Digital Life

„Wir sehen alles”: Datenarbeiter in Kenia über Meta-Smart-Glass-Aufnahmen

Allein 2025 hat Meta mehr als 7 Millionen seiner AI Glasses mit Ray-Ban- oder Oakley-Branding verkauft. Der Konzern bewirbt sie als smarte Alltagshelfer, die Fragen zur Umgebung beantworten, Gespräche in Echtzeit übersetzen, den Wetterbericht am Display anzeigen und natürlich Videos aufzeichnen können. Hinter diesen Funktionen steht die hauseigene KI, wie Meta betont.

Doch „künstliche Intelligenz“ funktioniert nicht ohne Kontext und erst recht nicht ohne menschliche Arbeitskräfte, die dem System alles Nötige beibringen. Eine Recherche der schwedischen Tageszeitungen Svenska Dagbladet und Göteborgs-Posten im Umfeld von Datenannotationsfirmen in Kenia zeigt nun die Perspektive der Menschen, deren Arbeit im Kontext der AI Glasses unsichtbar gemacht wird.

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Meta-Subunternehmen in Nairobi

„In manchen Videos sieht man jemanden auf die Toilette gehen oder sich ausziehen. Ich glaube nicht, dass sie es wissen, denn wenn sie es wüssten, würden sie nicht aufzeichnen“, zitiert Svenska Dagbladet einen Mann, der in Nairobi die Aufnahmen von Meta-Brillen sichtet. Er ist für Sama tätig, eine Datenannotationsfirma mit Standorten in den USA, Kanada, den Niederlanden, Uganda und Kenia.

Die beiden Zeitungen haben mit mehr als 30 Angestellten dieses Meta-Subunternehmers in Nairobi gesprochen. Ehemalige Meta-Angestellte in den USA haben bestätigt, dass „Live-Daten“ in mehreren Projekten gesichtet und beschriftet werden.

Bankinformationen und Pornografie

„Wir sehen alles – von Wohnzimmern bis zu nackten Körpern. Meta hat diese Art von Inhalten in seinen Datenbanken“, sagt ein Sama-Angestellter gegenüber Svenska Dagbladet. Auch Bankkarten seien zu sehen gewesen, oder Menschen, die die Meta-Brillen beim Sex oder beim Porno-Schauen trugen.

In 10-Stunden-Schichten versehen die Arbeiterinnen und Arbeiter die teils intimen Aufnahmen mit Schlagworten. Das zu hinterfragen sei nicht vorgesehen – sobald man Fragen stelle, sei man weg, so ein Mitarbeiter.

Chats mitlesen

Neben dem Beschriften von Bildern gehört auch die Arbeit mit Transkripten zu den Aufgaben der Sama-Angestellten in Nairobi. Sie sollen überprüfen, ob der KI-Assistent in der Brille die Fragen des Trägers oder der Trägerin korrekt beantwortet hat.

„Es kann um alle möglichen Themen gehen. Wir sehen Chats, wo jemand über Verbrechen oder Proteste spricht. Es sind nicht nur Grüße, es können auch sehr düstere Dinge sein“, berichtet ein Arbeiter.

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Datenübermittlung an Meta

Daheim in Schweden hat das Team der beiden Tageszeitungen sich in mehreren Brillengeschäften umgeschaut und selbst eine Meta-KI-Brille gekauft. Anders als viele lokale Verkäuferinnen und Verkäufer betonten, stimme es nicht, dass keine Daten an Meta weitergegeben werden. Ohne Internetverbindung funktioniert der KI-Assistent nicht. Analysen zeigten, dass die zugehörige Smartphone-App in häufigem Kontakt mit Servern in Schweden und Dänemark stand.

In Österreich kann man die Brillen online, sowie in Ray-Ban-Filialen und bei verschiedenen Optikerketten kaufen, sie kosten je nach Ausführung um die 500 Euro. Auf deren Webseiten wird in Datenschutzfragen auf Meta verwiesen.

Meta speichert Daten

Ein genauer Blick in die Nutzungsbedingungen von Meta AI zeigt: „In einigen Fällen überprüft Meta deine Interaktionen mit AIs, einschließlich der Inhalte deiner Unterhaltungen mit oder Nachrichten an AIs, und diese Überprüfung kann automatisiert oder manuell (durch einen Mitarbeiter) erfolgen.“ 

Außerdem heißt es: „Wenn Informationen mit AIs geteilt werden, speichern und verwenden die AIs diese Informationen manchmal. Teile keine Informationen, von denen du nicht möchtest, dass die AIs sie verwenden und speichern, wie z. B. Informationen zu sensiblen Themen.

Noyb sieht Transparenzproblem

Die österreichische Datenschutz-NGO Noyb sieht bei den Meta-Brillen ein Transparenzproblem: Nutzerinnen und Nutzer würden möglicherweise nicht bemerken, dass die Kamera aufzeichnet, wenn sie anfangen, mit dem KI-Assistenten zu reden. „Wenn das in Europa passiert, mangelt es sowohl an Transparenz als auch an rechtlicher Basis für die Verarbeitung“, sagt Kleanthi Sardeli von Noyb gegenüber Svenska Dagbladet.

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Auf wiederholte Anfragen der Tageszeitung reagierte Meta lediglich mit einem Verweis auf die Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen. Ob sich alle Besitzerinnen und Besitzer der Meta AI Glasses bewusst sind, dass sie nicht die einzigen sind, die durch ihre Brille schauen, ist zu bezweifeln.

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