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Breitband
03/24/2011

Vectoring: Turbo-Boost für Kupferkabel

Die Nachfrage nach schnellem Breitband-Internet scheint grenzenlos. Abseits von den Städten verläuft der Glasfaser- und Kabelausbau aber nur schleppend. Die Industrie versucht daher, die vorhandenen Kupferkabel-Netze auszureizen. Mit Vectoring und Phantom Mode sind zwei Technologien am Start, die das Netz bis zu vier Mal schneller machen können.

von Martin Stepanek

Der Datenheißhunger von Video-Streaming-Seiten wie YouTube, aber auch anderer ressourcenintensiver Webseiten und Applikationen zwingt die Netze immer öfter in die Knie. Vor allem im ländlichen Bereich sind User auf bestehende Kupferleitungen angewiesen. Mit der Netztechnologie Vectoring können die Durchsatzraten mit vergleichsweise geringem Aufwand verdoppelt werden.

100 Mbit/s als Ziel
„Ziel aus Providersicht ist es, Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s für den Großteil der Kunden garantieren zu können“, erklärt Vectoring-Experte Tomas Nordström vom Forschungszentrum Telekommunikation Wien (FTW) im Gespräch mit der futurezone. Technisch gesehen baut Vectoring auf den Errungenschaften von VDSL2 auf, das schon jetzt theoretische Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s verspricht. In der Praxis sorgen Signalinterferenzen aber dafür, dass schon mehrere Hundert Meter nach dem Verteilerkasten die Geschwindigkeit stark abfällt. Bei veralteten Kabeln sinkt dieser Wert schon nach 300 Metern auf maximal 50 Mbit/s ab.

„Bei den Interferenzen handelt es sich um elektromagnetische Störungen, die während der Übertragung von Daten in der Leitung auftreten. Mit Vectoring kann vom Verteilerknoten aus, von dem die Kupferkabel zu den Häusern weggehen, dieses Übersprechen großteils eliminiert werden“, sagt Nordström. In der Praxis bedeutet dies, dass auch bis zu 500 Meter vom lokalen Verteilerkasten entfernt, noch Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s garantiert werden können.

Aufrüstung vergleichsweise günstig
Schon jetzt achten Provider darauf, dass Kunden mit VDSL2-Anbindung maximal 800 Meter bis einen Kilometer von einem derartigen Knotenpunkt entfernt sind. Die Aufrüstung der Netze mit Vectoring ist mit vergleichsweise geringen Kosten verbunden, da die Kupferkabel unangetastet bleiben und lediglich der Verteilerknoten (DSLAM) adaptiert werden muss. Nordström schätzt die derzeitigen Preise von Vectoring-fähigen DSLAMs etwa um 30-40 Prozent höher als die von herkömmlichen Verteilerknoten. "Setzt sich die Technologie durch, werden diese Kosten aber fallen."

Die Frage bleibt, ob sich die Aufrüstung der Kupfernetzwerke lohnt. Denn allein in Österreich existieren Nordström zufolge etwa 40.000 derartiger Verteilerknoten. Da viele davon schon jetzt mit Glasfaser angeschlossen sind, erscheint das Verlängern der leistungsstarken Glasfaser-Leitung zu den Wohneinheiten hin auf den ersten Blick als lösbares Unterfangen.

Rasche Umsetzung - Regulierung als Hindernis

„Selbst wenn jede Leitung, die vom Verteiler weg neu verlegt werden muss, nur einige Hundert Meter lang ist, multipliziert sich dies angesichts rund zwei Mio. vorhandener Leitungen ins Unermessliche,“ analysiert Nordström. „Ein Glasfaser-Netz dieser Größe aufziehen zu können, erscheint in Österreich in den nächsten fünf bis zehn Jahren einfach unrealistisch. Vectoring hingegen könne in den kommenden Jahren rasch umgesetzt werden, wenn die Betreiber sich für die Technologie aussprechen. In Österreich hat A1 Telekom bereits angekündigt, Leitungen mit der Technologie aufzurüsten. Auch A1TA-Generaldirektor Hannes Ametsreiter hat in einem

versprochen, dass Vectoring spätestens 2012 in Österreich eingesetzt wird.

Als mögliches Hindernis für den Durchbruch der Technologie gelten allerdings regulatorische Vorgaben, die Provider zur Bereitstellung von Netzkapazitäten zwingen. Denn Vectoring bzw. das Eliminieren der Signal-Interferenzen funktioniert nur dann, wenn ein Verteilerknoten sämtliche Signale der angeschlossenen Kupferleitungen überblicken und interpretieren kann. Nur so kann die Interferenz „wegberechnet“ werden. Wird das Netz von verschiedenen Betreibern geteilt, fehlen dem Knoten die notwendigen Signal-Rückmeldungen, um gegensteuern zu können.

Phantom Mode
Neben Vectoring geistert auch der Begriff Phantom Mode immer wieder durch die Medien. So vermeldete Netzwerk-Spezialist Alcatel-Lucent bereits im vergangenen Jahr im Testlabor Datenübertragungen von 300 Mbit/s über Distanzen von 400 Meter geschafft zu haben. Dieses Kunststück brachten sie mit einer Kombination der Technologien Vectoring, Bonding und Phantom Mode zustande. Auch Nokia Siemens Network experimentiert seit einiger Zeit mit Phantom Mode und Vectoring.

Während Bonding dazu verwendet wird, zwei DSL-Leitungen zu kombinieren und dadurch die Bitrate zu verdoppeln, erlaubt Phantom Mode mithilfe zweier Kupferkabelpaare eine virtuelle dritte Leitung zu erzeugen. Laut Nordström kann mittels Phantom Mode die über Vectoring zur Verfügung gestellte Kapazität um weitere 50 Prozent erhöht werden. Hinsichtlich einem großen Roll-out ist der Wissenschaftler allerdings skeptisch: "Phantom Mode ist nur möglich, wenn zumindest zwei Kupferdraht-Paare zum Kunden hinführen. Da die Mehrheit aber nur mit einem Kupferdraht-Paar versorgt wird, wird sich die Technologie in den kommenden Jahren wohl kaum großflächig durchsetzen", so Nordström.

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