Science
27.07.2016

"Ich hoffe, dass es intelligentes Leben im All gibt"

Die Helligkeitsschwankungen des Sterns KIC 8462852 geben Forschern Rätsel auf. Auch Außerirdische wurden als Erklärung vorgeschlagen. Kickstarter-Geld soll Klarheit bringen.

Im Jahr 2015 (die futurezone berichtete) wurden beim Stern KIC 8462852auffällige Helligkeitsschwankungen festgestellt. Der 1500 Lichtjahre entfernte Himmelskörper, der am Nachthimmel nahe des Sternbilds Schwan zu finden aber nicht mit freiem Auge zu sehen ist, verdunkelte sich in unregelmäßigen Abständen sehr stark, nämlich um bis zu 22 Prozent.Übliche Ursachen für Helligkeitsschwankungen, wie Planeten oder Staubwolken, sind in diesem Fall ausgeschlossen. Ein den Stern umkreisender Kometenschwarm könnte die Daten, die vom Weltraumteleskop Kepler stammen, erklären.

Wissenschaftler haben aber auch ausgefallenere Theorien postuliert: Etwa ein Schwarm aus von einer außerirdischen Zivilisation geschaffenen Sonnenkollektoren, der den Stern umkreist, um Energie zu erzeugen. Solche Artefakte im Sternenmaßstab werden auch Dyson-Sphären genannt und könnten nur von technologisch extrem weit entwickelten Zivilisationen gebaut werden. Dass KIC 8462852 wirklich von einer Dyson-Sphäre umgeben wird, ist zwar eine exotische Theorie, kann derzeit aber nicht ausgeschlossen werden. Um der Sache auf den Grund zu gehen, hat Tabetha Boyajian von der Yale University via Kickstarter über 100.000 Dollar gesammelt. Die futurezone hat Boyajian interviewt:

futurezone: Kennen Sie andere Astronomie-Projekte, die sich über Kickstarter finanzieren?
Tabetha Boyajian: Meines Wissens gibt es bisher nichts Vergleichbares.

Wofür wird das Geld ausgegeben?
Wir werden Zeit auf einem privaten Teleskopnetzwerk kaufen, um den Stern langfristig zu beobachten, in der Hoffnung, dass die Helligkeit wieder absinkt.

Gibt es neue Erklärungsmodelle für das Verdunkelungsmuster von KIC 8462852, die ohne Außerirdische auskommen?
Die beste natürliche Erklärung ist nach wie vor, dass ein Schwarm aus fragmentierten Kometen vor dem Stern vorbeigezogen ist. Andere Erklärungsmodelle gibt es bislang nicht.

Welche Erklärungen halten Sie für die plausibelste?
Alle Ansätze benötigen mehr Daten, um auf ihre Belastbarkeit geprüft werden zu können.

Wenn es tatsächlich eine Art Dyson-Sphäre um KIC 8462852 geben sollte, wie könnten Sie das beweisen?
Sogar wenn alle natürlichen Ursachen ausgeschlossen würden, wäre das noch kein Beweis für eine solche Konstruktion. Um einen Nachweis zu erbringen, wäre noch sehr viel Arbeit nötig.

Haben die nicht gefundenen Radiowellen von KIC 8462852 ihre Hoffnung auf ein außerirdisches Megabauwerk gedämpft?
Die Untersuchungen, die bislang gemacht wurden, setzt schränkt die Möglichkeiten zwar ein. Aber es sind noch weitaus sensiblere Messungen geplant. Langfristige Beobachtungen sind ebenfalls notwendig, da die Radiowellen auch richtungsgebunden sein könnten. Dann würden wir sie nur entdecken, wenn sie zum Zeitpunkt der Beobachtung auf die Erde gerichtet wären.

Wäre eine bewohnte Dyson-Sphäre einfacher aufzuspüren als eine verlassene?
Ich denke schon. Wenn sie bewohnt wäre, würden wir dauerhaft Signale erwarten.

Glauben Sie, dass tatsächlich ein solch enormes Bauwerk da draußen sein könnte?
Wer weiß? Ich hoffe zumindest, dass es intelligentes Leben im All gibt.

Wie sieht es mit den physikalischen Einschränkungen für eine solche Konstruktion aus? Könnte eine Zivilisation ihre Ressourcen überhaupt so effizient ausbeuten, dass ein so gigantisches Projekt durchführbar wäre?
Sicherlich wäre es schwierig, das Material zusammenzutragen, um eine solche Struktur zu bauen. Soweit ich weiß, muss das erst genau untersucht werden. Es gibt dazu so viele ungeklärte Fragen, dass es schwer ist, die Grenzen des Machbaren zu skizzieren.

Wird das Kickstarter-Geld ausreichen, um das Rätsel zu lösen?
Die Kickstarter-Daten werden zur Überprüfung aller Theorien verwendet. Vorausgesetzt wir erwischen den Stern wieder bei Helligkeitsschwankungen.

Wann erwarten Sie eine Antwort?
Sogar wenn wir eine Verdunklung beobachten, kann es sein, dass eine zeitnahe Interpretation der Beobachtungen nicht möglich ist. Ich erwarte, dass es noch länger dauern wird, bis wir das System vollständig verstehen.

Wären sie enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass die Ursache für die Schwankungen trivial ist?
Nichts im Weltall ist trivial. Es handelt sich hier jedenfalls um etwas Neues, also ist es spannend, Teil davon zu sein.