beitrag zu den Betriebskosten der ISS, die die Erde in einer nahen Umlaufbahn in rund 400 Kilometern Höhe umkreist.

Im Tausch gegen die Herstellung weiterer Servicemodule könnten Mitflugplätze bei "Orion"-Missionen rausspringen, hofft die ESA: "Die Idee ist natürlich, dass wir diese Servicemodule als Tauschobjekte für künftige Astronautenflüge nutzen", sagte ESA-Chef Jan Wörner. "In den nahen Erdorbit und darüber hinaus."

Erster Testflug 2019

Einem solchen Vorhaben müssten neben der US-Raumfahrtagentur NASA auch die ESA-Mitgliedsstaaten zustimmen. Die technischen Gespräche mit der NASA liefen, sagte Parker. Voraussichtlich Ende 2019 soll "Orion" nach den Plänen der US-Raumfahrtbehörde NASA zu einem ersten unbemannten Testflug ins All starten - und zwar zum Mond.

Skepsis zu Mars-Flug

Bemannte Raumflüge zum Mars sieht ESA-Chef Wörner beim derzeitigen Stand der Technik noch skeptisch. "Ich würde es nicht wagen, Astronauten mit unserer Technik heute zum Mars zu schicken", sagte er. Der Chef des US-Unternehmens SpaceX, Elon Musk, plant einen bemannten Start zum Mars für 2024 - was Experten für äußerst ambitioniert halten.

Merkur-Sonde

Zu den ESA-Höhepunkten in diesem Jahr zählt neben der Rückkehr des deutschen Astronauten Alexander Gerst zur ISS Anfang Juni die Merkur-Raumsonde BepiColombo, die im Oktober starten soll. Das Unternehmen RUAG Space liefert dafür wichtige, in Österreich entwickelte Triebwerkssteuerungskomponenten. Die Erforschung des Merkur ist wegen der großen Nähe zur Sonne äußerst schwierig. Europas Raumfahrtagentur hat für ihre Arbeit in diesem Jahr ein Budget von rund 5,6 Milliarden Euro.