Konzeptgrafik für die Seagate-Startplattform mit einer Firefly-Alpha-Rakete.
Raumschiffe sollen vom Meer aus ins All starten
Anfang April sind das private Raumfahrtunternehmen Firefly und Seagate Space eine Partnerschaft eingegangen. Die Raketen von Firefly sollen zukünftig von den schwimmenden Startplattformen von Seagate abheben.
Jetzt ist ein dritter Partner bei dem Projekt mit an Bord: Lockheed Martin. Der Rüstungskonzern bringt nicht nur die finanzielle Stärke mit, um so ein Projekt umzusetzen, sondern auch potenzielle Regierungsaufträge. Dafür wird aber auch erwartet, dass „taktische Fracht“ ins All gebracht wird.
Firefly Alpha bringt eine Tonne Fracht in den Orbit
Die Plattform, die Raketenstarts vom Meer ermöglicht, wird jetzt für Firefly Alpha entwickelt. Die Flüssigtreibstoff-Rakete ist 29 Meter hoch und wiegt 54 Tonnen. Sie kann eine Tonne Nutzlast in den niedrigen Erdorbit (LEO) bringen. Bisher ist Alpha 7-mal gestartet, 2 der Flüge waren Erfolge.
Für 3 der 7 Flüge war Lockheed Martin der Auftraggeber, die Unternehmen haben also eine gemeinsame Vergangenheit. Und auch schon bei der April-Ankündigung der Partnerschaft zwischen Firefly und Seagate, wurde klar gemacht, dass man offen gegenüber militärischen Anwendungen ist: „Die Partnerschaft ermöglicht kosteneffiziente Starts für kritische Missionen, inklusive Hyperschall-Tests, Raketenabwehr und kommerzielle Starts.“
Raumfahrzeuge
In einem Statement gegenüber Spaceflight Now sagt Lockheed Martin, dass mit dieser Plattform künftig Raumschiffe und „neue Nutzlast-Technologien“ ins All gebracht werden sollen. Dies würde Soldaten dabei helfen, schneller ihre Aufträge zu erfüllen und dem Feind einen Schritt vorauszubleiben.
Details dazu wurden nicht genannt. Mit Raumschiff könnte ein unbemanntes Raumfahrzeug gemeint sein, etwa eine kleinere Variante von Boeings X-37B. Diese könnte verschiedene Missionen im All ausführen. Auch das Verfolgen und Zerstören von feindlichen Satelliten könnte dazugehören.
Ebenfalls möglich wäre, dass das Konzept der weltweiten Lieferung von dringend benötigter Fracht wieder aufgegriffen wird. Sowohl die Air Force als auch private Unternehmen hatten schon mal die Idee, so jeden beliebigen Ort der Erde in maximal einer Stunde erreichen zu können, etwa um Soldaten mit Nachschub zu versorgen.
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Schließlich besteht noch die Option, so ein Raumschiff mit einem Gefechtskopf auszustatten und als Angriffswaffe zu nutzen. Es könnte potenziell wochen- oder monatelang im Orbit bleiben und sich dann bei Bedarf auf das Ziel am Boden zu stürzen. Bei einer Traglast von einer Tonne könnte die Firefly Alpha sogar direkt mehrere konventionelle oder nukleare Gefechtsköpfe oder Hyperschallgleiter auf eine ballistische Flugbahn Richtung Ziel bringen.
Vorteile der schwimmenden Startplattform
Der Start vom Meer aus hat vor allem einen Vorteil: Flexibilität. Man ist damit nicht auf die wenigen, offiziellen Raketenstartplätze an Land angewiesen. Zudem kommt man sich bei häufigeren Raketenstarts nicht gegenseitig in die Quere und kann auch Startplätze im Meer wählen, die möglichst geringe Auswirkungen auf die zivile Luftfahrt haben.
Mit mehreren Startplattformen können Raketenstarts zudem zeitnah oder sogar simultan ausgeführt werden. Für den Transport kommerzieller Nutzlast ins All ist das weniger wichtig, aber will man etwa möglichst viele feindliche Satelliten in kurzer Zeit ausschalten, ist es sinnvoll, gleich mehrere Jäger-Satelliten in den Orbit zu bringen.
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Seagate zufolge ist die schwimmende Startrampe eine komplett neue Entwicklung. Bei früheren Versuchen anderer Betreiber wurden Kähne oder Schiffe umgebaut. Durch das neue Design soll die Startplattform modular sein. Sie ist als Halbtaucher konzipiert mit einem nativen System, um die Position zu halten. Dadurch sollen auch Raketenstarts bei Seegang möglich werden.
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