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Meldestelle Kinderporno: "Übel an der Wurzel packen".

Foto: Stopline
Im Jahr 2011 sind bei der österreichischen Internet-Meldestelle Stopline mehr als 3500 Meldungen eingegangen, davon wurden 518 Inhalte als tatsächlich illegal eingestuft. Es war dabei nur ein österreichischer Server betroffen. Man werde auch weiterhin gegen die Anbieter der Inhalte vorgehen, so die Leiterin der Meldestelle. In vielen Fällen erweist sich diese Strategie als erfolgreich.

In Österreich gibt es seit 1998 Stopline, eine nicht-behördliche Meldestelle für Kinderpornografie, nationalsozialistische Wiederbetätigung und andere verbotene Inhalte. Dort können Internet-Nutzer anonym melden, wenn ihnen bedenkliche Inhalte im Netz auffallen. Im Jahr 2011 gingen bei der Stelle mehr als 3500 Meldungen ein. Davon entpuppten sich rund 15,5 Prozent als "verboten", ein Großteil davon war tatsächlich kinderpornografisches Material. "Das ist eine deutliche Reduktion gegenüber dem Vorjahr", sagte Barbara Schloßbauer, Leiterin von Stopline, am Mittwoch bei der Präsentation des Jahresberichts vor Journalisten in Wien.

Ein Fall aus Österreich
Die verbotenen Inhalte wurden großteils von ausländischen Servern gehostet. Nur ein Fall aus Österreich wurde bekannt. "Hier hat der Provider die Inhalte binnen drei Stunden offline genommen", erläutert Schloßbauer. "Für die Internet Service Provider ist unsere Arbeit eine große Hilfe, da es für technisches Personal prinzipiell sehr schwierig ist, festzustellen, ob tatsächlich eine Rechtsverletzung vorliegt oder nicht", erklärte Maximilian Schubert, Generalsekretär der ISPA. Nicht immer sei eindeutig erkennbar, ob beispielsweise das Schutzalter von 18 Jahren unterschritten wurde. "Manchmal werden auch Fotos von nackten, spielenden Kinder am Strand gemeldet. Das ist ein klassischer Fall von nicht verbotenen Inhalten", fügte Schloßbauer hinzu.

Die Ursprungsländer der bei Stopline gemeldeten pornografischen Inhalte sind mit 69 Prozent die USA, mit elf Prozent die Niederlande, mit acht Prozent Deutschland. Der Anteil aus Russland betrug im Jahr 2011 nur noch drei Prozent - und ist damit deutlich zurück gegangen. "Russland hat mehrere Initiativen gesetzt, um gegen Kinderpornos vorzugehen und das Geschäft wurde erheblich zurück gedrängt", so Schloßbauer. Über das Netzwerk INHOPE werde zudem mit 41 europäischen und internationalen Meldestellen zusammengearbeitet. "Das funktioniert so, dass wir Inhalte, die auf ausländischen Servern lagern, an die jeweiligen Meldestellen der Länder weiterleiten", erklärt Schloßbauer.

Es gibt Grenzen
In den USA werden kinderpornografische Inhalte in der Regel relativ rasch offline genommen, "weil hier alle Länder ähnliche Gesetze haben", erläutert Schubert. Bei nationalsozialistischen Inhalten sei das hingegen schwieriger, da diese in den USA beispielsweise nicht strafbar seien und unter "Meinungsfreiheit" toleriert werden. Das zeigt sogleich auch die Grenzen auf, die eine derartige Meldestelle erfüllen kann.

Die Betreiber sind dennoch überzeugt, dass dies der "richtige Weg" im Kampf gegen Kinderpornografie im Netz ist. "Wir packen das Übel an der Wurzel. Es geht uns vor allem darum, das Netz für Anbieter von kinderpornografischen Inhalten die Plattform zu nehmen und ihre kommerziellen Interessen abzugraben", sagte Schubert. Hierfür seien Netzsperren nicht geeignet. "Wir sind überzeugt, dass das Risiko den Eingriff nicht rechtfertigt. In anderen Ländern, in denen dieser Weg praktiziert wird, tauchen beispielsweise immer wieder geleakte Sperrlisten auf. Das Inhaltsverzeichnis von Kinderporno-Seiten ist dann im Web abrufbar und das ist genau das Gegenteil, von dem, was man eigentlich erreichen will", erklärte Schubert.

Websites dominieren bei der Meldung
Die bei der Stopline gemeldeten Inhalte waren hauptsächlich im Web angesiedelt. Sie machten im Jahr 2011 99 Prozent der gemeldeten Inhalte aus, der Rest viel auf Filesharing-Plattformen oder soziale Netzwerke. "Facebook geht hier sehr proaktiv vor und reagiert schnell", beschreibt Schloßbauer. Das Web werde durch die zahlreichen Initiativen im Kampf gegen Kinderpornografie für Anbieter immer weniger lukrativ. "Es lohnt sich nicht mehr", so Schloßbauer.

Diejenigen, die es sich für derartige Inhalte interessieren, würden jedoch zunehmend in Peer2Peer-Netzwerke oder geschlossene Foren ausweichen. "Es macht dennoch weiterhin mehr Sinn, gegen die Quelle vorzugehen, als einzelne Nutzer zu verfolgen", erläutert Schloßbauer. In geschlossenen Foren sei außerdem die Hemmschwelle größer.

Auch nach Einführung der Vorratsdatenspeicherung in Österreich am 1. April soll die Meldung von Inhalten bei Stopline "anonym", also ohne gespeicherte Log-Daten erfolgen, versicherte die Leiterin der Meldestelle.

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Über Stopline
Stopline ist eine Meldestelle im Internet, an die sich Internetnutzer anonym wenden können, wenn sie auf Webseiten mit Kinderpornografie oder NS-Wiederbetätigungsinhalten stoßen. Sie wird von der ISPA betrieben und von der EU kofinanziert.

(futurezone) Erstellt am 21.03.2012, 12:35

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