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Smartphone-Test Galaxy Note Edge im Test: Samsungs Machtdemonstration.

Das Samsung Galaxy Note Edge hat ein Display, das sich um die rechte Ecke biegt.
Das Samsung Galaxy Note Edge hat ein Display, das sich um die rechte Ecke biegt. - Foto: Gregor Gruber
Warum macht Samsung ein Smartphone mit einem gebogenen Display, das um die Ecke geht? Weil sie es können.

Nach dem eher mäßig erfolgreichem Galaxy Round versucht sich Samsung erneut an einem Smartphone mit gebogenem Display. Das Galaxy Note Edge (899 Euro) ist keine komplette Neuentwicklung, sondern basiert auf dem Galaxy Note 4 (hier geht es zum Test). Die futurezone hat das Note Edge getestet.

Weniger Metall

Mit dem eleganten Look des Note 4 kann das Note Edge nicht ganz mithalten. Der Aluminiumrahmen ist auf einen Aluminiumstreifen zusammengeschrumpft. Da dieser beim Halten des Geräts kaum Kontakt zur Hand hat, fühlt sich das Gerät weniger hochwertig als das Note 4 an. Das Edge wirkt dafür allerdings merkbar leichter, obwohl mit 174 Gramm der reale Gewichtsunterschied zum Note 4 lediglich zwei Gramm beträgt.

Weder haptisch noch optisch gut gelöst ist der Plastikrahmen. Dieser steht sicht- und fühlbar über das Display-Glas hinaus. Am Höchsten ragt er an der rechten Seite, über den gebogenen Teil des Displays, hinaus. Das gebogene Display ist ein Hingucker und sieht ein wenig aus, als würde der Touchscreen über die Ecke des Smartphones fließen.

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Note Egde (links) und Note 4 - Foto: Gregor Gruber

Größere Ränder

Obwohl das Display des Edge um 0,1 Zoll kleiner ist, sind die Dimensionen nahezu ident mit denen des Note 4. Es ist zwar um 2,2 mm kürzer und 0,2 mm flacher, aber um 3,8 mm breiter. Trotz der geringen Unterschiede wirkt es wuchtiger. Das liegt unter anderem daran, dass der Rand an der Front, zwischen Display und Rahmen, etwas größer als beim Note 4 ist.

Vom Note 4 übernommen ist die dezent gestrichelte Front und die Plastik-Rückseite im Leder-Look. Die Rückseite ist abnehmbar und gewährt Zugriff zu Akku, Micro-SIM-Karte und MicroSD-Karte. Der Akku ist nicht ident mit dem des Note 4, sondern um 220 mAh kleiner. Im Gegensatz zum Note 4 schließt die Abdeckung des Edge besser mit dem Rahmen ab.

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Foto: Gregor Gruber

Handhabung

Durch die breite Form sollte man entsprechend große Hände haben, um das Edge bequem halten zu können. Aufgrund der dünneren Kante an der Seite mit dem gebogenem Display, liegt das Edge weniger sicher in der Hand als das Note 4. Es ist auch weniger bequem, aber die Ecke ist nicht so dünn/scharf, dass das Halten schmerzhaft ist.

Da der rechte Rahmen, wegen des gebogenen Displays, nicht für Tasten zur Verfügung steht, ist die Standby-Taste beim Edge an der Oberseite. Das ist bei einem Smartphone dieser Größe nicht optimal. Die Lautstärke-Tasten befinden sich, wie beim Note 4, an der linken Seite. Hält man das Smartphone in der linken Hand, sind diese Tasten mit dem Daumen gut erreichbar. Liegt das Gerät in der rechten Hand, muss man den Zeigefinger schon etwas strecken oder umgreifen.

Da der Touchscreen über die rechte Ecke verlängert wird, liegen beim Halten dort entweder die Finger der linken Hand oder der Handballen der rechten Hand auf. Einem unbeabsichtigten Auslösen hat Samsung großteils vorgebeugt. Das ungewollte Starten von Apps aus der seitlichen Shortcut-Leiste oder das Drücken von Bedienelementen, ist bei normalem Halten nahezu unmöglich. Wenn eine ungewollte Aktion durchgeführt wird, ist es das Wechseln des Panels, weil die Berührung vom Touchscreen als Wischgeste interpretiert wurde. Aber auch das kommt kaum vor.

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Foto: Gregor Gruber

Display

Das Display misst 5,6 Zoll. Samsung gibt die Auflösung mit 2.560 x 1.440 + 160 Pixel an, bedingt durch das gebogene Display. Wie beim Note 4 ist die Darstellung angenehm scharf.

Das Display des Edge ist weniger hell und weniger kontrastreich. Im direkten Vergleich mit dem Note 4 wirkt es, als würde ein leichter Grauschleier über dem Display liegen. Besonders deutlich wird dies im Vergleich mit einem aktuellen Smartphone mit LC-Display, wie dem Sony Xperia Z3. Hat man aber nur das Edge im Alltagseinsatz, gewöhnt man sich schnell an die Darstellung und sie fällt nicht weiter störend auf.

Ums Eck gedacht

Beim Edge hat Samsung (im Gegensatz zum Galaxy Round) nicht einfach nur das Display gebogen, sondern sich auch Gedanken darüber gemacht, wie es genutzt wird. Die Darstellung von Apps, die nicht speziell den gebogenen Teil des Displays miteinbeziehen, erstreckt sich nur wenige Millimeter über die Biegung. Das ist auch gut so, da Texte und Bilder sonst unangenehm verzerrt werden würden. Der Rest der Display-Kurve, den Samsung „Seitenbildschirm“ nennt, ist eine schwarze Leiste, in der ein eigener Text angezeigt werden kann.

Bei angepassten Apps wird der Seitenbildschirm für Zusatzinfos oder Bedienelemente genutzt. Bei Shpock etwa werden die zuletzt aufgerufenen Angebote als Thumbnails angezeigt. Beim Spiel „Chess of Knight“ wird die Liste der Figuren und Energieleiste im Seitenbildschirm angezeigt. In der Kamera-App sind die Onscreen-Bedienelemente und die Auslöse-Taste im Seitenbildschirm. Beim Spiel Extreme Racing ist die Entfernung zum Ziel im gebogenem Teil des Displays zu sehen.

Für den Lockscreen kann der Seitenbildschirm personalisiert werden. Als Optionen stehen eines oder mehrere Bilder, auf Wunsch mit Kippeffekt, oder das Einblenden eines Textes zur Verfügung. Wer möchte, kann mit dem Stylus auch einen eigenen Text handschriftlich verfassen oder etwas zeichnen.

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Foto: Gregor Gruber

Seiten-Apps

Im Homescreen und wenn in Apps vom äußeren Rand nach innen gewischt wird, sind die Seitenpanele sichtbar. Die Panele sind etwas größer als die schwarze Leiste, die bei Apps zu sehen ist, die nicht den Seitenbildschirm nutzen.

Durch Wischen nach links oder rechts werden die Panele gewechselt. Welche Panele in welcher Reihenfolge angezeigt werden, ist einstellbar. Neue Panele werden über Samsungs eigenen App Store heruntergeladen. Die Auswahl an Panelen ist derzeit noch überschaubar – kurz vor dem Österreich-Start am 5. Dezember standen, inklusive der vorinstallierten Panele, 20 Stück zur Auswahl.

Das Standard-Panel ist eine Shortcut-Leiste, die mit Links zu Apps und Ordnern befüllt werden kann. Ein Panel zeigt Wetter und Benachrichtigungen, andere den Schrittzähler, aktuelle Termine des Kalenders oder Yahoo-Nachrichten. Auch ein Memory-Spiel ist dabei.

Der Seitenbildschirm übernimmt zudem die Funktion der Status-Leiste. Bekommt man eine SMS oder andere Benachrichtigung, wird die Vorschau im Seitenbildschirm statt der Status-Leiste angezeigt. Da der Text um 90 Grad gedreht ist, kann das Lesen der Benachrichtigungen im Seitenbildschirm für manche gewöhnungsbedürftig sein. Wer eine Samsung Gear Fit nutzt (und die Textausrichtung nicht umgestellt hat), hat bereits Übung im seitlich lesen. Stichwort Gear Fit: Die benötigte App zum Koppeln, der Gear Fit Manager, ist für das Edge noch nicht verfügbar. Die Gear 2, 2 Neo und Gear S können gekoppelt werden.

Mit Flip Cover

Das Flip Cover des Edge bedeckt das Display nur bis zur Kurve. Dadurch bleibt der Seitenbildschirm zur Gänze sichtbar. Benachrichtigungen sind so auf den ersten Blick sichtbar – wenn man innerhalb von drei Sekunden hinschaut. Leider hat Samsung nicht daran gedacht, ein kleines Symbol bei verpassten Anrufen oder neuen SMS permanent anzuzeigen. Dies wäre eine gute Alternative für die LED-Benachrichtigungsleuchte gewesen, die durch das Cover verdeckt wird.

Bei geschlossenem Cover wird bei eingehenden Anrufen der Name im Seitenbildschirm angezeigt und man kann den Anruf annehmen oder ablehnen. Drückt man die Standby-Taste bei geschlossenem Cover, wird zuerst eine von vier wählbaren Uhren im Seitenbildschirm angezeigt. Danach kann man mit Wischbewegungen die Seiten-Panele durchscrollen.

Nicht verständlich ist, wieso man aus dem Kontakte-Panel keine Anrufe mit geschlossenem Cover starten kann. Das Cover ist so ausgelegt, um auch bei bedecktem Display telefonieren zu können. Tippt man auf dem Schnellanrufe-Seitenpanel einen Kontakt an, wird man aber dazu aufgefordert, das Cover zu öffnen. Erst dann wird der Anruf gestartet.

Lineal und Taschenlampe

Die Schnellfunktions-Tools sind sowohl ohne als auch bei geschlossenem und offenem Flip Cover nutzbar. Dazu zieht man im Seitenbildschirm mit dem Finger von oben nach unten. Zur Verfügung stehen ein Lineal (in cm und inch), Stoppuhr, Timer, Taschenlampe und Audioaufnahme.

Das virtuelle Lineal kann nicht gänzlich ein echtes Lineal ergänzen. Aber durch das gebogene Display sind die Markierungen näher am Rand und der Unterseite, als bei einem herkömmlichen Smartphone. Dadurch wird das Messen von Objekten einfacher. Wird das Flip Cover verwendet, wirkt sich das negativ auf. Da es sowohl oben als auch unten aufträgt, ist der Höhenunterschied von virtuellem Lineal und Objekt größer.

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Foto: Gregor Gruber

Note 4 mit Kurve

Bis auf den etwas kleineren Akku sind die Features und technischen Daten ident mit dem Note 4. Dazu gehören die Funktionen des Stylus, die Optionen für die Einhand-Bedienung, die S Health-App mit Puls-, UV- und Sauerstoffsättigungs-Messer und die etwas entschlackte TouchWiz-Oberfläche.

Der interne Speicher ist mit 32 GB gleich groß, Prozessor und RAM sind ebenfalls gleich. Auch die Kamera mit optischen Bildstabilisator, die durchaus gute Fotos macht, ist ident mit der des Note 4. Details zu den Funktionen können im futurezone-Test des Galaxy Note 4 nachgelesen werden.

Fazit

Das Galaxy Note Edge ist technisch fast ident mit dem sehr guten Note 4, lediglich bei der Qualität des Displays kann es nicht mithalten. Schade ist, dass Samsung keinen Weg gefunden hat, den gelungenen Aluminium-Rahmen des Note 4 mit dem gebogenen Display des Edge zu kombinieren. Nimmt man die beiden Geräte nacheinander in die Hand, würde man nicht glauben, dass das Edge das 130 Euro teurere Modell ist.

Das gebogene Display des Edge bringt (bis auf das Lineal) keine Vorteile bei der Benutzerfreundlichkeit. Abgesehen von dem spannenden Look und dem interessanten Gefühl, mit dem Finger auf einem Touchscreen um die Kurve zu wischen, ist es im Grunde nur eine Zusatzleiste mit passenden Widgets. Auch Platztechnisch bringt das gebogene Display beim Edge keine Vorteile. Obwohl das Note 4 auf dem Papier ein größeres Display hat, ist das Edge im direkten Vergleich breiter.

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Foto: Gregor Gruber

Beim Edge ist das gebogene Display demnach ein nettes Designelement, das, im Vergleich zum Galaxy Round, immerhin einen Sinn hat und nicht nur „gebogen um des Biegens Willen“ ist. Dennoch ist das Edge in erster Linie eine Machtdemonstration von Samsung. Der Konzern zeigt der Konkurrenz und den Kunden, was schon jetzt möglich ist. Und es ist eine Vorschau auf das, was uns in den nächsten Jahren erwarten wird: Neue Formfaktoren bei Smartphones und Tablets, die durch die flexiblen Displays möglich werden.

Technische Daten

Modell:
Samsung Galaxy Note Edge SM-N915FY
Betriebssystem:
Android KitKat 4.4.4, TouchWiz UI
Maße und Gewicht:
151,3 x 82,4 x 8,3 mm, 174 Gramm
Chipsatz, CPU:
Qualcomm Snapdragon 805 Quad-Core-CPU, 2,7 GHz
RAM:
3 GB
Bildschirm:
5,6 Zoll Super AMOLED, 2.560 x 1.440 + 160 Pixel
Speicher:
32 GB (per microSD um bis zu 64 GB erweiterbar)
Kamera:
16 Megapixel Haupt, 3,7 Megapixel Front
Akku:
3.000 mAh
Sonstiges:
802.11 a/b/g/n/ac HT80, MIMO, Bluetooth 4.0, Micro-USB 2.0, A-GPS, GLONASS, NFC, Infrarot
Preis:
899 Euro (UVP)

Produktwebseite des Herstellers

(futurezone) Erstellt am 05.12.2014, 06:00

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