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Instagram Instants im Test: Ein misslungenes Experiment

Als simple App zum Teilen von Fotos mit Freundinnen und Freunden groß geworden, ist Instagram zu einem der wichtigsten Social-Media-Tools gewachsen. Während etwa Facebook ins Hintertreffen geraten ist, konnte sich Instagram vor allem in den jüngeren Zielgruppen halten.

Verantwortlich dafür sind neben den vielen Influencern auf der Plattform auch die Features, die regelmäßig erweitert werden. Mit Instants bringt Instagram nun eine neue Funktion als Standalone-App.

Spontanität in der Hochglanz-Umgebung

Wer auf Instagram unterwegs ist, findet viel bearbeiteten Content und Hochglanz. Es gibt vor allem die „schönen“ Seiten zu sehen, oft hart nachbearbeitet, sodass die Realität nur noch eine Randnotiz ist.

Diese alternative Realität hat dazu geführt, dass Apps wie BeReal sich platzieren konnten. Und auch Snapchat, trotz der Spielerei mit den Filtern, lebt seit seinem Start von einer Spontanität, die auf Instagram zu oft nur an den Rändern auffindbar ist. 

Mit Instants möchte Instagram jetzt genau hier ansetzen, um mehr „Realness“ auf die Plattform zu bekommen. Verpackt wurde das neue Feature in eine eigene App, die je nach Erfolg ausgebaut wird oder am Ende als Teil der Instagram-App endet. 

Die knapp 200 MB große App macht uns den Einstieg relativ einfach. Zum Start werden wir direkt mit Erklärtexten begrüßt. Bei Instants geht es darum, „etwas schnell mit Freunden zu teilen“ und dass die Bilder nicht auf ewig bleiben. Nach einer zweiten Runde Erklärbär landen wir dann auch schon im Hauptscreen der App. Und der ist alles andere als aufregend.

Nudes für den ganzen Freundeskreis

In der oberen Hälfte finden wir den Bildausschnitt, darunter Knöpfe für Blitz, Kamerawechsel und den Auslöser. Damit auch ganz sicher nichts schiefgeht bei der Nutzung dieser „bahnbrechenden“ Technologie, müssen wir ein erstes Instant „zum Üben“ nur für uns sichtbar schießen.

Diese Übungsaufnahme soll höchstwahrscheinlich verhindern, was eine solche App fast schon automatisch fördert: das Senden von Nacktfotos und anderen unangenehmen Inhalten. Instants ist hier nämlich alles andere als zurückhaltend.

Sobald wir auf den Auslöser gedrückt haben, macht sich das Foto bereits auf den Weg ins World Wide Web. Was in dem kleinen Fotoausschnitt zu sehen ist, sollte also wirklich für die „Öffentlichkeit“ bestimmt sein. 

Spontan vorbereitet

Die paar Einstellungen, die wir für unser Foto vornehmen können, gilt es schon vor dem Schnappschuss anzupassen. Instants können nämlich, als einzige Ausnahme, mit einer Bildunterschrift versehen werden. Diese müssen wir aber bereits vor dem Schnappschuss hinterlegen, was die Spontanität dann vielleicht doch etwas verkommen lässt.

Außerdem, auch das muss vor dem Schnappschuss gewählt werden, können wir den Empfängerkreis bestimmen. Zur Auswahl gibt es hier „Freunde“, also Follower, denen wir auch folgen, sowie „Enge Freunde“, was eine Liste an Personen ist, die wir vorher ausgewählt haben.

Das Verschicken an Einzelpersonen ist hier nicht möglich. Stattdessen müssten wir jedes Mal mühsam die Liste „Enge Freunde“ bearbeiten. Reagiert werden kann auf Instants mit Emoji-Reaktionen und Instants, der Austausch landet dann auch in den Instagram-Direktnachrichten

Unsere Aufnahmen finden sich dann in einem eigenen Reiter, wo wir sie ansehen und schnell wieder löschen können, wenn etwas ungewollt geteilt wurde. Je nach Auswahl können dann „Freunde“ oder „Enge Freunde“ die Aufnahme jeweils einmalig ansehen.

Nach insgesamt 24 Stunden verschwindet unser Foto komplett. In unserem privaten Archiv verbleiben die Aufnahmen bis zu einem Jahr, um daraus noch einmal Compilations für Instagram-Stories zu generieren. 

Stress ohne Not

Was Instants bisher komplett vermissen lässt, sind Bewegtbilder. Zwar erwähnt die Instants-App auch Videos, anfertigen kann man aber derzeit zumindest noch keine. Und auch sonst lässt die App doch einiges vermissen. Dass nicht einmal Spaßfilter vorhanden sind, lässt die App etwas kahl wirken.

Dass Instants nicht an Einzelpersonen verschickt werden können, ist höchstwahrscheinlich sogar ein Segen. Da Instagram zum 8. Mai 2026 die Verschlüsselung von Direktnachrichten komplett gekillt hat, werden Unwissende zumindest nicht dazu verleitet, mit Partnern und anderen Bekanntschaften intime Inhalte zu tauschen. Mit der von Instagram gewünschten Spontanität hat Instants aber in meinen Augen nichts zu tun.

Wer ein spontanes Foto schießt, möchte nicht zuerst Empfängerkreis und Bildunterschrift auswählen, sondern das nach dem Schnappschuss erledigen. Warum Instants ohne Not das Bild sofort ins Internet jagen muss, ohne auf eine zusätzliche Bestätigung zu warten, ist rätselhaft. So erzeugt die App bzw. das Feature nur die Illusion eines spontanen Fotos, während der Ablauf zur Stolperfalle werden kann.

Fazit

Mit Instants möchte Instagram an die Spontanität von Apps wie BeReal und Snapchat anknüpfen. Mit der derzeitigen Umsetzung ist das aber mehr als misslungen. Neben dem Fehlen von Videos und Gimmicks wie spaßigen Filtern versucht Instagram, ein Problem zu lösen, das nicht wirklich existiert.

Da bei Instants keine Einzelpersonen gewählt werden können, hat das Feature auch keinen Mehrwert für den persönlichen Austausch. Das Hochladen ohne Bestätigung ist eine Einladung für ungewollte Aufnahmen. Derzeit sind Stories und Direktnachrichten spontaner als Instas neues Spontan-Feature. 

Instants ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

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Amir Farouk

Early-Adopter. Liebt Apps und das Internet of Things. Schreibt aber auch gerne über andere Themen.

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