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DLD 2016 Netflix-Chef: "Das lineare Fernsehen wird aussterben".

Netflix-Chef Reed Hastings
Netflix-Chef Reed Hastings - Foto: Hubert Burda Media, DLD
Das lineare Fernsehen werde das selbe Schicksal erleiden wie die Festnetz-Telefonie, sagt Netflix-CEO Reed Hastings auf der Internetkonferenz DLD.

"Die Leute wollen On-Demand-Fernsehen und das nicht nur am TV-Gerät, sondern auf jedem Gerät", sagte Netflix-Chef Reed Hastings am Montag bei der Internetkonferenz Digital Life Design (DLD) in München. Ebenso wie die Festnetz-Telefonie, werde auch das lineare Fernsehen früher oder später aussterben, prophezeite Hastings, dessen Unternehmen seit Jahresbeginn in 190 Ländern der Welt aktiv ist und das sich selbst als Wegbereiter einer globalen TV-Revolution sieht.

Inhalte für ein globales Publikum

Man bemühe sich Inhalte für ein globales Publikum zu produzieren, sagte Hastings unter Verweis auf Serien wie "Narcos" oder das Doku-Drama "Making a Murderer". Dabei verlasse man sich nicht nur auf die Auswertung der Nutzerdaten und die Berechnungen von Algorithmen, so der Netflix-Chef: "Letztlich entscheidet das Bauchgefühl."

Die neue Fernsehwelt bringe mehr Vielfalt und ermögliche es auch bislang ungehörten Stimmen Gehör zu finden, meinte der Netflix-Chef. Serien wie "Orange is the new black" hätten im traditionellen TV keine Chance.

Auch traditionelle Fernsehsender würden ihre Inhalte zunehmend im Netz verfügbar machen, so Hastings, der vom deutschen TV-Moderator Claus Kleber befragt wurde: "Aus TV-Sendern werden Internet-TV-Sender."

"Warnsignal Donald Trump"

Auf den Einwand Klebers, dass das Internet bislang hauptsächlich dazu geführt habe, dass Leute nach Inhalten suchen würden, die ihre Meinung bestärken und so zur Polarisierung und letztlich auch zu Politikern wie Donald Trump beigetragen habe, meinte Hastings, dass man alle Meinungen ernst nehmen müsse. Leute würden sich aus Angst und Unsicherheit Politikern wie Trump zuwenden, so der Netflix-Chef: "Es ist ein Warnsignal."

"Druck der Rechtinhaber"

Dass Netflix, wie vergangene Woche angekündigt, nun Inhalte regional begrenzen müsse, schmerzt Hastings. Das Vorgehen gegen VPN-Diensten und Proxy-Servern gehe auf den Druck von Rechteinhabern zurück. Die Nutzung von Anonymisierungsdiensten, um auf Inhalte zugreifen zu können, zeige, dass Leuten an Inhalten sehr viel gelegen sei und das sie auch bereit seien dafür zu bezahlen, so Hastings.

"Markt erweitert"

DLD 2016
YouTube-Manager Robert Kyncl - Foto: Hubert Burda Media, DLD
Weniger euphorisch, was die Durchschlagskraft von On-Demand-Videos, gab sich Robert Kyncl, Chief Business Officer von Googles Online-Videoplattform YouTube, der ebenfalls am Montag auf der DLD zu Gast war.  Das traditionelle Fernsehen habe bislang kaum Seher verloren, durch Dienste wie YouTube und Netflix habe sich lediglich der Markt erweitert, meinte Kyncl.  

Jede Minute würden etwa 400 Stunden an Videos hochgeladen, so der YouTube-Manager weiter. Ohne Algorithmen lasse sich eine solche Menge an Inhalten nicht mehr organisieren.

YouTube verstehe sich als offene Plattform, die vielen Inhalten - von Musikvideos, über Gaming, bis hin zu Comedy und Inhalten für Kinder - Platz biete. YouTube habe auch rund 20 Millionen Content-Partner, mit denen man Inhalte gemeinsam monetarisiere.

Starkes Wachstum

Detaillierte Angaben zu den Geschäftszahlen der Google-Tochter wollte Kyncl nicht machen. Nur soviel: In den vergangenen vier Jahren seien die Werbeeinnahmen um jeweils 50 Prozent gewachsen. Im mobilen Bereich gehe es doppelt so schnell, sagte Kyncl.

Von neuen technischen Möglichkeiten, wie etwa Virtual Reality (VR) und 360-Grad-Videos verspricht sich Kyncl viel. "Es ist das erste Mal, dass mobile Plattformen das traditionelle Fernsehen technisch überholt haben."

(futurezone) Erstellt am 18.01.2016, 13:43

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