Start-ups
30.12.2017

hiMoment: Eine App will Nutzer glücklich machen

hiMoment: "Was war das Beste, was dir heute passiert ist?" © Bild: Himoment GmbH

Das Start-up hiMoment will mit seiner App Nutzern dabei helfen, glücklich zu werden. "Glück kann trainiert werden", sagt Gründer Christoph Schnedlitz.

"Was war das Beste, das dir heute passiert ist?" Diese Frage müssen Nutzer der App hiMoment immer wieder beantworten. Nicht ohne Grund. "Wenn man das regelmäßig macht, dann richtet man automatisch die Wahrnehmung auf das Gute, das im Leben passiert", sagt Christoph Schnedlitz, der das gleichnamige Start-up hinter der App Anfang 2017 gemeinsam mit Jan Hruby gegründet hat.

In ihrer App, die Menschen dabei helfen will glücklicher zu werden, kombinieren Schnedlitz und Hruby Forschungsergebnisse aus Psychologie und Neurowissenschaft mit künstlicher Intelligenz. Auf Basis der Interaktion der Nutzer versucht die App dabei, das Glücksgefühl zu steigern.

"Flow"

Zentral dabei ist ein Konzept, das Schnedlitz "Flow" nennt: Je nach angenommener Stimmungslage werden Nutzern der App zwei Momente präsentiert, die sie in der Vergangenheit eingegeben haben. Sie müssen dann entscheiden, welcher besser war. "Je schwieriger diese Entscheidung, desto glücklicher wird man", erläutert Schnedlitz. Denn man müsse darüber nachdenken und die Momente wieder durchleben. "Unser Gehirn funktioniert ein bisschen wie Tetris: Die Fehler stapeln sich auf, die Erfolge verschwinden sofort wieder. Das ist ganz schlecht für uns."

Öffentlich gemacht werden die Einträge der Nutzer nicht. Sie können auch nicht mit Freunden geteilt werden. "Das ist ganz wichtig. Persönliche Momente sollte man für sich haben", sagt Schnedlitz. Außerdem sei man unter solchen Bedingungen bereitwilliger, ehrlich mit sich selbst zu sein.

hiMoment-Gründer Christoph Schnedlitz und Jan Hruby © Bild: Himoment GmbH

"Auf Online-Netzwerken hast du ein Fake-Leben, das du dort darstellst, vor sich selber vor anderen", meint Schnedlitz. Auch sehe man bei 500 Freunden immer irgendjemanden, der gerade heiratet, einen Karrieresprung, Urlaub oder etwas Besonderes gemacht hat, während bei einem selbst nichts passiere: "Man vergleicht sich ständig mit anderen und das macht unglücklich."

"Das Glück ist kein Vogerl"

Die Idee zu der App kam Schnedlitz vor sechs Jahren in Indien, wo er aus persönlichen Gründen begann, sich für das Thema Glück zu interessieren. Er recherchierte und las sich in Studien ein. Seine Erkenntnis: "Das Glück ist kein Zufall. Es ist kein Vogerl, es ist ein Muskel, den man trainieren kann."

Rund 5000 Nutzer zählt die seit Juli nach einem sechsmonatigen geschlossenen Betatest auch öffentlich verfügbare Anwendung. Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Nutzern ist laut Schnedlitz, anders als bei vergleichbaren Anwendungen aus dem angloamerikanischen Raum, die bis zu 80 Prozent weibliche Nutzer haben, fast ausgeglichen. Die meisten sind zwischen 25 und 35 Jahre alt. "Unter 25-Jährige sind mit dem Thema schwer erreichbar, obwohl sie es dringend brauchen würden", meint Schnedlitz: "Sie stellen ihre Momente lieber auf Snapchat."

Hohe Erwartungen an Datenschutz

Dass die Nutzer der App hohe Erwartungen an den Schutz ihrer Daten und ihrer Privatsphäre haben, ist Schnedlitz bewusst. Die für den Dienst notwendige Analyse erfolge ausschließlich maschinell, die Daten würden verschlüsselt und anonymisiert, sagt der Gründer. Auf Werbung will man bis auf weiteres verzichten. "Unser Modell funktioniert damit nicht."

Derzeit kann hiMoment, das für iOS und Android verfügbar ist, kostenlos genutzt werden. Im kommenden Jahr soll die App um Premium-Features erweitert werden. Motivationstraining sei dabei ebenso vorstellbar, wie Hilfe bei Beziehungen oder Übungen zur Steigerung des Selbstbewusstseins.

Investoren an Bord

Finanziert wurde das Start-up zunächst von den Gründern, die beide Anfang des Jahres begonnen haben, Vollzeit an der App zu arbeiten. Seit November hat hiMoment auch Investoren an Bord, darunter Pioneers Ventures und den Business Angel Markus Ertler. "Wir haben österreichische Investoren gefunden, die an unsere Vision glauben." Für frühphasige Start-ups sei es momentan schwierig, meint Schnedlitz. Die Finanzierungen würden zurückgeschraubt, der erste Hype um Start-ups sei schon wieder vorbei: "Man muss schon sehr weit sein, um überhaupt ein Investment zu bekommen."

Die Finanzspritze will das Team, das noch bis Ende Jänner im Start-up-Zentrum WeXelerate sitzt, in das Wachstum ihrer App stecken. Verstärkt werden sollen vor allem die Marketing-Aktivitäten: "Jetzt wo wir die Ressourcen haben, können wir deutlich mehr Wind machen", sagt Schnedlitz: "2018 wollen wir 100.000 Nutzer erreichen." Aber auch das Team soll erweitert werden. Im nächsten Jahr will das Start-up, das heute auf wissenschaftliche Berater zurückgreift, einen "Chief Science Officer" einstellen.

Was aber macht Leute glücklich? Dies sei für jeden etwas anderes. Es gebe aber gewisse "allgemeine Wahrheiten", so Schnedlitz: "Meistens sind es Beziehungen, Freundschaften und soziale Interaktionen, die glücklich machen. Aber auch die Fähigkeit nicht zu viel in der Vergangenheit oder in der Zukunft, sondern im Jetzt zu leben, trägt dazu bei."