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Townhall Event Zuckerberg: "Null Toleranz für Hetze gegen Flüchtlinge".

Mark Zuckerberg beim Townhall Meeting in Berlin.
Mark Zuckerberg beim Townhall Meeting in Berlin. - Foto: Screenshot Video
Beim Townhall-Event in Berlin sprach der Facebook-Gründer über Hasspostings, Flüchtlingskrise, den "Mythos Filterbubble", seine Vaterrolle und den Zuckerberg-Hund.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg stellte sich am Freitag den Fragen der deutschsprachigen Community. Die Fragen waren aber alle vorab abgestimmt – auch die kritischen. Nichts wurde dem Zufall überlassen und die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Einlass zum Event waren immens groß.

Das brennendste Thema war in Deutschland die Flüchtlingskrise in Zusammenhang mit Hasspostings. Eine Userin wollte von ihm wissen, was er hier für Maßnahmen geplant habe, um Hetze zu verhindern.

"Hetze hat keinen Platz auf Facebook"

Zuckerberg erklärte daraufhin: „Hetze hat keinen Platz auf Facebook und in unserer Community.“  Der Applaus fiel hier etwas zögerlich aus. In Deutschland gebe es andere Regeln als in anderen Ländern und Migranten seien hier eine schützenswerte Gruppe. Man habe am Anfang stärker auf Gegenreaktionen der Community gesetzt statt darauf, Einträge zu löschen. Die Devise sei aber jetzt klar: „Null Toleranz für Hetze gegen Flüchtlinge“ und man habe nun Flüchtlinge der Gruppe von Menschen hinzugefügt, die einen „besonderen Schutz“ haben sollen auf der Plattform.

Zuckerberg räumte  ein, dass das Netzwerk in dieser Frage in der Vergangenheit nicht genügend getan habe. „Ich denke nicht, dass wir einen ausreichend guten Job gemacht haben“, so Zuckerberg in Berlin. Beim Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel habe er gelernt, dass Facebook hier mehr tun müsse. Merkel hatte den 31-Jährigen am Rande eines UN-Treffens in New York auf das Problem angesprochen.

Der deutsche Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte bereits zuvor angekündigt, genau im Blick behalten zu wollen, wie Facebook seine Zusagen einhält, verstärkt gegen Hasskommentare vorzugehen.

Über die Flüchtlingskrise

Zuckerberg lobte in Berlin auch die Führungsrolle Deutschlands in Europa beim Umgang mit Flüchtlingen. „Es braucht Courage und Menschlichkeit, um zu erkennen, dass es da Leute gibt, die eine Heimat brauchen. Und ich hoffe, dass viele Länder dem Beispiel Deutschland beim Umgang mit der Flüchtlingskrise folgen. Auch die USA.“ Das deutsche
Vorgehen sei letztlich der beste Weg.

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Foto: Screenshot Video
Eine weitere kritische Frage bei der Fragerunde betraf den „geschlossenen Newsfeed“ vieler rassistischer Nutzer, die auf Facebook lieber in ihrer eigenen Filter Bubble bleiben. Wie wolle Zuckerberg das verhindern, fragte die Nutzerin. Für Zuckerberg sei dies eine „falsche, engstirnige Wahrnehmung“ von Social Media.  

Filter-Bubbles als Mythos

„Die meisten Menschen, die beispielsweise Zeitungen lesen, lesen nur das, was sie interessiert. Außerdem bekommen sie auf diesem Weg nur die Meinung dieser einen Redaktion. Bei Social Media haben Menschen aber immer auch Freunde mit anderen Ideologien in ihren Kreisen und so bekommen sie online viel eher unterschiedliche Inhalte angezeigt, als wenn sie nur Zeitung lesen würden“, so Zuckerberg.

Der Facebook-Gründer gab allerdings zu, dass man sehr eher auf die Links im Newsfeed klicke, die von Freunden mit „ähnlicher Weltanschauung“ gepostet werden, als auf die von Menschen mit einer anderen. Aber dann folgten folgende Worte: „Ich halte es für einen Mythos, dass der Facebook-Newsfeed Filter-Bubbles kreiert. Social Media trägt dazu bei, seinen Horizont zu erweitern.“

Unter dem Hashtag #townhall kritisierte Facebook-Kläger Max Schrems diese Ansicht während dem Event auf Twitter. Sie sei „US-zentriert“ und nicht im Einklang mit der europäischen sozialen Realität. „Welcher FPÖ-Wähler hat schon einen ‚diversen‘ Freundeskreis?“

"Privatsphäre-Innovation"

Auf die Frage, ob er Angst hätte, dass viele Nutzer Facebook verlassen würden, weil sie mit dem Umgang von Facebook im Bezug auf die Privatsphäre und Datensicherheit nicht einverstanden seien, reagierte Zuckerberg ausweichend und unkonkret. „Natürlich ist es unser Job, die Inhalte davor zu schützen, dass sie in die falschen Hände von Regierungen oder Hackern gelangen.“

Man gebe den Nutzern zudem komplette Kontrolle, was mit ihren Daten passiere und wer diese sieht. „Man kann Dinge jederzeit löschen und dann sind sie weg.“ Man tue weit mehr, als viele andere tun würden. Zuckerberg sieht Facebook gar als „Privatsphäre-Innovation“, weil es ein Platz sei, wo man privat mit seinen Freunden kommunizieren könne.

Private Fragen

Gleich danach plauderte Zuckerberg locker aus seinem Privatleben und machte die offenbar unterschiedliche Auffassung von Privatsphäre zwischen ihm und vielen Facebook-Nutzern deutlich. Denn neben den kritischen Fragen gab es auch Fragen der Facebook-Nutzer nach Hund und Kind. „Es ist großartig, Vater zu sein“, sagte Zuckerberg und sein Blick erhellte sich sichtlich. Tochter Max liebe es, gebadet zu werden.

„Ich verlege meine beruflichen Termine, sodass ich jedes Mal dabei sein kann“, sagte Zuckerberg. Er habe außerdem schnell gelernt, was sein Kind wirklich will, wenn es heult. Sein Hund würde zudem seine Tochter lieben. "Aber darüber will ich jetzt nicht lange reden", sagte Zuckerberg - bevor er weitere Minuten mit diesem Thema verbrachte.

Live-Video und VR

Auch Tech-Themen wurden zumindest vage behandelt: Zur weiteren Entwicklung von Virtual Reality sagte Zuckerberg etwa, dass man dieses Meeting in fünf Jahren bereits als 360 Grad-Video am Smartphone mitverfolgen werde könne und somit „live dabei“ sein könne.

Zuckerberg kündigte zudem an, dass es in den nächsten Wochen Live-Videos als neue Funktion für Mobilgeräte für alle Facebook-Nutzer geben werde. „Live-Videos sind ein junger, emotionaler, roher Weg, um Inhalte zu sharen.“

Fazit

Das Townhall-Event in Berlin lief damit wie erwartet: Zuckerberg plauderte über Privates, machte eine Ankündigung eines neuen Tech-Features, gestand ein bisschen Kritik und Selbsteingeständnis ein, und hielt einen Lobgesang auf Social Media und das Teilen von Inhalten.

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Foto: Mark Zuckerberg
Den Nutzern sollte allerdings bewusst sein: Zuckerberg ging es vor allem um die Inszenierung - ähnlich wie bei seinem Überraschungsauftritt bei Samsung am Mobile World Congress.  Und diese Inszenierung ist ihm einmal mehr gelungen - auch wenn er dieses Mal nicht unentdeckt auf die Bühne trat.

(futurezone) Erstellt am 26.02.2016, 15:23

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