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Junk
08/22/2011

Müllproblem im Weltraum weiter ungelöst

Der Weltraum ist voller Schrott. Im Juni verfehlte ein Brocken die Internationale Raumstation um nur 250 Meter. Die Besatzung flüchtete sich sicherheitshalber in zwei angedockte Sojuskapseln. Kaum einen Monat später drohte eine Kollision mit dem Bruchstück von Cosmos 375, einem Satelliten der Sowjetunion aus den 1970er-Jahren. Weltraummüll ist eine riesige Gefahr - für die es weiterhin keine realistische Lösung gibt.

Weltraummüll“, so Nicholas Johnson, NASA-Fachmann für Weltraummüll, „stellt für die Raumstation und deren Besatzung die Gefahr Nummer eins dar.“ Ein Raumfahrtingenieur der italienischen Weltraumbehörde ASI hat nun eine neue Idee entwickelt, wie man das All allmählich entrümpeln könnte. Marco Castronuovo will einen Satelliten mit zwei Roboterarmen losschicken. Der eine fängt das Stück Müll ein, der andere montiert eine Rakete, die es in Richtung Erdatmophäre befördert, wo es verglüht.

Tonnen von Schrott
Weltraummüll existiert seit die Sowjetunion 1957 den allerersten Satelliten, Sputnik-1, ins All schoß“, bemerkt Marco Castronuovo. Die Trümmer von etwa Trägerraketen oder nicht mehr funktionsfähigen Satelliten stellen ein wachsendes Problem dar. Weltraumbehörden, allen voran die NASA und die ESA, unterhalten eigene Abteilungen, wo man sich die Köpfe über Müllvermeidung, -verminderung und aktiver –entsorgung zerbricht. Letzteres ist vorläufig ungelöst.

Mehr als 15.000 Objekte messen im Durchmesser mehr als zehn Zentimeter und können von der Erde durch Teleskope beobachtet werden. Das Space Shuttle, die Raumstation sowie Satelliten mussten immer wieder Trümmern ausweichen. Wieviel kleines Bruchwerk – Brocken zwischen einem und zehn Zentimetern Durchmesser – unterwegs sind, weiß niemand. Wahrscheinlich Hunderttausende. Auf Teilen des Hubble-Weltraumteleskops, die man zur Erde zurückgebracht hat, finden sich zahlreiche, millimetergroße Einschläge. Am dichtesten ist der Müll im erdnahen Bereiche, zwischen 200 und 2000 Kilometern.

Das All – eine kleine Welt
In der Vorstellung gilt das All als unendliche Weite. Doch, wie sich zeigt, wird diese Welt zunehmend kleiner. 2009 passierte, was kaum jemand für möglich gehalten hätte: Der Kommunikationssatellit der US-Firma Iridium kollidierte mit dem schon längst kaputten sowjetischen Satelliten Kosmos 2251. Der Zusammenstoß erfolgte mit einer Geschwindigkeit von 15 Kilometern pro Sekunde, dem Vielfachen einer Gewehrkugel. Die Folge des Knalls: Mehr als 1700 neue Brocken Müll in allen Größen und Formen, die wiederum mit anderen Schrotttrümmern zu kollidieren drohen. Die Befürchtung dabei: Mehr Mülltrümmer verursachen immer mehr Kollisionen und führen zum so genannten „Kessler-Effekt“. 1978 beschrieb der NASA-Ingenieur Donald Kessler, dass zunehmend häufigere Kollisionen die Erde mit einem Gürtel von dichtem Kleinmüll umspannen und den erdnahen Raum unbenutzbar machen könnten.

An Vorschlägen, vor allem die großen Brocken zu eliminieren, hat es bisher nicht gemangelt. Es gab Dutzende Konzepte zur aktiven Entsorgung, seien es von der Erde aus gelenkte Laser - die so genannten Laserbesen aus dem NASA-Ideenlabor -, die die Objekte in Richtung Erdatmophäre stupsen oder seien es Raumkapseln, die Brocken einfangen. Umgesetzt wurde bisher keines. Und auch Marco Castronuovos Idee wird vermutlich nicht so bald realisiert werden. Es scheitert an der Finanzierung und auch daran, wer nun die Verantwortung zur Entsorgung von wessen Müll übernimmt.

Fahrplan zum Großreinemachen
Sollte der Satellit mit seinen beiden Roboterarmen doch eines Tages zu seiner mehrjährigen Mission aufbrechen, ist die Liste der zu erledigenden Dinge schon erstellt. Marco Castronuovo hat für den Anfang 41 Objekte zwischen 65 und 3800 Kilogram als Kandidaten zur Entsorgung identifiziert. Sie befinden sich in einer besonders dichten Müllzone, wo ständig Kollisionen drohen. Sein Plan sieht außerdem vor, pro Jahr zwischen fünf und zehn große Trümmer zu entsorgen. Das klingt zwar bescheiden angesichts der Vielzahl der schweren Brocken, doch laut einer Reihe von Studien wäre das eine langfristig erfolgreiche Strategie. „Wenn man 100 Jahre lang jährlich fünf bis zehn Objekte entfernt“, erklärt Nicholas Johnson (NASA), „würde sich die Situation im Weltraum stabilisieren.“