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US Army gibt revolutionäre „fliegende Mine“ XM204 für den Einsatz frei

Die unscheinbare, koffergroße XM204 könnte eine kleine Revolution am Schlachtfeld sein. Sie wird als smarte Panzerabwehrmine und „Top-Attack Munition“ beschrieben.

Nach einem erfolgreichen Test im Dezember am Truppenübungsplatz Grafenwöhr, Bayern, hat die US Army den Urgent Material Release (UMR) für die XM204 freigegeben. Dieser beschleunigte Prozess für die Einführung von Rüstungsgütern kommt dann zur Anwendung, wenn eine schnelle Einsatzbereitschaft wichtiger ist als das Erfüllen aller 31 separaten Zertifizierungen des Full Material Release (FMR).

Attacke kommt von oben

Üblicherweise sind Panzerminen am Boden und explodieren, wenn der Panzer auf den Auslöser fährt. Einige modernen Minen nutzen auch magnetische oder seismische Auslöser, um nicht durch die Erschütterung einer Explosion in der Nähe oder die Ketten eines Minenräumfahrzeugs ausgelöst zu werden. Das erschwert die Räumung eines Minenfelds.

Die XM204 hat eine andere Funktionsweise. Sie greift nicht von unten, sondern von oben an. Der Vorteil dabei ist, dass Panzer an der Oberseite nur dünn gepanzert sind. Deshalb nutzen auch moderne Panzerabwehrraketen die Top-Attack – explodieren also über dem Ziel oder stürzen sich von oben herab, anstatt in einer geraden Linie darauf zuzufliegen.

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An der Vorder- und Unterseite sind Panzer stärker geschützt, gerade weil Gefahr durch Minen droht. Eine moderne Panzerabwehrmine wird aber vermutlich zumindest die Kette sprengen, was den Panzer fahrunfähig macht. Der Turm könnte aber weiterhin einsatzfähig bleiben, wodurch der Panzer noch wehrfähig ist, falls die Besatzung sich nicht zur Flucht entschließt.

Eine Mine, 4 Treffer

Eine XM204 hat insgesamt 4 Ladungen. Sie kann also 4 Panzer zerstören. Erkennen die Sensoren einen Panzer, wird eine Ladung in die Luft geschleudert und steuert mittels eigener Sensoren auf den Panzer zu. Diese „fliegende Mine“ hat eine Reichweite bis zu 50 Meter.

Test der XM204 gegen einen alten Kampfpanzer

Die Ladung explodiert über dem Panzer. Durch die Explosion wird ein Penetrator aus einer Tantal-Legierung geformt, der mit hoher Geschwindigkeit das Ziel trifft. Bei früheren Tests wurde so ein russischer T-72 Kampfpanzer zerstört.

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Möglicherweise Einsatz in Ukraine geplant

Das deutet bereits an, gegen wen die XM204 zum Einsatz kommen soll. Der zweite Hinweis ist, dass das 2nd Cavalry Regiment als erstes die XM204 bekommt. Die Einheit ist in Deutschland stationiert. Die XM204 ist also zur Abwehr russischer Vorstöße in Europa gedacht.

XM204

Das klingt stark danach, dass die XM204 in der Ukraine zum Einsatz kommen könnte. In Grafenwöhr werden ukrainische Soldaten schon seit 2022 an Waffensystemen ausgebildet, die die Ukraine von NATO-Partnern bekommt. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass das 2nd Cavalry Regiment die Schulung für die XM204 übernehmen wird, bevor sie in die Ukraine geliefert wird.

Ausbildung mit Trainingssysemen der XM204 in Deutschland

Für die US Army und Textron, dem Hersteller der XM204, hätte das einen großen Vorteil. Die Mine würde so im echten Einsatz genutzt, ohne, dass dafür US-Soldaten gefährdet werden. Mit den gesammelten Erfahrungen kann die XM204 verbessert bzw. angepasst werden, bevor sie den X-Status verliert (das X steht für „Experimental“) und als M204 im großen Stil bei den US-Streitkräften eingeführt wird.

XM204 bei einer Übung

Selbstzerstörung

Die Nutzung der XM204 wird bei einem 8-stündigen Training erlernt. Das Scharfmachen der Mine soll weniger als 5 Minuten dauern.

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Sie wiegt 38 kg und kann deshalb von 2 Soldaten (oder einem starken) in Position gebracht werden. Nach dem Platzieren wird die Antenne für die Sensoren ausgefahren. Der Selbstzerstörungsmechanismus kann auf 4 Stunden, 2 Tage oder 15 Tage eingestellt werden. Das soll verhindern, dass die Mine noch jahrelang nach Kriegsende herumliegt und Zivilisten gefährdet.

Verladen der XM204

Terrain Shaping Munition

Rein technisch gesehen ist die XM204 keine Mine, auch wenn sie dieselbe Funktion erfüllt. Offiziell wird sie als „Terrain Shaping Munition“ bezeichnet. Gemeint ist damit, dass das Gelände für den Feind unpassierbar wird oder er zumindest stark am Vorankommen gehindert wird – so, als wäre das Terrain unüberwindbar oder nur schwer durchquerbar.

Die XM204 kann dazu auch mit mehreren anderen XM204 genutzt werden. Zudem ist ein gemeinsamer Einsatz mit anderen Terrain Shaping Munitions möglich, wie der XM343.

Trainingsversion der XM343

Dabei handelt es sich um eine Startvorrichtung für die gängigen M87-Kanister, die auch vom Minenlegsystem M136 genutzt werden.

Bekommt die XM343 das Signal von der XM204, dass sich Feinde nähern, werden die Kanister ausgelöst. Diese stoßen Antipersonenminen in einem Radius von 80 Meter aus. Wird XM343 nicht ausgelöst, kann das System deaktiviert und später erneut verwendet werden. Auch das verhindert, dass die Landschaft nach einem Konflikt vermint ist, obwohl womöglich nie ein Feind in dieses Gebiet vorgedrungen ist.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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