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E-Books „Jeder kann in die Bestseller-Listen kommen“.

Foto: Reuters/Bildmontage
Über eine Million verkaufter E-Books über Amazon Kindle: John Locke ist der erste Autor, dem es gelungen ist, diesen Erfolg ganz ohne Verleger im Rücken einzufahren. Im futurezone-Interview erzählt Locke, wie ihm der Eigenverlag zum Durchbruch verholfen hat und warum er überzeugt ist, dass das heute jedem gelingen kann. Hierzulande gibt es aber auch kritische Stimmen, die der E-Book-Euphorie weniger abgewinnen können.

Innerhalb von nur fünf Monaten ist es dem US-Autor John Locke gelungen, in den elitären Club der – bislang insgesamt erst acht - „Kindle Millionäre“ aufzusteigen. Er verkaufte mehr als eine Million E-Books über Amazons Plattform und ist damit überhaupt der erste unabhängige Autor, dem das durch reines Self-Publishing ohne Verlag im Hintergrund gelungen ist. Locke hatte zuvor auch traditionelle Wege beschritten, um seine Romane unters Volk zu bringen. Der Großteil seiner Bücher ist auch in gedruckter Form erhältlich. Breite Bekanntheit erlangte er jedoch erst, nachdem er sich seine eigene Marketingstrategie zimmerte und voll auf E-Books setzte.

„Knapp ein Jahr lang hab ich überhaupt nichts verkauft. Das war die Zeit, in der ich versucht habe, meine Bücher über traditionelle Wege zu verkaufen, die mir von sogenannten Experten empfohlen wurden“, sagt Locke im Interview mit der futurezone. Dann habe er sein eigenes Vermarktungskonzept ausgearbeitet und „der Erfolg stellte sich rasant ein.“ Schon in den ersten beiden Monaten verkaufte Locke 20.000 Downloads. In den darauf folgenden fünf Monaten kamen 1,1 Millionen dazu. Seit Oktober vergangenen Jahres hat Locke über die Kindle-Plattform 376.000 Dollar verdient. Alle sieben Sekunden wird derzeit irgendwo auf der Welt eines von Lockes` Büchern heruntergeladen, die Preise bewegen sich in der Regel zwischen 99 Cent und 1,50 Dollar. Zusätzliche 80.000 Dollar nahm der 60-Jährige aus Kentucky über andere E-Book-Plattformen wie Nook, Kobo und Apples iPad ein.

Marketingstrategie und treue Fans
Locke, der sich auf die Genres Thriller und Krimi spezialisiert hat, glaubt dank seines Erfolgs fest an das Konzept des Self-Publishing über Amazons Kindle. „Jeder kann ein Buch schreiben und damit in die Bestseller-Listen kommen, wenn er mein Marketingsystem befolgt“, sagt Locke, der es mit seiner Strategie auch in die Bestseller-Listen der New York Times geschafft hat. Eines seiner bekanntesten Bücher, „Saving Rachel“, führte schon vor dem Knacken der Millionen-Hürde die Top-100 der Kindle-Bestseller-Liste an, zudem ist Locke laufend gleich mit mehreren seiner Werke in den Rankings vertreten.

Dass das Format E-Book allein natürlich noch kein Garant für Ruhm und Popularität ist, das räumt auch Locke ein: „Wer mehr als eine Million Downloads verkaufen will, muss sich als Autor selbstverständlich ein treues Publikum erarbeiten und kontinuierlich weitere Bücher schreiben, die dieses Publikum bedienen.“

Kinderkrankheiten
Schwierigkeiten für unabhängige Autoren, die den E-Book-Weg beschreiten, sieht Locke derzeit noch in den vielen uneinheitlichen Formaten. „Es gibt so viele verschiedene Plattformen und kein standardisiertes E-Book-Format, ebenso wenig gibt es Standards für die Autoren oder für Buchbeschreibungen.“ Neben der Vermarktung sei deshalb der Prozess der Formatierung die größte Herausforderung.

Hinzu kommen aber auch andere Probleme beim Direct-Publishing: So hat Amazon auf seiner Plattform seit einiger Zeit mit einer Spamwelle zu kämpfen. Viele E-Books werden nicht tatsächlich "geschrieben", sondern billig erworbene Online-Inhalte als vermeintliche E-Books verpackt und auf die Plattform geladen. Dort werden sie für Preise um die 99 Cent angeboten und überfluten so das Kindle-Angebot mit Bücher-Spam. Sogar eigene Anleitungen gibt es dafür, wie sich mit geklauten Inhalten täglich ein gutes Geschäft machen lässt. „Das ist eine schreckliche Situation, aber ich glaube, dass die Leser zusammenhalten und andere vor den Betrügereien warnen werden“, sagt Locke auf futurezone-Nachfrage. „Die Leser werden sich schnell angewöhnen, Bewertungen und Kritiken von eher unbekannten Autoren zu lesen, um sicher zu gehen, dass ihre Inhalte original sind.“ Locke ist auch überzeugt, dass Amazon seine Qualitätskontrolle verbessern und das Problem bald in den Griff bekommen wird.

Paradigmenwechsel
Trotz der Herausforderungen, die sich im Zusammenhang mit Eigenverlag und E-Books stellen, ist der Autor fest davon überzeugt, dass das Konzept jenes von traditionellen Verlagen früher oder später überholen wird. „Wenn die Verlage allerdings ihre Geschäftsmodelle überdenken, können sie weiterhin den Ton angeben. Wir befinden uns mitten in einem großen Paradigmenwechsel. Es gibt viele Möglichkeiten für Verleger, um zu überleben, das bedeutet aber, dass sie sich den neuen Gegebenheiten anpassen müssen“, sagt Locke. Er ist sich sicher, dass die Verlage das auch erfolgreich könnten. „Ob sie es tun werden, kann allerdings nur die Zukunft zeigen.“

Skepsis in der heimischen Branche
In Österreich spielen E-Books derzeit de facto noch überhaupt keine Rolle auf dem Buchmarkt. Das bestätigt auch Gerhard Ruiss von der IG Autoren. Er steht dem Thema generell eher kritisch gegenüber. Autoren wie John Locke oder auch Amanda Hocking, die es mit ihren Vampirgeschichten zu internationalem Ruhm schaffte , sieht er eher als Ausnahmeerscheinungen. „Es gibt eben auch andere Fälle – auch in den USA. Viele haben eine Onlinepräsenz, verkaufen aber so gut wie keine Bücher“, sagt Ruiss. Auch wer auf einen klassischen Verlag verzichte, brauche zumindest eine Art von Netzwerk, um bekannt zu werden und Aufmerksamkeit zu erhalten. „Ohne Networking geht es nicht“, meint Ruiss.

Gegenüber Amazon zeigt sich der Branchenkenner ebenfalls skeptisch: „Amazon vermeldet in regelmäßigen Abständen irgendwelche Erfolgsmeldungen. Aber auch hier brauchen die Autoren irgendeine Form von Unterstützung im Hintergrund. Von der stillen Existenz im Web allein, ist noch niemand berühmt geworden.“ Der Eigenverlag an sich sei zudem nichts Neues. „Das ganze neuere österreichische Verlagswesen, wie wir es heute vorfinden, ist zu einem großen Teil daraus entstanden, das verschiedene Personen und Gruppen Eigeninitiative ergriffen haben“, sagt Ruiss. Mit dem Internet hätten die Autoren heute eben zusätzliche Möglichkeiten zur Verfügung. „Es ist natürlich immer besser, es gibt mehr Möglichkeiten für die Autoren als weniger. Was davon letztlich übrig bleibt und was sich wirklich langfristig durchsetzen wird, muss sich erst zeigen.“ In einem Punkt ist sich Ruiss jedenfalls sicher: „Das gedruckte Buch wird keinesfalls durch E-Books verdrängt werden.“

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Zur Person:
Der US-Amerikaner John Locke aus Kentucky hat es mit dem Verkauf von E-Books zu weltweiter Bekanntheit gebracht. Insgesamt veröffentlichte der auf Thriller und Krimi spezialisierte Autor bisher sieben Bücher. Jeder seiner Romane schaffte es in die Kindle-Bestseller-Listen. Am 20. Juni  gelang es ihm als erster Schriftsteller ohne Verlag mehr als eine Million E-Books zu verkaufen. Seine Erfolgsstrategie beschreibt er nun in dem Buch „How I Sold 1 Million eBooks in 5 Months!“.

(futurezone) Erstellt am 28.06.2011, 06:05

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