Apps

Vibe-Coding: Mit App-Hilfe zur ersten eigenen App

Eine eigene App zu erstellen war bisher nur jenen vorbehalten, die entsprechende Fähigkeiten, vor allem im Bereich der Programmierung, hatten. Dank des Aufstiegs von Künstlicher Intelligenz hat sich aber auch hier einiges getan.

Unter dem Begriff Vibe Coding ist eine eigene Sparte entstanden, in der Nutzerinnen und Nutzer ganz ohne Vorkenntnisse Apps, Webseiten und Tools aus dem Boden stampfen und oft sogar veröffentlichen. Während die App Stores mittlerweile mit wertlosen Apps zum Vibecoden geflutet werden, gibt es einige wenige, die brauchbare Ergebnisse liefern. 

Wir stellen euch diese Vibecoding-Apps vor:

  • Bitrig: iOS
  • Replit:  iOS und Android
  • Lovable: iOS und Android

Der Testprompt

Zum Testen der jeweiligen Apps möchte ich mir eine App erstellen lassen, die die RSS-Feeds von YouTube-Kanälen zu einer chronologischen Timeline zusammenstellt. Die App soll diese sowohl kompakt als auch groß mit Thumbnail und Titel darstellen. Ein eigener Reiter soll außerdem die Verwaltung der abonnierten RSS-Feeds ermöglichen.

Der genaue Prompt lautet: "Erstelle mir eine App, die meinen persönlichen YouTube-Feed nachstellt. Statt mich bei YouTube einzuloggen, möchte ich die Videos meiner bevorzugten Kanäle via RSS abrufen. Ich möchte eine Liste mit meinen abonnierten Kanälen, wo ich diese benennen und hinzufügen kann. Die Hauptseite der App soll ein Feed sein, wo alle Videos der hinterlegten Kanäle chronologisch aufgelistet werden. In Sachen Design möchte ich zwischen großen Thumbnails und einem Kompakt-Modus wechseln können."

Bitrig

Die Prämisse von Bitrig ist „Learn to vibe code Swift apps“. Entwickelt von ehemaligen Mitarbeitern des SwiftUI-Teams bei Apple, bietet die App eine unkomplizierte Möglichkeit, Apps nach eigenen Vorstellungen zu schaffen. Die Oberfläche von Bitrig unterscheidet sich dabei auf den ersten Blick nicht von anderen KI-Chatbots. Über die Eingabemaske formulieren wir möglichst detailliert, welche Funktionen wir uns wünschen und wie die App aussehen soll.

Anhand unserer Eingaben generiert Bitrig dann eine App, die direkt in der App getestet werden kann. Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick meist sehr überzeugend. Je nachdem, wie unser Prompt aussieht, muss aber oft nachjustiert werden. In unserem Beispiel klappt etwa das Laden des Feeds nicht sofort. Details, hier etwa eine Funktion zum Editieren der hinterlegten Channels, werden komplett vergessen und müssen über weitere Prompts hinzugefügt werden.

Haben wir unser gewünschtes Endprodukt, unterstützt uns Bitrig beim Push Richtung Testflight bzw. Veröffentlichung. Die Preispolitik von Bitrig hat sich über die vergangenen Monate deutlich verschärft. Nach der Umstellung auf ein Token-System fangen 200 Credits bei 29 Euro an. 1.600 Credits schlagen mit 229 Euro zu Buche.

Bitrig ist kostenlos für iOS erhältlich.

Replit

Die App von Replit hat sich auf das Bauen von Webseiten und Apps spezialisiert, darüber hinaus können Dokumente, Präsentationen und sogar Games kreiert werden. Um mit der App loslegen zu können, braucht es einen kostenlosen Account. Danach können wir direkt mit der Umsetzung unserer Ideen beginnen. In unserem Workspace begrüßt uns die klassische Chatbot-Eingabemaske, der wir so detailliert wie möglich unser Projekt schildern.

Nach dem Tippen auf „Senden“ macht sich Replit sofort an die Arbeit. Während der Arbeit ist der Agent äußerst detailliert. Sämtliche Schritte werden beschrieben, selbst bei Fehlern während der Arbeit werden wir darüber informiert. Die einzelnen Dateien und Programmteile, die währenddessen erstellt und benutzt werden, können wir uns ebenso ansehen. Nach einigen Minuten Arbeit präsentiert uns Replit das Ergebnis.

Die im Test erstellte App läuft aber nicht nativ auf dem Smartphone. Stattdessen bekommen wir die Vorschau zum Testen auf einer Webseite. Das Ergebnis ist mehr als beeindruckend, selbst kleine Details, wie etwa eine Funktion zum Editieren, wurden von Replit bedacht. Sind wir zufrieden, können wir die Web-App direkt veröffentlichen.

Auch beim Veröffentlichen einer nativen Variante greift uns Replit unter die Arme. In der kostenlosen Version ist die Veröffentlichung via Web aber auf 30 Tage beschränkt. Die Pro-Version ohne Einschränkungen kostet 22 Euro pro Monat.

Replit ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

Lovable

Ganz frisch in den App Stores gelandet ist die App von Lovable. Wer diese nutzen möchte, sollte schon beim Download ganz genau hinsehen. Derzeit sind 6 Apps für iOS verfügbar, die unter dem Namen Lovable Vibe-Coding versprechen. Die App der schwedischen Lovable Labs scheint aber immerhin in den Suchergebnissen ganz oben auf.

Um mit der App loszulegen, ist eine kostenlose Registrierung Pflicht. Danach können wir bereits unsere Ideen ausbreiten. Lovable unterstützt laut eigenen Angaben das Vibe-Coding für Web-Apps und mobile Apps, Webseiten, Tools und Dashboards sowie SaaS-Produkte und Marktplätze. Tippen wir unsere App-Idee in die Eingabemaske, fängt Lovable sofort zum Arbeiten an.

Der Output während der Arbeit wird eher klein gehalten. Zwar bekommen wir Einblicke, was gerade passiert, sonderlich detailliert sind die Angaben aber nicht. Nach knapp 2 Minuten ist die App fertig. In einem eigenen Fenster können wir das Ergebnis direkt testen. Während die App optisch alle Wünsche erfüllt, ist das Fetching der Kanäle nach dem ersten Anlauf noch ohne Funktion. Ein zweiter Prompt behebt das Problem aber recht schnell.

Auch Lovable setzt auf Web-Apps. Native Apps finden wir hier nicht. Dank Synchronisation lassen sich sämtliche Projekte quer über all unsere Geräte bearbeiten. In Sachen Monetarisierung setzt Lovable auf eine Mischung aus Pro-Funktionen und Erweiterungen durch Credits. Der Pro-Plan kostet über den App Store 44,99 Euro pro Monat.

Lovable ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

Fazit

Wer schon immer von der eigenen App geträumt hat, hat mittlerweile einige Möglichkeiten. Besonders das Ergebnis von Replit hat mich beeindruckt, Lovable und Bitrig müssen sich aber keineswegs verstecken. Zwar waren teilweise Nachjustierungen notwendig, nach nur einem Prompt waren die Resultate aber schon brauchbar.

Echtes Programmieren können diese Apps aber nicht ersetzen. Gerade wenn Probleme auftauchen, wird das Debugging ohne Kenntnisse schwierig. Die Kosten, die für Abos und Credits entstehen, machen das Ganze außerdem zu einem teuren Spaß.

Klicken Sie hier für die Newsletteranmeldung

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Amir Farouk

Early-Adopter. Liebt Apps und das Internet of Things. Schreibt aber auch gerne über andere Themen.

mehr lesen