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So knapp schrammte Europa am totalen Stromausfall vorbei

Über die massive Störung im europäischen Stromnetz am 8. Jänner sind nun weitere Informationen bekanntgeworden. Wie bereits vermutet, sorgten aufeinanderfolgende Netzausfälle in Südosteuropa zu einer Auftrennung des großeuropäischen Netzes in zwei Gebiete. Während durch die Unterbrechung das südliche Gebiet einen Erzeugungsüberschuss hatte, kam es im nördlichen Gebiet, zu dem auch Österreich und Deutschland zählen, zu einer Unterversorgung.

Über eine Stunde instabil

Wie die Netzbetreiber-Dachorganisation ENTSO-E st, verlief die Grenze durch die Länder Kroatien, Serbien und Rumänien. Das führte ab 14.05 Uhr dazu, dass der Frequenzbereich im nordwestlichen Europa von den angepeilten 50 Hz auf 49,74 Hz sank und sich kurz danach knapp über dem kritischen Grenzwert 49,84 Hz stabilisierte. Im Südosten wiederum stieg die Frequenz durch den Überschuss, der nicht weitertransportiert werden konnte auf 50,6 Hz, um sich dann bei 50,2 bis 50,3 Hz einzupendeln.

In Frankreich und Italien wurden der Organisation zufolge Stromabnehmer in der Größe von 1,7 GW vom Netz genommen. Zur weiteren Stabilisierung wurde insgesamt 480 MW aus Großbritannien und Nordeuropa automatisch dazugeschaltet. Damit habe man das Netz in nur vier Minuten soweit stabilisieren können, dass die Abweichung nur mehr etwa 0,1 Hz betrug. In der südöstlichen Region dauerten die Anstrengungen länger. Erst nach einer Stunde konnte die Netzfrequenz soweit abgesenkt werden, dass diese nur mehr 0,1 Hz über den angepeilten 50 Hz lag.

Einige Fragen offen

Der ganze Spuk war schließlich um 15 Uhr 08, und also nach genau 63 Minuten, mit der Verbindung der beiden Regionen zum riesigen Gesamtnetz wieder vor. Die vom Netz genommenen Stromabnehmer in Italien und Frankreich konnten bereits 20 Minuten vorher wieder mit Energie versorgt werden.

Der genaue Grund für die Ausfälle in Südosteuropa, die zu dem Auftrennen des Netzes geführt haben, ist derzeit noch Gegenstand von Untersuchungen. Was laut Ansicht von Experten allerdings jetzt schon feststeht, ist dass die Ausfälle und Frequenzschwankungen nicht mit erneuerbaren Energieträgern und etwaigen Wetter-bedingten Kapriolen zusammenhängen.

Ungeachtet der automatisch greifenden Maßnahmen und des relativ glimpflichen Ausgangs wird der Vorfall als zweitschwerste Störung des europäischen Stromnetzes aller Zeiten eingestuft. Bei einer ähnlichen Großstörung im Jahr 2006 wurden zehn Millionen Haushalte in Westeuropa vom Netz getrennt.

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Martin Jan Stepanek

martinjan

Technologieverliebt. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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